Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Zeitgenössische Kunst neu definiert: Das vielschichtige Werk von Mike Steiner

29.01.2026 - 05:02:04

Mike Steiner steht für Zeitgenössische Kunst, die Genregrenzen sprengt – von Performance Art bis Videokunst. Seine Werke verändern die Perspektive auf Raum, Zeit und künstlerische Freiheit.

Wie gelingt es einem Künstler, die Grenzen zwischen Malerei, Performance und Videokunst so fließend zu gestalten, dass sie im Bewusstsein der Kunstgemeinde verschmelzen? Mike Steiner prägt die Zeitgenössische Kunst wie kaum ein anderer – mit Experimentierfreude, visionären Räumen und einem unermüdlichen Drang zur Innovation.

Entdecke hier Zeitgenössische Kunstwerke von Mike Steiner – ein Streifzug durch Malerei, Videokunst und Installationen

Das Schaffen von Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und bis zu seinem Tod 2012 in Berlin verwurzelt, steht für einen der radikalsten Aufbrüche in der deutschen Nachkriegskunst. Steiner blieb nie bei einem Medium stehen. Stattdessen lotete er aus, wie vielfältig die Ausdrucksformen der Zeitgenössischen Kunst genutzt werden können. Schon während seiner Studienzeit an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin stellte Steiner seine informellen Malereien Seite an Seite mit Weggefährten wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke in ganz Europa aus.

Seine frühen Werke machen den Sog der Abstrakten Malerei spürbar: Flächen, Rhythmen, spontane Gesten, eine vitale Farbigkeit voller Energie. Doch schon bald ergriff Steiner mehr als nur das klassische Malwerkzeug. Inspiriert durch Begegnungen mit Fluxus-Größen wie Allan Kaprow oder Al Hansen in New York beginnt er in den 1970er Jahren, Performance Art und Videokunst gleichberechtigt neben der Malerei zu stellen.

1974 markiert einen Wendepunkt: Steiner gründet die Studiogalerie in Berlin, ein unabhängiges Forum für Video, Performance und Installationen. Künstlerinnen wie Marina Abramovi?, Valie Export oder Carolee Schneemann führten hier Aktionen auf, die Steiner nicht nur ermöglichte, sondern auch als Videokünstler dokumentierte. Die Studiogalerie wurde zum Knotenpunkt der europäischen Avantgarde, vergleichbar mit Orten wie der Galerie von Lucio Fontana in Mailand oder Yoko Onos Studio in New York.

Der wohl spektakulärste Beitrag Steiners zur Performance Art ist die Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ von 1976. Gemeinsam mit Ulay organisierte Steiner die temporäre Entfernung von Spitzwegs „Der arme Poet“ aus der Neuen Nationalgalerie – ein viel diskutiertes Statement über Kunstbesitz, Institutionen und gesellschaftliche Werte.

Mit der zunehmenden Hinwendung zur Videokunst wird Steiner ab Mitte der 1970er Jahre zum Pionier eines neuen Mediums. Er organisiert nicht nur Ausstellungen und Aktionsreihen, sondern sammelt systematisch Videotapes – darunter Werke von legendären Künstlern wie Nam June Paik, Richard Serra oder Bill Viola. In seinen eigenen „Painted Tapes“ verschmilzt er Malerei und Bewegtbild in visionärer Konsequenz – ein Ansatz, der durchaus an das experimentelle Werk von Bruce Nauman oder die Video-Performances einer Pipilotti Rist erinnert, ohne sie zu kopieren.

Ein Meilenstein: Die Einzelausstellung "COLOR WORKS" 1999 im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart. Hier wird Steiners gattungsübergreifendes Arbeiten umfassend gewürdigt. Die zugrunde liegende Sammlung umfasste nicht nur eigene Videos und Installationen, sondern auch gesammelte Werke von Künstlerikonen wie Marina Abramovi?, Jochen Gerz, Ulay und vielen mehr. Die Ausstellung unterstreicht Steiners Rolle als Grenzgänger: Der Fluss von Farbe und Zeit manifestiert sich gleichermaßen in Videoinstallationen, großformatigen Malereien und Fotoarbeiten.

Mike Steiner bleibt ein Künstler, dessen Werk von Vielseitigkeit und Neugier geprägt ist. Er experimentierte mit Super-8-Film, Fotografie, Copy Art, Dia-Serien, Minimal Art und Hard Edge. In den Achtzigerjahren führt ihn diese Suche zu den „Painted Tapes“ und ab 2000 zurück zur Abstrakten Malerei. Spätwerke wie die Stoffarbeiten zeigen ein feines Gespür für Materialität – und stets den charakteristischen Impuls, künstlerische Medien neu zu denken.

Rückblickend liest sich Steiners Biografie wie ein Kompendium der Nachkriegskunst: Von der legendären Künstlerhotelszene in Berlin – das Hotel Steiner wurde von Persönlichkeiten wie Joseph Beuys und Lil Picard frequentiert – über eine zentrale Sammler- und Förderrolle der Videokunst bis zu internationalen Ausstellungsbeteiligungen in Genf, Paris, Seoul, Mailand und San Francisco.

Auch jenseits der eigenen Produktion wirkt Mike Steiner als Ermöglicher. Die Fernsehreihe „Die Videogalerie“ (1985–1990) brachte internationale Videokunst einem breiten Publikum nahe. Gemeinsam mit visionären Köpfen wie Gerry Schum ließ er damit neue Formen der Kunstvermittlung entstehen. Vergleichbar mutige Impulse gab es nur von Vorreitern wie Harald Szeemann mit seinen transmedialen Ausstellungskonzepten oder Katharina Sieverding, deren Arbeiten mit Video und politischen Inhalten die Szene ebenfalls prägen.

Das Herzstück von Steiners Haltung bleibt jedoch sein offener Dialog mit der Gegenwart: Austausch, Künstlerförderung, Kritik am Kunstbetrieb – sein erweiterter Kunstbegriff ist noch heute hochaktuell und lädt zum Weiterdenken ein. Nicht zuletzt ist es das umfangreiche Archiv, das in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof wissenschaftlich und künstlerisch zugänglich bleibt. Es bewahrt ein Stück Aktionsgeschichte und dokumentiert, wie Mike Steiner Medienwandel als Chance zur Erneuerung begreift.

Faszinierend ist an Mike Steiner die Fähigkeit, künstlerische Strömungen aufzunehmen und mit eigener Handschrift weiterzuentwickeln. Seine Installationen, Performances und die Malerei sind durchdrungen von einem Experimentiergeist, der aus der Zeitgenössischen Kunst auch heute noch eine Arena für offene Fragen macht. Wer tiefer in das Werk eintauchen möchte, wird auf der offiziellen Webseite mike-steiner.de – Das Archiv für Zeitgenössische Kunst, Performance Art und Videokunst von Mike Steiner eine Fülle an Informationen, Biografien, Bildern und Hintergründen entdecken.

Mike Steiners Bedeutung als Künstler, Netzwerker und Sammler bleibt lebendig und fördert den Diskurs über die Möglichkeiten und Grenzen der Zeitgenössischen Kunst – heute wie in Zukunft.

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