WKÖ, Bonus-Malus-System

WKÖ lehnt Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer ab

19.01.2026 - 19:45:12

Die Wirtschaftskammer Österreich spricht sich gegen ein Bonus-Malus-System aus und fordert stattdessen den Ausbau bewährter Anreize wie der Eingliederungsbeihilfe.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stellt sich gegen ein Bonus-Malus-System zur Förderung älterer Arbeitnehmer. Sie hält das von der Arbeiterkammer vorgeschlagene Strafsystem für kontraproduktiv und bürokratisch. Statt Unternehmen mit Strafzahlungen zu belegen, sollten bewährte Anreize ausgebaut werden.

Warum die Wirtschaft Strafen ablehnt

Die WKÖ kritisiert den bestrafenden Charakter des Modells. „Betriebe würden faktisch bestraft, wenn sie keine älteren Arbeitskräfte finden können“, argumentiert Generalsekretär Jochen Danninger. Die Ursachen lägen oft im demografischen Wandel und Fachkräftemangel. In unsicheren Wirtschaftszeiten bedeute ein solches System eine zusätzliche Belastung.

Statt Zwang fordert die WKÖ den Ausbau positiver Instrumente wie der Eingliederungsbeihilfe. Dieser Lohnkostenzuschuss fördert gezielt die Einstellung von Arbeitslosen mit Vermittlungsproblemen – darunter auch ältere Personen.

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Die Zahlen sprechen für sich

Aus Sicht der Wirtschaftskammer macht ein positiver Trend am Arbeitsmarkt Strafen unnötig. Die Beschäftigung Älterer ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
* Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen kletterte von 45,1 % (2014) auf 58,8 %.
* Rund 90 Prozent der berufstätigen Frauen über 60 sind aktuell in Beschäftigung.

Diese Entwicklung führt die WKÖ auch auf die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters für Frauen zurück. Der Arbeitsmarkt nehme diese Entwicklung gut auf.

Was die WKÖ statt Strafen will

Anstelle eines Malus-Systems fordert die Wirtschaft einen Mix aus Anreizen und Prävention.
* Ausbau der Eingliederungsbeihilfe als wirksames Instrument.
* Fokus auf Prävention durch betriebliche Gesundheitsförderung und altersgerechte Arbeitsplätze.
* Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens der Arbeitnehmer selbst.

„Wirtschaftlich sinnvolle Rahmenbedingungen und effektive Anreizsysteme sind der Schlüssel“, betont Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf. Sanktionen seien der falsche Weg.

Der Druck aus der Demografie wächst

Die Debatte findet vor einem klaren demografischen Hintergrund statt. Bis 2030 werden laut Prognosen allein in Oberösterreich rund 83.000 Arbeitskräfte fehlen. Gleichzeitig müssen mehr Ältere länger arbeiten.

Durch die Anhebung des Frauen-Pensionsalters kamen rund 30.000 zusätzliche 60-jährige Frauen auf den Arbeitsmarkt. Arbeiterkammer und WIFO warnen: Bis 2030 müssen etwa 115.000 Menschen zwischen 60 und 64 Jahren integriert werden, um Altersarbeitslosigkeit zu vermeiden.

Die klare Ablehnung der Wirtschaft heizt die politische Debatte weiter an. Während die Arbeiterkammer auf verbindliche Maßnahmen pocht, setzen die Wirtschaftsvertreter auf Kooperation. Die Regierung muss nun einen Kompromiss finden, der Sozialsysteme stabilisiert, ohne Unternehmen zu belasten. Die kommenden Verhandlungen dürften sich auf Programme wie die „Aktion 55+“ sowie Qualifizierungs- und Präventionsmaßnahmen konzentrieren.

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