WKÖ will Baukosten mit radikaler Normen-Entrümpelung senken
02.01.2026 - 16:12:12Die Wirtschaftskammer Österreich drängt zum Jahresauftakt auf eine drastische Reform der Baustandards. Ziel ist es, durch eine „Entrümpelung“ der Normenlandschaft die Baukosten um bis zu 20 Prozent zu drücken. Im Zentrum steht die Einführung eines neuen, einfacheren Gebäudetyps.
Österreichs Bauwesen leidet unter seiner eigenen Gründlichkeit. Aktuell regulieren mehr als 20.000 Normen und Richtlinien jedes Detail – ein Dickicht, das laut WKÖ zum Kostentreiber Nummer eins geworden ist. Branchenanalysen zeigen: Ein erheblicher Teil der Baukosten entsteht nicht durch Material oder Löhne, sondern durch regulatorische Anforderungen, die über das sicherheitstechnisch Notwendige hinausgehen.
Die Strategie für 2026 ist klar: „Komfort-Normen“ ohne Einfluss auf Statik oder Brandschutz sollen gestrichen werden. Experten sehen hier ein enormes Sparpotenzial. Könnte diese Deregulierung den dringend benötigten Schwung in den stockenden Wohnbau bringen?
„Gebäudetyp E“ als Gamechanger
Der zentrale Hebel für die Einsparungen ist der „Gebäudetyp E“ (Einfach/Experimentell). Dieses Modell, bereits in Deutschland erprobt, soll nun in Österreich eingeführt werden. Die Idee ist radikal: Bauherren und Architekten können vertraglich von bestimmten Normen abweichen, solange die grundlegende Sicherheit gewährleistet bleibt.
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- Verzicht auf Überdimensionierung: Das bedeutet weniger komplexe Haustechnik, einfachere Grundrisse und reduzierte Anforderungen etwa beim Schallschutz innerhalb der eigenen Wohnung.
- Haftungsfreie Zone: Bisher riskieren Planer Klagen, wenn sie von der Norm abweichen. Die Reform will für innovatives, einfaches Bauen rechtssichere Rahmenbedingungen schaffen.
One-Stop-Shop soll Genehmigungen beschleunigen
Neben den technischen Vorschriften steht auch die Bürokratie auf dem Prüfstand. Die WKÖ fordert die rasche Umsetzung des „One-Stop-Shop“-Prinzipes. Projektentwickler sollen künftig nur einen einzigen Ansprechpartner für alle Genehmigungen haben, statt bei dutzenden Behörden antreten zu müssen.
Gerade in Wien und Niederösterreich, wo viele Projekte aufgrund hoher Finanzierungskosten auf Eis liegen, gilt dies als entscheidender Impuls. Parallel soll die Digitalisierung der oft noch analogen Einreichprozesse forciert werden.
Kampf um leistbares Wohnen
Die Dringlichkeit der Reformen ist hoch. Trotz leicht sinkender Inflation bleiben die Kreditzinsen auf einem hohen Niveau. Prognosen warnen vor einem Einbruch der Fertigstellungszahlen auf unter 25.000 Wohnungen in diesem Jahr – viel zu wenig für den Bedarf in den Ballungsräumen.
Der „Gebäudetyp E“ wird daher nicht als Nischenprodukt gesehen, sondern als potenzieller Standard für den geförderten Wohnbau. Nur durch strukturell niedrigere Errichtungskosten sind Mietpreise unter 10-12 Euro pro Quadratmeter im Neubau überhaupt noch darstellbar. Kritiker mahnen jedoch: Einfaches Bauen darf nicht zu Qualitätsverlust und später höheren Instandhaltungskosten führen.
Was kommt jetzt?
Die politischen Weichen müssen nun schnell gestellt werden. Beobachter rechnen damit, dass Gesetzesnovellen zur Haftungserleichterung noch im ersten Halbjahr den Nationalrat passieren könnten. Für die Bauwirtschaft beginnt eine Phase des Vorbereitens. Steht der rechtliche Rahmen, könnte in der zweiten Jahreshälfte eine Welle bisher nicht finanzierbarer Projekte starten.


