Zoom, Salesforce und Microsoft: Die KI-Revolution wird erwachsen
27.11.2025 - 22:10:11Der Traum vom digitalen Assistenten war gestern – heute übernehmen autonome KI-Agenten die Arbeit. Innerhalb von nur 72 Stunden haben Zoom, Salesforce und Microsoft ihre Strategien radikal verschoben: Weg vom passiven “Copilot”, hin zu KI-Systemen, die komplexe Aufgaben eigenständig erledigen. Und erstmals gibt es handfeste Beweise, dass diese Transformation nicht nur technologisch möglich ist – sondern auch wirtschaftlich aufgeht.
Den Durchbruch lieferte ausgerechnet Zoom. Das Videokonferenz-Unternehmen legte am Dienstag Quartalszahlen vor, die zeigen: Unternehmen zahlen bereits echtes Geld für autonome KI-Systeme.
Die Zahlen sprechen für sich. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Zoom einen Umsatz von 1,04 Milliarden Euro – ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch beeindruckender: Der Gewinn pro Aktie explodierte um 206 Prozent auf 1,74 Euro.
Was steckt dahinter? CEO Eric Yuan machte klar: Die Nutzung von Zooms “AI Companion” hat sich binnen eines Jahres vervierfacht. Doch damit nicht genug. Das Unternehmen kündigte mit der Version 3.0 eine grundlegend neue Generation an – eine “agentische KI”, wie Yuan es nennt. Anders als bisherige Versionen, die Meetings zusammenfassten oder E-Mails entwarfen, soll die neue KI mehrstufige Aufgaben völlig eigenständig erledigen.
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“Wir wandeln uns vom Kommunikationsführer zur KI-first-Plattform für Arbeit”, verkündete Yuan. Die Börse honorierte die Nachricht prompt: Die Aktie legte um rund zwölf Prozent zu. Zoom selbst erhöhte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf bis zu 4,12 Milliarden Euro – ein klares Signal des Vertrauens.
Salesforce rüstet auf – und bekommt Konkurrenz
Während Zoom Kommunikationsabläufe automatisiert, fokussiert sich Salesforce auf die Infrastruktur für autonome Agenten. Am Dienstag stellte der CRM-Riese neue Überwachungswerkzeuge für seine Agentforce-Plattform vor. Die Integration in das Agentforce Studio ermöglicht es Unternehmen, ihre KI-Agenten in Echtzeit zu kontrollieren – mit Session-Tracking und detaillierter Event-Protokollierung.
Der Grund für diese Investition? Vertrauen. Sobald KI-Systeme nicht mehr nur Informationen abrufen, sondern tatsächlich handeln – etwa Retouren bearbeiten oder CRM-Einträge aktualisieren –, brauchen IT-Verantwortliche absolute Transparenz. “Man kann nicht skalieren, was man nicht sieht”, brachte es Adam Evans, Salesforce-Manager für KI, auf den Punkt.
Doch der Druck auf Salesforce kommt nicht nur von innen. Am selben Tag wurde bekannt, dass Sierra – das KI-Startup von Bret Taylor, einst Co-CEO bei Salesforce – bereits über 85 Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz generiert. Taylors schneller Erfolg zeigt: Der Markt für spezialisierte KI-Agenten ist gigantisch. Und er wartet nicht auf etablierte Player.
AWS und Microsoft schaffen die Grundlagen
Autonome Agenten brauchen eine robuste Infrastruktur. Diese Erkenntnis trieb sowohl Amazon Web Services als auch Microsoft diese Woche zu wichtigen Ankündigungen.
AWS präsentierte am Mittwoch neue Monitoring-Funktionen für Amazon CloudWatch, die speziell auf “agentische” Workflows zugeschnitten sind. Entwickler können damit Token-Verbrauch, Latenz und Fehler ihrer KI-Anwendungen überwachen – ein Fundament für den aufkeimenden “Agenten-Markt”.
Microsoft und ServiceNow gingen einen Schritt weiter und vertieften ihre Partnerschaft. Am Montag kündigte ServiceNow neue Integrationen mit Microsoft Agent 365 an. Die Verbindung von ServiceNows “AI Control Tower” mit Microsofts Copilot Studio erlaubt es IT-Teams, einheitliche Governance-Regeln über beide Plattformen hinweg durchzusetzen. Ein in Microsoft 365 erstellter Agent folgt damit denselben Sicherheitsprotokollen wie einer in ServiceNow – ein wichtiger Schritt gegenunkontrollierte “Schatten-KI” in Unternehmen.
Parallel dazu humanisierte Microsoft die Interaktion mit seinen Agenten: Ein neuer Sprachbefehl “Bye, Copilot” beendet Sitzungen per Zuruf – ein weiteres Indiz für die angestrebte Nahtlosigkeit.
Von Assistenten zu Kollegen: Die nächste Phase
Die Entwicklungen der vergangenen Tage markieren einen Wendepunkt. 2024 stand im Zeichen der “Copilots” – Assistenten, die ständige menschliche Anweisungen benötigten. Die Ankündigungen von Ende November 2025 machen klar: 2026 wird das Jahr der autonomen Agenten.
“Die Branche bewegt sich von Werkzeugen, die bei der Arbeit helfen, zu Teamkollegen, die die Arbeit erledigen“, analysiert das Marktforschungsunternehmen Gartner. Dessen Prognose: Bis 2028 werden KI-Agenten menschliche Verkäufer im Verhältnis zehn zu eins übertreffen.
Doch dieser Übergang birgt Risiken. Die starke Betonung von “Observability” – also Nachvollziehbarkeit – durch Salesforce und AWS zeigt: Die Anbieter sind sich des “Black-Box”-Problems bewusst. Unternehmen brauchen Dashboard-Beweise dafür, was ihre KI tatsächlich tut, bevor sie ihr echte Autonomie gewähren. Zooms finanzieller Erfolg deutet darauf hin, dass Kunden bereit sind zu zahlen – vorausgesetzt, die Zeitersparnis ist messbar.
Was kommt als Nächstes?
Anfang Dezember richtet sich der Blick auf Las Vegas. Dort findet vom 1. bis 5. Dezember die AWS re:Invent statt, auf der weitere Details zur Cloud-nativen KI-Infrastruktur erwartet werden.
Für das verbleibende vierte Quartal 2025 zeichnet sich ein “Governance-Wettrennen” ab: Weitere große Software-Hersteller dürften versuchen, mit den Überwachungsfunktionen von Salesforce und der Microsoft-ServiceNow-Allianz gleichzuziehen. Zoom hat bewiesen, dass KI-Agenten Umsatzwachstum treiben können. Nun liegt der Druck bei der Konkurrenz, nicht nur technologische Leistungsfähigkeit zu demonstrieren – sondern auch wirtschaftliche Rentabilität im Zeitalter autonomer Systeme.
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