Deutschland, Extremismus

Ministerin Prien: Würde bei AfD-Kanzler auswandern

09.10.2025 - 06:05:05

Bildungsministerin Prien hat jüdische Vorfahren. Schon jetzt gelinge es dem Staat nicht mehr, Juden vor Angriffen auf der Straße zu schützen, sagt sie. Und schließt persönliche Konsequenzen nicht aus.

Bundesbildungsministerin Karin Prien würde nach eigenen Worten auswandern, sollte die AfD einmal Kanzlerpartei werden. Die CDU-Politikerin, die jüdische Vorfahren hat, sagte im Podcast «Meine schwerste Entscheidung» der Funke Mediengruppe: «Wenn die AfD den Bundeskanzler stellt, dann werde ich sicherlich vorher Deutschland verlassen. Das kann ich, glaube ich, heute so sagen. Das wäre nicht mehr mein Land. Und ich fürchte aber, dass das schon sehr spät ist.»

Allerdings sei die Entscheidung, wohin man emigrieren könnte, nicht einfach, fügte Prien hinzu. Die USA und Israel seien im Moment eher schwierige Zufluchtsorte. Dennoch würde sie sagen: «Am ehesten ist es immer noch Israel. Aber das ist natürlich ein großer Schritt.»

Dem deutschen Staat gelinge es schon heute nicht mehr, «Jüdinnen und Juden wirklich wirksam zu schützen vor den Angriffen auf der Straße», sagte Prien. «Juden, die als Juden gelesen werden, also die durch Kippa, durch das Tragen eines Davidsterns erkennbar sind, werden auf offener Straße diskriminiert, werden angespuckt, werden angegriffen.» Viele, die sie kenne, zögen sich zurück oder diskutierten, ob man in Deutschland weiter leben könne.

Am Wochenende habe sie sich bei einem privaten Treffen mit Jüdinnen und Juden unterhalten über die Frage, ob man jetzt überlege, sich ein finanzielles Polster auch im Ausland zu schaffen, sagte Prien. «Also es sind schon so Gedankenspiele, denen ich mich auch nicht vollständig verschließe.»

Auch wenn die politischen Institutionen derzeit klar Linie hielten, müsse man sehr genau beobachten, ob das so bleibe. Es sei bitter, dass man nur, weil man tatsächlich oder vermeintlich als Jüdin oder Jude gelesen werden könne, für Entscheidungen der israelischen Regierung in Haftung genommen werde. «Und das ist klassisch antisemitisch. Und diese Zuschreibungen haben zugenommen.»

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Mutmaßlicher Hamas-Waffenschmuggler festgenommen. Die Ermittler werfen ihm vor, Teil eines Teams von Auslandsoperateuren gewesen zu sein. Bei der Einreise aus dem Libanon wurde ein mutmaßliches Hamas-Mitglied am Flughafen BER festgenommen. (Politik, 24.01.2026 - 11:59) weiterlesen...

Prozess gegen mutmaßliche Neonazis beginnt in Dresden. In Sachsen stehen acht mutmaßliche Neonazis wegen Terrorismusverdacht vor Gericht. Die Anklage wirft ihnen eine völkische und rassistische Ideologie und eine Verherrlichung des NS-Regimes vor. (Politik, 23.01.2026 - 16:26) weiterlesen...

Prozess gegen militante «Sächsische Separatisten» begonnen. Laut Anklage waren sie von einem Kollaps Deutschlands überzeugt und wollten große Teile Sachsens erobern. In Dresden hat ein Mammutprozess gegen mutmaßlich militante Neonazis begonnen. (Politik, 23.01.2026 - 11:53) weiterlesen...

Auftakt für Prozess gegen «Separatisten» in Dresden. Ab Freitag stehen sie vor Gericht. Am OLG Dresden ist ein Mammutprozess geplant. Eine Razzia bei mutmaßlich militanten Neonazis sorgte vor mehr als einem Jahr für Schlagzeilen. (Politik, 23.01.2026 - 04:00) weiterlesen...

Bundesgerichtshof urteilt: Was ist «Knockout 51»? Mit Messern, Äxten und Macheten gegen politische Gegner: Was die Bundesanwaltschaft «Knockout 51» vorgeworfen hat – und warum sie in Karlsruhe bei einer wichtigen Bewertung nicht überzeugen konnte. (Politik, 22.01.2026 - 16:18) weiterlesen...

BGH entscheidet über Neonazi-Gruppe - Was ist «Knockout 51»? Mit Messern, Äxten und Macheten gegen politische Gegner: Was die Bundesanwaltschaft «Knockout 51» vorwirft – und warum sie heute in Karlsruhe auf eine Einstufung als Terrorgruppe setzt. (Politik, 22.01.2026 - 05:05) weiterlesen...