Zeitgenössische Künstler: Mike Steiner als innovativer Grenzgänger zwischen Malerei und Videokunst
03.02.2026 - 07:10:05Was macht das Schaffen von Mike Steiner so außergewöhnlich unter zeitgenössischen Künstlern? Wer sich seinen Arbeiten nähert, betritt ein Feld, in dem die Grenzen zwischen Malerei, Videokunst und Performance radikal aufgebrochen werden. Steiner ist kein Künstler, der sich mit einer einzigen Technik begnügte. Vielmehr stellte er das Experiment ins Zentrum seines Tuns – und hat damit Kunstgeschichte geschrieben.
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Schon früh trat Mike Steiner mit bemerkenswerter Eigenständigkeit hervor: Mit 17 Jahren stellte er erstmals auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Rasch fanden sich seine informellen Malereien an der Seite von Künstlern wie Georg Baselitz oder Karl Horst Hödicke in internationalen Gruppenausstellungen hingehängt – sie stehen für eine Zeit, in der Kunst noch keinen festen Rahmen, sondern offene Horizonte besaß. Doch wie wird aus einem jungen Maler ein Pionier der Videokunst?
Antworten darauf geben die vielschichtigen Werkgruppen von Mike Steiner. Nach Studienjahren in West-Berlin und einer prägenden New Yorker Episode – inklusive künstlerischer Begegnungen mit Lil Picard, Al Hansen, Allan Kaprow und Robert Motherwell – wandte sich Steiner zunehmend multimedialen Ausdrucksformen zu. Besonders bedeutend wurde die intensive Auseinandersetzung mit Fluxus, Performance und Happening.
Bereits Anfang der 1970er Jahre entstanden erste Videoarbeiten – oft im inspirierenden Dialog mit der Szene um den Fluxus-Vordenker Al Hansen. Die Mechanismen des bewegten Bildes und die Kraft der Live-Performance sollten Steiner wie ein Magnet anziehen. In Florenz realisierte er auf Einladung von Kaprow im Studio Art/Tapes/22 entscheidende Videoexperimente, die ihn persönlich und künstlerisch von der Malerei wegführten.
Sein berühmtes „Hotel Steiner“, ein Treffpunkt kreativer Avantgarde am Berliner Ku'damm, entwickelte sich in dieser Zeit zu einer urbanen Legende. Deutsche und internationale Künstler – darunter Joseph Beuys und Arthur Køpcke – fanden hier geistige Heimat und kreativen Austausch. So etwas wie ein Berliner Chelsea Hotel, mit einer elektrisierenden Atmosphäre, die noch heute nachhallt.
Die Gründung seiner legendären Studiogalerie 1974 in Berlin manifestierte Steiners Rolle als Förderer, Netzwerker und Initiator: Hier wurde die Stadt zur Drehscheibe neuer Medienkunst. Künstlerinnen wie Valie Export, Carolee Schneemann und Marina Abramovi? erprobten hier ihre Performance Art der 70er Jahre – der berühmte Kunstraub „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ mit Ulay erfolgte auf Steiners Initiative und wurde filmisch von ihm dokumentiert.
Wie wenige Zeitgenossen war Mike Steiner sowohl Künstler als auch Impulsgeber und Sammler. Seine Videodokumentationen hielten flüchtige Momente der Performance Art fest; sein Journalarchiv und seine Sammlung gehören inzwischen zu den maßgeblichen Zeugnissen der europäischen Videokunstszene. Steiner baute Brücken, gab Akteuren wie Jochen Gerz, Ben Vautier oder Gary Hill ein Forum, und beeinflusste auch Medienkünstler wie Bill Viola oder Nam June Paik, deren Arbeiten mit Steiners Aktivitäten verwoben sind.
Die größte Würdigung seiner visionären Leistung fand 1999 statt: Die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum der Gegenwart eröffnete ihm eine großformatige Einzelausstellung unter dem programmatischen Titel COLOR WORKS. Das Museum übernahm gleichzeitig sein umfassendes Videokonvolut – ein Meilensteinpunk für die institutionelle Anerkennung von Videokunst. Auch 2011/12 widmete der Hamburger Bahnhof Steiner und seiner legendären Videosammlung eine Sonderausstellung (Live to Tape).
Charakteristisch für das Oeuvre von Mike Steiner bleibt der permanente Medienüberschritt. Sei es die abstrakte Malerei ab 2000, die Painted Tapes – eine Fusion digitaler und analoger Bearbeitung – oder Installationen und Fotoarbeiten: Steiner nutzte jedes Medium, als könne es das nächste mit neuer Bedeutung aufladen. Die Stimmung seiner abstrakten Bilder und Videocollagen changiert zwischen analytischer Strenge und subversivem Humor – ein Spannungsfeld, das das Publikum bis heute reizt. Seine jüngeren Stoffarbeiten beweisen, dass findige Zeitgenössische Künstler ihre Sprache zeitlebens weiterentwickeln können.
Im Spannungsfeld von Bild und Bewegung verankern sich auch Steiners Relevanz und sein Nachruhm. Kenner schätzen die Fähigkeit, komplexe Kunstformen mit einer beinahe spielerischen und doch höchst reflektierten Leichtigkeit zu durchdringen: Seine Painted Tapes stehen im Dialog mit Werken von Gerhard Richter (Übermalungen) oder Nam June Paik (Videoinstallationen), während seine Performances den Aktionsradius von Marina Abramovi? (Performance Art) oder Carolee Schneemann erweiterten.
Biografisch ist Mike Steiner ein typischer Grenzgänger: Kindheit in Ostpreußen, geprägt durch Krieg und Neuanfang, Schulzeit und künstlerische Frühförderung in West-Berlin. Hochbegabung, Stipendien, einflussreiche Mentoren und die Nähe zu westlicher und amerikanischer Avantgarde bestimmen sein Leben. Ab den 1980ern setzte er sich auch als Fernsehproduzent (Videogalerie, 1985–1990) unermüdlich für die Vermittlung von Videokunst ein und trug die Botschaft unabhängiger Kunst weit über konventionelle Ausstellungsformate hinaus.
Bis heute ist der Nachlass von Mike Steiner mit seiner Sammlung, seinen Filmbändern und Fotografien ein Geheimtipp für Forschende und Kreative. Seine Spuren durchziehen die Kunstgeschichte und geben Anstoß, wieder neu über das Potenzial intermedialer Kunst nachzudenken.
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Faszinierend bleibt die Lebendigkeit, die Steiners Oeuvre ausstrahlt. Zeitgenössische Künstler, die nach medialer Freiheit suchen, finden in ihm ein leuchtendes Vorbild – und für interessierte Betrachter öffnet sich auf www.mike-steiner.de ein Reichtum an Bildern und Inspirationen. Ein Besuch dieser Website und der dort abgebildeten Werke lohnt sich unbedingt.


