ROUNDUP, Erstmals

Erstmals Banker wegen Cum-Cum-AktiengeschÀften angeklagt

25.03.2025 - 16:10:36

Zum ersten Mal in der deutschen Justizgeschichte sind Banker angeklagt, die mit Cum-Cum-AktiengeschÀften Geld verdient haben.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat eine Anklage gegen fĂŒnf Banker zugelassen, wie das "Handelsblatt" berichtet. Dabei handle es sich um ehemalige Top-Manager der Deutschen Pfandbriefbank. Durch ihre Cum-Cum-GeschĂ€fte sollen dem Fiskus knapp 40 Millionen Euro verloren gegangen sein.

Das Verfahren ist an der dritten Strafkammer des Landgerichts Wiesbaden anhÀngig, wie eine Sprecherin des Gerichts sagte. Wann der Prozess in Wiesbaden beginnt, stehe noch nicht fest.

Cum-Cum-GeschĂ€fte gelten als großer Bruder der Cum-Ex-AktiengeschĂ€fte, mit denen Banken und andere Investoren den deutschen Staat geschĂ€tzt um einen zweistelligen Milliardenbetrag prellten. Cum-Cum-GeschĂ€fte waren bei Banken und Sparkassen noch weiter verbreitet, sind aber juristisch kaum aufgearbeitet. WĂ€hrend einige TĂ€ter wegen Cum-Ex-Deals zu teils hohen Haftstrafen verurteilt wurden, darunter die SchlĂŒsselfigur Hanno Berger, steht bei Cum-Cum der erste Strafprozess noch aus.

Steuerschaden wesentlich grĂ¶ĂŸer als bei Cum-Ex

Der Mannheimer Finanzwissenschaftler Christoph Spengel schĂ€tzt den Steuerschaden aus Cum-Cum-Deals auf rund 28,5 Milliarden Euro. Nur einen Bruchteil davon habe sich der deutsche Staat zurĂŒckgeholt, kritisiert die BĂŒrgerbewegung Finanzwende.

Bei Cum-Cum-GeschĂ€ften generierten Banken illegale Steuervorteile fĂŒr auslĂ€ndische Inhaber deutscher Aktien. Mithilfe der Deals wollten vermögende auslĂ€ndische AktionĂ€re eine Regel im deutschen Steuerrecht umgehen. Sie sieht vor, dass sich deutsche Anleger Steuern auf die Dividenden von deutschen Aktien erstatten lassen können, auslĂ€ndische Anleger aber nicht.

Milliardenschwere RĂŒckforderungen

Das Landgericht Wiesbaden hatte im Februar 2024 eine Anklage der Staatsanwaltschaft Wiesbaden in dem Cum-Cum-Fall nicht zugelassen. Daraufhin legten die Strafverfolger Beschwerde am OLG Frankfurt ein, das den Beschluss aufhob, erklÀrte eine Sprecherin des Oberlandesgerichts (Aktenzeichen: Az. 3 Ws 231/24).

Juristen sprechen dem Verfahren Signalwirkung zu und rechnen mit weiteren Anklagen. Nach einer frĂŒheren Umfrage der Finanzaufsicht Bafin haben 54 Banken eingerĂ€umt, an Cum-Cum-GeschĂ€ften beteiligt gewesen zu sein. Die Bafin schĂ€tzt die Belastungen durch RĂŒckforderungen aus den GeschĂ€ften auf gut 4,6 Milliarden Euro.

Die Deutsche Pfandbriefbank existiert in der Form nicht mehr. Ein Teil der Bank firmiert heute als pbb Deutsche Pfandbriefbank. Ein Sprecher sagte dem "Handelsblatt", dass die heutige Bank nichts mit den GeschÀften von damals zu tun habe.

@ dpa.de