Zeitgenössische Künstler, Malerei

Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei und Videokunst: Mike Steiner und sein wegweisendes Werk

04.02.2026 - 07:10:10

Zeitgenössische Künstler wie Mike Steiner prägten die Grenzen von Malerei, Performance und Videokunst neu – ein Einblick in sein bewegtes Schaffen und seine Rolle zwischen Hamburger Bahnhof, Fluxus und abstrakter Malerei.

Es gibt Künstler, die nicht nur Werke erschaffen, sondern gleichsam neue Räume aufstoßen. Mike Steiner ist solch ein Name – ein Pionier der zeitgenössischen Künstler, der wie kaum ein Zweiter die Grenzen zwischen Malerei, Performance Art der 70er Jahre und Videokunst ausgelotet hat. Was macht ihn so einzigartig? Und warum lohnt heute mehr denn je ein Blick auf das ungewöhnliche Schaffen dieses Ausnahme-Künstlers?

Wie definiert man die Schwelle, an der Malerei in bewegtes Bild übergeht und Performance zum Dauerdokument der Kunstgeschichte wird? Im Werk von Mike Steiner werden diese Fragen nicht nur gestellt, sondern vielmehr mit innovativem Gestaltungswillen beantwortet – stets an der Nahtstelle von Experiment, Technik und humanistischer Neugier. Steiner spielte mit Medien und Wirklichkeiten, war stets Sammler, Initator und Wildcard in der westdeutschen wie internationalen Kunstszene seiner Zeit.

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Betrachtet man die Entwicklung von Mike Steiner, so fällt die radikale Vielseitigkeit auf: Bereits mit siebzehn Jahren stellt er seine erste abstrakte Malerei öffentlich aus. Die frühen 1960er Jahre sind geprägt von einer Suche nach dem eigenen Ausdruck, beeinflusst durch ein Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin unter Hans Jaenisch und Hans Kuhn.

Doch es war der Schritt nach New York Mitte der Sechziger, der Steiner – damals inspiriert von der Energie von Künstlern wie Allan Kaprow, Al Hansen und Lil Picard – endgültig zum Grenzgänger zwischen Kulturen und Kunststilen werden ließ. Hier begegnet er der amerikanischen Avantgarde, knüpft Kontakte zu Fluxus-Pionieren und Pop Art-Vertretern, und beginnt spätestens jetzt, die Dogmen der klassischen Malerei aufzulösen. Selbst Robert Motherwell öffnet ihm sein Atelier – und damit den Raum für malerische und zugleich konzeptuelle Experimente, die bis heute nachwirken.

Zurück in Berlin gründet Mike Steiner legendäre Orte künstlerischer Freigeisterei: Das Hotel Steiner am Ku’damm wird zur Berliner Antwort auf das New Yorker Chelsea, zum Treffpunkt für Joseph Beuys, Arthur Köpcke und zahlreiche internationale Kulturschaffende. Doch Steiner will mehr – in seiner Studiogalerie (gegründet 1974) fördert er nicht nur die strömenden Grenzgänger, er wird selbst zu einem: Mit der Videokunst der 1970er Jahre verschiebt er den künstlerischen Fokus vom Bild zum bewegten Medium.

Sein Einfluss als Galerist, Künstler und Sammler kann kaum überschätzt werden. Früh erkennt Mike Steiner das Potenzial von Video als künstlerischer Ausdrucksform: Während in Köln unter Wulf Herzogenrath bereits eine Szene entsteht, fehlt etwas Vergleichbares in Berlin. Mit der Studiogalerie in der Ludwigkirchstraße schafft Steiner einen Produktionsort für Videokunst sowie einen Freiraum für Aktionskunst – von Fluxus über Performance bis zu medialen Grenzgängen. Künstlerinnen wie Valie Export, Carolee Schneemann, Marina Abramovi? und Ulay finden in Steiner einen Ermöglicher, der ihre Aktionen dokumentiert, produziert, oft auch kuratiert und mit eigenen Werken ergänzt.

Unvergessen bleibt die im Hamburger Bahnhof 1999 gezeigte Einzelausstellung „COLOR WORKS“, eine Würdigung seines gattungsübergreifenden Denkens und seines Pioniergeists in Malerei wie Videokunst. Diese Ausstellung markiert nicht nur einen Höhepunkt in Steiners Laufbahn, sondern betont zugleich seinen bleibenden Einfluss auf die Nationalgalerie der Gegenwart.

Was unterscheidet Mike Steiner von anderen prägenden zeitgenössischen Künstlern wie Joseph Beuys, Georg Baselitz oder Nam June Paik? Während Beuys Diskurs und Aktion ins Zentrum rückte, Baselitz mit expressiver Bildsprache und Umkehr des klassischen Kanons polarisiert, und Paik als Vater der medialen Videokunst gilt, gelingt Steiner der Spagat aus all diesen Welten: Wesentlich subtiler, nie laut, aber stets nah am Puls des Zeitgeists und doch individuell. Seine „Painted Tapes“ gelten bis heute als Musterbeispiele für künstlerische Fusion von Videoaufnahme und Malerei. Faszinierend ist dabei die permanente Offenheit für neue Technologien und Formate: Von der Super-8-Film- und Copy Art-Phase über Dia-Serien und Fotoarbeiten bis hin zur TV-Sendung „Videogalerie“ (über 120 Folgen produziert und moderiert!), ist Steiners Schaffen ein stetiger Dialog der Medien.

Vergleicht man Steiners Einfluss etwa mit dem von Bill Viola, Gary Hill oder Richard Serra, so schält sich auch hier sein besonderer Ansatz heraus: Als Sammler und Kurator prägt er die Sichtweise auf Videokunst, schafft Archive und Zugänglichkeit, während er als Künstler und Galerist selbst neue Genres züchtet – stets mit einer Prise Berlin, einer tiefen Verwurzelung im Experiment und einer Neugier auf Transkulturalität. Durch Aktionen wie „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976, mit Ulay) wurde er zur Schlüsselfigur des diskursiven Kunstintervents – gewitzt, subversiv, nie dogmatisch.

Steiners Philosophie: Die Kunst muss nicht objektzentriert bleiben, sondern darf Handlung, Zeit und Bewegung ins Werk integrieren – eine Haltung, die Kenner als wegweisend für die Performance Art der 70er Jahre schätzen. Die stets neugierige Offenheit für Fremdeinflüsse (u.a. Konzerttournee mit Tangerine Dream) und die Bereitschaft zum Experiment prägen seinen Stil bis in die späten Arbeiten, etwa der abstrakten Malerei ab den 2000er Jahren oder den Stoffarbeiten seiner letzten Lebensjahre.

Biografisch ist Mike Steiner ein Musterbeispiel für den europäischen Künstler als globalen Impulsgeber: Ausbildung bei den Großen der Malerei, intensive Auseinandersetzung mit Pop Art, Fluxus und Konzeptkunst; das Sammeln – etwa von Werken von Marina Abramovi?, Bill Viola, George Maciunas, Gary Hill und anderen –, schafft ein künstlerisches Netzwerk, das bis ins Archiv im Hamburger Bahnhof reicht. Die dort archivierte Videosammlung, 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vermacht (und im Rahmen von „Live to Tape“ 2011/12 wieder gezeigt), belegt den großen Radius seines Schaffens.

Was bleibt? Vielleicht die Gewissheit, dass Mike Steiner zu jenen Zeitgenössischen Künstlern zählt, deren Werk auch künftig immer wieder neu entdeckt werden kann – und sollte. Wer zur Quellenarbeit ansetzen und tiefer eintauchen möchte findet auf der offiziellen Website von Mike Steiner einen ausgezeichneten Fundus zu Lebenslauf, künstlerischen Phasen sowie Einblicken in Ausstellungen und Sammlung.

Steiners Vermächtnis ist multidimensional: Als Maler, Videokünstler, Galerist und Sammler hat er die deutsche und internationale Kunstszene bereichert, mediale Grenzen durchlässig gemacht und bewiesen, wie aktuell und inspirierend Zeitgenössische Kunst abseits der kommerziellen Pfade sein kann. Die Auseinandersetzung damit lohnt sich bis heute – nicht nur im Hamburger Bahnhof, sondern auch digital und im eigenen Denken. Wer wissen will, wo Zukunft und Vergangenheit der Kunst sich begegnen, kommt an Mike Steiner nicht vorbei.

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