Brandenburg, Deutschland

Im Januar 2024 startete Sahra Wagenknecht ihre Partei mit großen Ambitionen.

06.01.2026 - 05:30:07

Turbulenzen für das BSW zum zweiten Geburtstag. Im Moment steckt das Projekt allerdings in Schwierigkeiten - nicht nur wegen des Durcheinanders in Brandenburg.

  • Sahra Wagenknecht ist seltener zu sehen und zu hören. (Archivbild) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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  • Robert Crumbach fühlt sich im BSW nicht mehr gut aufgehoben. - Foto: Jens Kalaene/dpa

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  • Parteigründerin Sahra Wagenknecht hat den Bundesvorsitz abgegeben. (Archivbild) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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  • Die Thüringerin Katja Wolf liegt immer wieder mit Wagenknecht im Clinch. (Archivbild) - Foto: Martin Schutt/dpa

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  • Das BSW hat weiter enthusiastische Fans. (Archivfoto) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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Sahra Wagenknecht ist seltener zu sehen und zu hören. (Archivbild) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaRobert Crumbach fühlt sich im BSW nicht mehr gut aufgehoben. - Foto: Jens Kalaene/dpaParteigründerin Sahra Wagenknecht hat den Bundesvorsitz abgegeben. (Archivbild) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaDie Thüringerin Katja Wolf liegt immer wieder mit Wagenknecht im Clinch. (Archivbild) - Foto: Martin Schutt/dpaDas BSW hat weiter enthusiastische Fans. (Archivfoto) - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Es war ein bitterkalter Januarmorgen vor fast genau zwei Jahren, als die frühere Linke Sahra Wagenknecht im Prenzlauer Berg in Berlin ihre Partei gründete - «ein bisschen auch ein historischer Tag», wie sie damals sagte. Das Parteienspektrum und die Politik im Land wollte sie grundsätzlich verändern, das BSW auf Jahrzehnte zur Volkspartei machen. Und jetzt? Hat das ambitionierte Projekt schwere Probleme. Fünf stechen besonders ins Auge:

Der Schlamassel in Brandenburg

Der Austritt von Finanzminister Robert Crumbach aus dem BSW Brandenburg hat die bundesweit einzige rot-lila Koalition endgültig ins Trudeln gebracht. Chaotisch geht es in der Partei in Potsdam aber schon seit Wochen zu. Erst traten vier BSW-ler aus der Partei aus, wollten aber in der Landtagsfraktion weiter mitmachen. 

Dann wurden zwei von ihnen doch wieder Parteimitglieder, die andern beiden nicht. Fraktion und Landespartei zerpflückten sich. Der frühere Landeschef Crumbach stritt mit seiner Nachfolgerin Friederike Benda, die wiederum das Ohr von Parteigründerin Wagenknecht hat. Schließlich wurde es der SPD zu bunt. Sie verlangte vom BSW eine Art Treueschwur zur Koalition, bekam ihn aber nicht. 

Die schwierige Sache mit dem Profil

Hinter den Schwierigkeiten stecken womöglich persönliche Fehden in der jungen Partei und Anlaufschwierigkeiten von Menschen, die erst seit 2024 professionell Politik machen und gleich in eine Landesregierung stolperten. Dahinter steckt aber auch ein strategisches Dilemma: In der Koalitionsdisziplin verblasst das eigene Profil. Wagenknecht hat das immer wieder beklagt und die Mitregierenden ihrer Partei in Brandenburg und Thüringen kritisiert. «Koalieren heißt nicht: klein beigeben», feuerte Wagenknecht ihre Parteikollegen im Dezember beim Parteitag in Magdeburg an. 

Die Partei leidet aber auch darunter, dass sie es im Februar 2025 ganz knapp nicht in den Bundestag schaffte - was sich trotz BSW-Forderungen nach Neuauszählung der Stimmen nicht kurzfristig ändern dürfte. Wagenknecht wirft den Medien vor, die Partei nun zu ignorieren. Das BSW werde «von den herrschenden Eliten bekämpft», sagte sie in Magdeburg. 

Die unsichtbare Parteispitze

Wagenknecht hat aber auch selbst die Entscheidung getroffen, nicht mehr in der ersten Reihe für ihr Projekt zu wirbeln: Sie zog sich im Dezember vom Bundesvorsitz zurück, um in einer neuen Grundwertekommission Positionen der Partei zu schärfen. Ihre Vertrauten Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi sind nun die Doppelspitze, der neue Generalsekretär Oliver Ruhnert soll das BSW zu ähnlichen Erfolgen führen wie früher den 1. FC Union in der Fußballbundesliga. 

Nur, wo war die Bundesspitze, als die Dinge in Brandenburg aus dem Ruder liefen? «Wir waren natürlich über unsere stellvertretende Bundesvorsitzende und brandenburgische Landesvorsitzende Friederike Benda mit Potsdam im Austausch», sagte Ruhnert der dpa. «Aber die Fraktion ist autark.» Die BSW-ler in Brandenburg müssten selbst Entscheidungen treffen.

Die Fehde mit Thüringen

So zurückhaltend war die Parteispitze mit dem BSW in Thüringen nicht immer. Landesparteichefin Katja Wolf lag regelmäßig im Clinch mit Wagenknecht - die wirft der Thüringerin vor, in der vor gut einem Jahr gebildeten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD zu viele Kompromisse einzugehen. Wolf wiederum lässt keinen Zweifel daran, dass das BSW in Erfurt regieren will.

Nach Crumbachs Ankündigung in Brandenburg beeilte sich Thüringens Fraktionschef Frank Augsten, die Verlässlichkeit des BSW zu betonen. Crumbachs Entscheidung habe «keine Auswirkungen auf unsere Regierungsarbeit in Thüringen», sagte Augsten. «Die Landesregierung und die BSW-Fraktion sind handlungsfähig und arbeiten vertrauensvoll zusammen.» Im Vergleich zu zerstrittenen Landesverbänden wie in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg oder Bayern wirkt das BSW in Thüringen auch recht stabil, nur eben nicht auf einer Linie mit der Mutterpartei.

Die Enttäuschung der Wähler

Klar ist, dass die Wagenknecht-Partei auch bei Wählerinnen und Wählern nicht mehr so viel Interesse findet wie am Anfang. Noch vor der Gründung im Januar 2024 bescheinigte das Institut Insa dem Projekt ein Wählerpotenzial von 12 Prozent. In der Europawahl holte das BSW immerhin 6,2 Prozent, in Thüringen wenig später dann sogar 15,8 Prozent. Beide Werte haben sich in Umfragen inzwischen in etwa halbiert. 

Einen Abgesang halten Parteienforscher für verfrüht, weil das BSW mit seinem Mix mit linker Sozialpolitik und rechter Migrations- und Gesellschaftspolitik eine Lücke im Parteienspektrum fülle. Gerade mit dem Thema Frieden bindet das BSW auch sehr treue Anhänger und hat inzwischen mehr als 10.000 Mitglieder.

Die eigenen Ansprüche bei der Parteigründung sind aber längst nicht eingelöst. «Unser Land, es braucht unbedingt einen politischen Neubeginn», sagte Wagenknecht beim ersten Parteitag im Januar 2024. Und sie kündigte an: «Wir haben Großes vor für unser Land und für die Menschen, die große Erwartungen in uns setzen. Wir sind es ihnen schuldig, unsere Sache gut zu machen.»

@ dpa.de