Wirtschaftsausschüsse, Kampf

Wirtschaftsausschüsse im Kampf gegen die Liquiditätskrise

02.02.2026 - 10:27:12

Deutsche Unternehmen sehen sich mit einer Refinanzierungswelle konfrontiert, während Auftragsmangel den Zugang zu Krediten erschwert. Betriebsräte müssen die Liquiditätssicherung zur Priorität machen.

Deutsche Betriebsräte stehen vor einer finanziellen Zwickmühle: sinkende Zinsen treffen auf leere Auftragsbücher. Während die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe an Unternehmen angespannt. Für die betrieblichen Wirtschaftsausschüsse wird die Prüfung der Liquiditätsplanung zur Überlebensfrage.

Die paradoxe Lage: Billiges Geld, das niemand bekommt

Die Zahlen sind alarmierend. Laut dem Ifo-Institut leidet mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen unter Auftragsmangel. Gleichzeitig müssen Firmen in den kommenden Monaten Milliardenkredite aus der Niedrigzinsphase refinanzieren. Die EZB hat den Einlagesatz zwar auf 2,0 Prozent gesenkt. Doch Banken vergeben das günstigere Geld nur unter verschärften Bedingungen.

„Die Gefahr hat sich verlagert“, analysieren Marktexperten. „Es geht nicht mehr um die Kosten des Kapitals, sondern um den Zugang dazu.“ Ein Unternehmen mit leeren Auftragsbüchern gilt bei Kreditinstituten als hohes Risiko – trotz fallender Leitzinsen.

Refinanzierungswelle trifft auf leere Kassen

Die sogenannte „Fälligkeitswelle“ rollt. Kredite, die vor Jahren zu Minimalzinsen aufgenommen wurden, laufen 2026 aus. Nun müssen sie zu aktuellen, wenn auch gesunkenen, Konditionen ersetzt werden. Das Problem: Vielen Betrieben fehlt wegen der schwachen Konjunktur die operative Einnahmequelle, um die neuen Raten zu bedienen.

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Hier kommt der Wirtschaftsausschuss nach § 106 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) ins Spiel. Sein Informationsrecht ist der Schlüssel, um frühzeitig Liquiditätsengpässe zu erkennen. Experten raten den Gremien, in den Februar-Sitzungen drei kritische Punkte anzusprechen.

Drei Fragen, die jeder Ausschuss stellen muss

  1. Sichere Refinanzierung? Der Ausschuss sollte einen detaillierten Plan aller Kreditfälligkeiten in den nächsten ein bis zwei Jahren anfordern. Die entscheidende Frage: Liegen dafür bereits verbindliche Zusagen der Banken vor?

  2. Puffer bei Finanzkennzahlen? Banken verknüpfen Kredite oft mit Covenants – vertraglichen Bonitätsvorgaben. Rutscht ein Unternehmen wegen des Auftragsmangels unter diese Schwellenwerte, kann die Bank sofortige Rückzahlung verlangen. Die Ausschüsse müssen wissen, wie groß der Sicherheitsabstand zu diesen Triggers ist.

  3. Überleben nur auf Pump? Die Kernanalyse gilt dem Cashflow. Verbrennt das Unternehmen in seinem Tagesgeschäft Geld und überlebt nur durch neue Kredite? Diese Strategie ist in der aktuellen Kreditumgebung brandgefährlich.

Frühwarnsystem nach IDW-Standard nutzen

Als Richtschnur für diese Prüfung dient der Standard IDW S 16 zur Krisen-Früherkennung. Wirtschaftsausschüsse sollten von der Geschäftsführung aktualisierte Liquiditätspläne fordern, die explizit ein Szenario anhaltenden Auftragsmangels durchspielen.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Der Dialog zwischen Management und Betriebsrat muss sich auf die Schnittstelle von operativer und finanzieller Krise konzentrieren. Nur wer die Liquiditätsrisiken jetzt transparent macht, kann die Beschäftigung in unruhigen Zeiten sichern.

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