Zalando, KTM

Zalando und KTM streichen Tausende Jobs

10.02.2026 - 10:24:12

Der Onlinehändler Zalando verhandelt über die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt, während der Motorradbauer KTM einen Sozialplan für 500 Entlassungen abgeschlossen hat.

Der Umbau bei zwei großen Arbeitgebern in Deutschland und Österreich nimmt konkrete Formen an. Während der Motorradhersteller KTM einen Sozialplan für 500 Entlassungen vereinbart, stehen bei Zalando in Erfurt schwierige Verhandlungen über den Standortabbau an.

BERLIN/MATTIGHOFEN – Die wirtschaftlichen Herausforderungen treiben die Konzernzentralen zu harten Entscheidungen. In dieser Woche werden die Pläne für umfangreiche Stellenstreichungen bei Zalando und KTM konkret. Der Online-Modehändler muss sich mit dem Betriebsrat über die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt verständigen – 2.700 Jobs stehen auf dem Spiel. In Österreich hat der Motorradbauer KTM unterdessen einen Sozialplan für 500 betroffene Mitarbeiter finalisiert. Beide Fälle zeigen, wie Unternehmen in Europa auf Marktkonsolidierung und Kostendruck reagieren.

KTM: Sozialplan für 500 Stellen besiegelt

Im oberösterreichischen Mattighofen ist eine Einigung erzielt worden. Nach der Ankündigung von 500 Stellenstreichungen, vor allem in Verwaltung und mittlerem Management, haben Unternehmen und Betriebsrat einen umfassenden Sozialplan vereinbart.

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Wie die Gewerkschaft GPA (Gewerkschaft der Privatangestellten) am Wochenende mitteilte, sieht die Vereinbarung einen „Härtefallfonds“ vor. Dieser soll Mitarbeiter unterstützen, die sich in besonders schwierigen persönlichen Umständen befinden. Die Auswahl der zu kündigenden Stellen soll strikt nach sozialen Kriterien erfolgen. Dabei werden Alter, Betriebszugehörigkeit und familiäre Verpflichtungen – wie die Anzahl unterhaltsberechtigter Kinder – berücksichtigt.

Der Restrukturierungsschritt folgt auf ein schwieriges Geschäftsjahr für KTM. Neben den Abfindungspaketen wird auch die vom Land Oberösterreich mitfinanzierte „Insolvenzstiftung“ ausgeweitet. Dieses Programm, ursprünglich für frühere Personalabbau-Runden eingerichtet, steht nun weiteren 200 Beschäftigten offen. Es bietet Umschulungen und Qualifizierungsmaßnahmen für den Wechsel in neue Jobs.

„Die Verhandlungen waren konstruktiv, wenn auch im schwierigen Kontext“, sagte Wolfgang Gerstmayer, Geschäftsführer der GPA Oberösterreich. Ziel sei eine Lösung gewesen, die das Überleben des Unternehmens mit den sozialen Interessen der Belegschaft in Einklang bringe. Die ersten Kündigungen sollen noch im Februar 2026 ausgesprochen werden.

Zalando Erfurt: Betriebsrat fordert volle Transparenz

Während bei KTM die Weichen gestellt sind, brodelt es in Erfurt. Der Betriebsrat des Zalando-Logistikzentrums trifft sich in dieser Woche erstmals mit dem Management, um über die angekündigte Schließung zu verhandeln. Die Stimmung ist angespannt.

Bereits am 8. Januar 2026 hatte Zalando angekündigt, den Standort bis September 2026 zu schließen. Als Grund nannte der Konzern die Optimierung seines Logistiknetzwerks und den Abbau von Komplexität. Der Betriebsrat wirft dem Management jedoch Intransparenz vor. Die Belegschaft sei bewusst im Unklaren gelassen worden, um den Betriebsablauf im wichtigen Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.

Aus Sicht von Branchenbeobachtern ist die Schließung eine direkte Folge der strategischen Neuausrichtung nach der Übernahme des Konkurrenten About You. Dieser Deal, im Juli 2025 abgeschlossen, schuf zwar einen dominanten Mode-Ökosystem, führte aber auch zu erheblichen Überschneidungen in der Logistik.

Die Arbeitsagenturen in Thüringen bereiten sich bereits auf die Aufnahme der betroffenen Arbeitskräfte vor. Fast 100 regionale Unternehmen hätten bereits Interesse bekundet, vor allem an Mitarbeitern mit Logistikerfahrung. Der Betriebsrat priorisiert jedoch die Verhandlung eines robusten Sozialplans mit hohen Abfindungen und Transfergesellschaften, wie sie bei anderen großen Werksschließungen üblich waren.

Strategischer Kontext: Von Wachstum zu Effizienz

Die Entwicklungen bei beiden Unternehmen spiegeln breitere Branchentrends wider. Für Zalando hat die Integration von About You den Fokus von purem Wachstum auf operative Effizienz verschoben. Die Übernahme sollte jährliche Synergien von rund 100 Millionen Euro bringen. Die Schließung alternder Standorte wie Erfurt ist die konsequente Umsetzung dieser Sparziele. Das fusionierte Unternehmen setzt stattdessen auf automatisierte und zentral gelegene Distributionszentren.

KTM hingegen reagiert mit seinem Stellenabbau auf einen Einbruch des globalen Motorradmarktes und internen finanziellen Druck. Die Entscheidung, das Verwaltungsgebäude „House of Brands“ in Munderfing zu räumen, unterstreicht die Härte der Sparmaßnahmen. Durch die Konzentration der Verwaltung in Mattighofen und den Abbau von Angestelltenstellen will das Unternehmen die Fixkosten senken und nach einer Phase aggressiver Expansion wieder profitabler werden.

Marktexperten sehen Parallelen: Beide Unternehmen ziehen sich aus peripheren Standorten zurück und bündeln ihre Ressourcen auf profitable Kerneinheiten.

Was kommt als Nächstes?

Für die KTM-Mitarbeiter beginnt nun die Umsetzung des Sozialplans. Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung der Sozialkriterien und der Vermittlung betroffener Arbeitnehmer in die Qualifizierungsprogramme. Das Management hofft, dass diese Maßnahmen ausreichen, um das Unternehmen 2026 ohne weitere Kürzungen zu stabilisieren.

Bei Zalando werden die kommenden Wochen entscheidend sein. Die anstehenden Verhandlungen dürften langwierig werden. Der Betriebsrat wird voraussichtlich auf lange Übergangsfristen und höhere Abfindungspakete drängen. Das angepeilte Schließungsdatum im September 2026 lässt zwar Zeit für Verhandlungen, doch die Unsicherheit lastet schwer auf der Region Erfurt.

Die Integration von About You setzt sich fort und verändert die Unternehmensstruktur von Zalando weiter. Nach der Restrukturierung des Kundenservice in Berlin mit 450 betroffenen Stellen im Jahr 2025, markiert die Logistikkonsolidierung nun die wohl disruptivste Phase der Post-Merger-Integration. Aktionäre und Beobachter fragen sich: Lassen sich die versprochenen Effizienzgewinne realisieren, ohne das Arbeitgeberimage und die Beziehungen zur Belegschaft nachhaltig zu beschädigen?

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