Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Zeitgenössische Kunst entdecken: Die multimediale Welt des Mike Steiner

09.01.2026 - 18:15:02

Zeitgenössische Kunst in ihrer radikalsten Form – Mike Steiner verbindet Malerei, Performance und Videokunst zu einem einzigartigen, experimentellen Œuvre. Ein Blick auf Werk und Wirkung eines Pioniers.

Was passiert, wenn sich die Grenzen zwischen Leinwand, Kamera und Performanceraum auflösen? Die künstlerische Praxis von Mike Steiner steht wie ein Prisma im Zentrum der deutschen Zeitgenössischen Kunst und versprüht bis heute inspirierende Impulse. Bereits im ersten Kontakt mit den Werken von Mike Steiner spürt man: Hier tritt ein Künstler auf, der das Suchen, Überschreiten und Neuverhandeln künstlerischer Medien zum Lebensprinzip erkoren hat.

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Ob Malerei, Videokunst oder Performance Art – Mike Steiner bewegt sich als Pionier virtuos zwischen den Medien und bleibt dabei stilistisch wandelbar. Schon früh stellte er sich der Avantgarde, betrieb radikale Experimente mit Material und Präsentationsform. Seine frühen Werke, oft geprägt durch informelle Malerei, positionierten ihn bereits Ende der 50er Jahre als aufstrebende Stimme auf der Berliner Kunstszene, als er etwa auf der Großen Berliner Kunstausstellung ausstellte. Die 1960er markieren eine prägenden Zeit: Sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin eröffnete ihm neue Perspektiven – geistig ebenso wie technisch. Vom Kreuzberger Forum über das Blue Note Gallery bis zu internationalen Gruppenpräsentationen, etwa mit Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke, erprobte und schärfte Steiner seine Sprache zwischen traditioneller Malerei, Pop und Minimal Art.

Die USA, wohin Mike Steiner Mitte der 1960er mithilfe eines Stipendiums reiste, wurden zum Katalysator. Hier traf er auf Lil Picard, Allan Kaprow und Robert Motherwell – Persönlichkeiten, die entscheidend für seine spätere Hinwendung zu intermedialen Kunstformen wurden. Wie einst Nam June Paik oder Marina Abramovi?, so erkannte Steiner früh das revolutionäre Potenzial von Video und Performance als eigenständige künstlerische Medien. Intensive Kontakte zur Fluxus-Bewegung und zum avantgardistischen New York öffneten ihm ein Netzwerk, dessen Energie er nach seiner Rückkehr nach Berlin 1967 konsequent ins eigene Werk und die lokale Szene zurückspiegelte.

Eine Zäsur und zugleich ein Startschuss: 1970 eröffnete Mike Steiner das legendäre Hotel Steiner, ein Treffpunkt für internationale Künstler, dessen Atmosphäre oft mit Andy Warhols Chelsea Hotel verglichen wurde. Wie Joseph Beuys, Valie Export oder Carolee Schneemann, fanden zahlreiche Weggefährten hier einen vitalen Austauschraum. Zwei Jahre später gründete Steiner mit der Studiogalerie ein Forum für Video und Performance Art – eine Seltenheit im Berlin dieser Zeit. Innovativ stellte er Künstlerkollegen Technik und Ausstellungsfläche bereit. Die Studiogalerie wurde zur Wiege multimedialer Experimente, in denen Steiner selbst als Kurator, Dokumentarist, Kameramann und Performer agierte.

Seine bekanntesten Schlüsselwerke stammen direkt aus dieser produktiven Atmosphäre: Die Videodokumentation der legendären Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst (1976, mit Ulay) oder Aufzeichnungen von Performances etwa von Marina Abramovi? belegen Steiners Verständnis, Performance Art nicht nur zu ermöglichen, sondern künstlerisch zu vermitteln. Die Kamera, so Steiner, ist nicht bloß Zeuge, sondern aktiver Teil der inszenatorischen Dynamik. Auffällig ist auch die Wechselwirkung seiner Malerei mit dem neuen Medium Video – etwa in den Painted Tapes der 1980er, hybriden Werken, bei denen Farbe, Musik und elektronische Bildwelten miteinander verschmelzen. Sie spiegeln die gleiche Lust am Experiment wie die Werke von Bill Viola, Richard Serra und Gary Hill, deren Arbeiten ebenfalls in der Sammlung Mike Steiner dokumentiert sind.

Sein Einfluss reicht über den eigenen Mikrokosmos hinaus: Steiner präsentierte und veranstaltete Videoschauen auf der ART Basel und dem Videofestival in Rom, schuf mit der Videogalerie (1985–1990) ein innovatives TV-Format für das Berliner Kabelprojekt – und sammelte systematisch Kunstvideotapes von Pionieren wie Ulay, Nam June Paik oder Emmett Williams. Die Videosammlung, die Steiner 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz überließ, bildet heute ein zentrales Archiv der deutschen und internationalen Videokunst im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Gerade die großformatige Einzelausstellung Mike Steiner – Color Works dort 1999 huldigte seinem multimedialen Schaffen und ehrte ihn als entscheidenden Impulsgeber für die Schnittstellen von Video, Malerei und Installation in der Zeitgenössischen Kunst.

Auch seine späten Jahre markieren einen künstlerischen Wandel: Der Fokus kehrte zurück zur Malerei – diesmal radikal abstrakt, farbenprächtig und kompositorisch souverän. Werke der letzten Jahre, oft große Farbflächen, suggestive Stoffarbeiten und minimalistische Installationen, demonstrieren, wie Mike Steiner immer wieder seinen Blick erneuerte, ohne an konzeptueller Schärfe einzubüßen. Die zahlreichen Einzelausstellungen von Berlin (DNA Galerie, Galerie Dittmar) bis San Francisco und Leipzig verfestigten seinen Ruf als Grenzgänger zwischen Malerei und Medienkunst.

Als Künstler, Kurator und Förderer füllte Steiner seit den frühen 1970ern entscheidende Lücken im deutschen Kunstbetrieb: Sein offener Zugang zu Medien, die Infrastruktur für experimentelle Formate und die transatlantischen Netzwerke prägten Generationen. Die Parallelen zu Joseph Beuys, Marina Abramovi? oder auch Allan Kaprow, aber auch zu den multimedialen Ansätzen heutiger Künstler wie Pipilotti Rist oder Olafur Eliasson, zeigen, wie Steiners Denken in künstlerischer Vielfalt und Grenzüberschreitung noch heute nachwirkt.

Sein Lebenswerk bleibt als Auftrag erhalten: Zeitgenössische Kunst lebt vom Mut zur Irritation, zum Experiment, zum Bruch mit dem Erwartbaren. Wer das Werk von Mike Steiner heute neu entdeckt, betritt damit ein vielschichtiges Archiv der Möglichkeiten – Zeugnis einer Epoche und Sprungbrett in die Zukunft intermedialer Kunst. Für einen vertiefenden Blick in Videokunst, Malereien und Installationen lohnt ein Besuch auf der offiziellen Webseite www.mike-steiner.de – Das gesamte Werk und Archiv von Mike Steiner erleben.

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