Zalando-Schließung setzt neue Maßstäbe für Sozialpläne
12.01.2026 - 11:31:12Die Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt mit 2.700 betroffenen Jobs bringt einen zentralen Streitpunkt in Sozialplan-Verhandlungen auf die Tagesordnung: die angemessene Berücksichtigung von Unterhaltspflichten. Während sich Abfindungen traditionell an Dienstjahren orientieren, fordern Betriebsräte 2026 deutliche Zuschläge für Kinder und Familien.
Erfurt als Prüfstein für soziale Gerechtigkeit
Nach der Ankündigung vom 8. Januar, den Standort bis September zu schließen, stehen die Verhandlungen zwischen Zalando-Management und Betriebsrat vor einer grundsätzlichen Weichenstellung. Juristische Analysen sehen in diesem Fall einen möglichen Benchmark für die gesamte Logistikbranche. Im Fokus steht dabei der Kinderzuschlag, über den aktuell Beträge zwischen 500 und 2.000 Euro pro Kind diskutiert werden.
Dieser Mechanismus soll sicherstellen, dass Beschäftigte mit hohen finanziellen Verpflichtungen – also vor allem Eltern – einen überproportionalen Anteil aus dem Sozialplan-Topf erhalten. Die Grundlage dafür liefert das Kündigungsschutzgesetz, das bei der sozialen Auswahl genau diese Verpflichtungen berücksichtigen muss.
Betriebsräte und Verhandlungsführer stehen vor komplexen Fragen bei Sozialplänen – wie Punkteschemata, Kinderzuschläge und Interessenausgleich rechtssicher verhandeln? Ein kostenloser PDF-Leitfaden erklärt praxisnah, wie Sie Punktesysteme gestalten, Mindestzuschläge für Unterhaltspflichten durchsetzen und mit Musterformulierungen im Verhandlungsgespräch überzeugen. Enthalten: Muster-Punkteschema, Checklisten und Verhandlungstipps für den Interessenausgleich. Jetzt kostenlosen Sozialplan-Leitfaden herunterladen
Vom Punktesystem zum Euro-Betrag
Bei betriebsbedingten Kündigungen erhalten Beschäftigte mit Unterhaltspflichten im Auswahlverfahren mehr “soziale Punkte” und sind damit besser geschützt. Bei einer kompletten Standortschließung wie in Erfurt entfällt dieser Schutz – stattdessen muss der soziale Wert der Unterhaltspflicht in einen finanziellen Ausgleich umgewandelt werden.
Die klassische Abfindungsformel “Bruttomonatsgehalt × Dienstjahre × Faktor” benachteiligt dabei oft jüngere Eltern mit kurzer Betriebszugehörigkeit. Moderne Sozialpläne setzen daher zunehmend auf erweiterte Formeln mit expliziten Zuschlägen für Kinder und besondere Lebensumstände.
Generationengerechtigkeit als Verhandlungsfrage
Ein besonders konfliktträchtiger Punkt ist der Ausgleich zwischen Dienstjahren und Unterhaltspflichten. Ältere Beschäftigte profitieren von langen Betriebszugehörigkeiten, während jüngere Eltern oft kurze Dienstzeiten, aber hohe laufende Kosten haben.
Rechtsexperten beobachten einen klaren Trend: Die Alterskomponente wird gedeckelt, um Mittel für höhere Kinderzuschläge freizusetzen. Diese Umverteilung ist juristisch heikel, wird aber von der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gedeckt. Sozialpläne dienen schließlich einer Überbrückungsfunktion – und wer Kinder zu versorgen hat, braucht diese Überbrückung besonders dringend.
Branche unter Druck sucht neue Standards
Die Diskussion um sozial gerechte Verteilungsformeln trifft auf eine Logistikbranche im Umbruch. Nach den Boom-Jahren der Pandemie konsolidieren viele Unternehmen ihre europäischen Netzwerke. Für Betriebsräte bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen nicht nur das Gesamtvolumen der Abfindungen maximieren, sondern auch deren Verteilung so gestalten, dass junge Familien nicht mit Minimalbeträgen dastehen.
Der “Erfurter Standard” könnte wegweisend für kommende Verhandlungen in der Branche werden. Ein durchsetzungsstarker Kinderzuschlag würde eine neue Untergrenze etablieren. Ein rein dienstjahrenbasierter Plan dagegen dürfte auf Widerstand der oft jungen Belegschaften in Logistikzentren stoßen.
Die Verhandlungen in Erfurt werden voraussichtlich bis Ende des ersten Quartals 2026 abgeschlossen sein. Das Ergebnis wird von Arbeitsrechtsexperten in ganz Deutschland genau analysiert werden. Klar ist schon jetzt: Unterhaltspflichten sind kein nachrangiger “weicher” Faktor mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der Berechnungen, die über die finanzielle Absicherung nach einer Kündigung entscheiden.
Übrigens: Verhandlungen wie in Erfurt können für Beschäftigte überlebenswichtig sein – eine falsche Sozialauswahl kostet Kollegen bares Geld. Dieser gratis Ratgeber liefert fertige Muster für Sozialpläne, Rechenbeispiele zu Kinderzuschlägen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Durchsetzung von Interessenausgleich und Nachteilsausgleich. Betriebsräte erhalten Checklisten, die Stunden an Vorbereitung sparen. Hier Muster-Punkteschema und Verhandlungs-Tipps downloaden


