Wienwert-Prozess, Teilgeständnis

Wienwert-Prozess startet mit Teilgeständnis

19.01.2026 - 21:12:11

Im großen Wirtschaftsstrafverfahren räumt der ehemalige Wienwert-Chef grob fahrlässiges Handeln ein, bestreitet aber den schweren Betrugsvorwurf. Über 1.800 Anleger erlitten Schäden.

Der ehemalige Wienwert-Chef bekannte sich vor Gericht der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen schuldig. Den Kernvorwurf des schweren Betrugs bestreitet er jedoch. Damit beginnt eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der letzten Jahre in Österreich.

Ein „Blendwerk“ mit 41 Millionen Euro Schaden?

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft der Immobiliengruppe ein betrügerisches System vor. Über 1.800 Anleger sollen um rund 41 Millionen Euro gebracht worden sein. Die Anklage spricht von einem „Loch auf, Loch zu“-Prinzip: Neue Anleihegelder sollen verwendet worden sein, um fällige alte Verbindlichkeiten zu bedienen und so die Zahlungsunfähigkeit zu verschleiern.

Die beworbenen Wiener Immobilienprojekte existierten laut Staatsanwaltschaft in der Form nicht. Dem Hauptangeklagten werden zudem Untreue, Bilanzfälschung und der Verkauf von Immobilien weit unter Wert vorgeworfen.

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Strategisches Eingeständnis des Ex-Chefs

Stefan Gruze räumte vor Gericht ein, „zu verschwenderisch mit Gesellschaftsvermögen umgegangen“ zu sein. Sein Risikomanagement habe zur Zahlungsunfähigkeit beigetragen. Zudem leistete er 500.000 Euro Schadenswiedergutmachung.

Doch den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs weist seine Verteidigung entschieden zurück. Juristen deuten das Teilgeständnis als taktischen Schritt, um eine mildere Strafe zu erreichen. Die Mitangeklagten wiesen die Vorwürfe dagegen vollständig zurück.

Prominente Namen auf der Anklagebank

  • Der Wiener SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy soll vertrauliche Informationen über einen U-Bahn-Standort weitergegeben haben. Als Gegenleistung seien Fußball-VIP-Tickets und eine Spende geflossen.
  • Dem ehemaligen Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer und seiner Ehefrau wird Beitrag zur Untreue vorgeworfen. Eine Agentur der Frau soll Zahlungen ohne Gegenleistung erhalten haben.

Beide weisen die Vorwürfe zurück.

Langer Weg zum Urteil

Das Gericht hat zunächst vier Verhandlungstage angesetzt. Die Staatsanwaltschaft plant, über 80 Zeugen zu laden – ein langwieriger Prozess zeichnet sich ab.

Für die geschädigten Anleger bleibt die Hoffnung auf Aufklärung. Auf eine nennenswerte finanzielle Entschädigung aus der Konkursmasse haben sie jedoch kaum Chancen. Ein Urteil könnte die Standards im österreichischen Immobiliensektor nachhaltig verändern.

@ boerse-global.de