Wiener, Würstelstände

Wiener Würstelstände starten komplett vegan ins neue Jahr

11.01.2026 - 18:24:12

Zwei traditionsreiche Wiener Imbisse stellen ihr gesamtes Angebot im Januar auf pflanzliche Alternativen um. Die Aktion ist Teil einer breiteren Initiative, die auch Supermärkte und die Wirtschaftskammer einbezieht.

Zwei Wiener Kult-Würstelstände haben ihr Fleischsortiment für den gesamten Januar 2026 verbannt. Die Stände in Spittelau und der Pfeilgasse servieren jetzt ausschließlich pflanzliche Alternativen. Dieser radikale Schritt markiert den Höhepunkt eines Veganuary-Trends, der die Traditionsgastronomie der Stadt so tiefgreifend erfasst wie nie zuvor.

Vom “Eitrige”-Stand zur veganen Pionierzone

Betreiber Mike Lanner hat seine Imbisse zur temporären fleischfreien Zone erklärt. Auf der Karte stehen jetzt Currywurst auf Seitan-Basis und “Backhendl Southern Style” aus Austernpilzen. Selbst die klassische Käsekrainer, im Wienerischen “Eitrige” genannt, sucht man vergebens.

Laut Medienberichten ist der Schritt auch wirtschaftlich motiviert. Der Markt für pflanzliche Alternativen sei mittlerweile groß genug, um ohne traditionelle Fleischprodukte zu bestehen. Die Zielgruppe habe sich massiv erweitert: Heute sind es vor allem Flexitarier und neugierige Stammkunden, die das neue Angebot testen.

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  • Komplettumstellung: Keine tierischen Produkte mehr im gesamten Januar
  • Neue Kreationen: Fokus auf Gerichte mit Pilzen, Seitan und Erbsenprotein
  • Karitativer Aspekt: Pro verkauftem Gericht geht eine Spende an Tierschutzorganisationen

Wirtschaftskammer startet “Wiener Restaurant-Challenge”

Die radikale Aktion der Würstelstände ist kein Einzelfall. Die Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien (WKW) hat gemeinsam mit der Veganen Gesellschaft Österreich die “Wiener Restaurant-Challenge” ins Leben gerufen. Das Ziel: pflanzliche Vielfalt in der gesamten Breite der Wiener Gastronomie sichtbar machen.

Gäste, die im Januar in teilnehmenden Lokalen pflanzliche Gerichte bestellen, können mit ihren Rechnungen Preise gewinnen. Vertreter der Wirtschaftskammer betonen, dass Vielfalt das Markenzeichen der Wiener Küche sei und pflanzliche Optionen längst den Nischenstatus verlassen hätten.

Selbst Traditionshäuser wie die Figlmüller-Gruppe, die bereits seit 2021 ein veganes Erbsenschnitzel anbietet, profitieren von dieser neuen Normalität. Das pflanzliche Schnitzel gilt hier nicht mehr als Kuriosität, sondern als gleichwertige Option.

Supermärkte ziehen mit Preissenkungen nach

Parallel zur Gastronomie bewegt sich auch der Lebensmitteleinzelhandel. Große Ketten wie Billa und Billa Plus kompensieren im Januar die höhere Mehrwertsteuer auf pflanzliche Milchalternativen aus eigener Tasche.

Hintergrund ist die steuerliche Ungleichbehandlung in Österreich: Kuhmilch wird mit 10 Prozent besteuert, Hafer- oder Sojadrinks mit 20 Prozent. Die Preisanpassung der Supermärkte macht pflanzliche Produkte nicht nur attraktiver, sondern sendet auch ein politisches Signal.

Diese Synchronisierung von Gastronomie und Handel führt zu einer bisher ungekannten Sichtbarkeit. Pflanzliche Ernährung erscheint nicht mehr als teurer Luxus, sondern als zugängliche Alternative.

Wird der vegane Februar zum Dauerzustand?

Die spannende Frage ist: Was passiert nach dem 31. Januar? Betreiber Mike Lanner deutete bereits an, dass eine Verlängerung oder sogar dauerhafte Etablierung möglich sei – falls der Zuspruch anhält. Ein “veganer Februar” wird hinter vorgehaltener Hand bereits diskutiert.

Branchenexperten sehen in den Entwicklungen mehr als einen kurzfristigen Hype. Die Argumentation, der Markt sei “groß genug”, deutet auf eine Verschiebung der ökonomischen Realitäten hin. Es geht längst nicht mehr nur um die Bedienung einer kleinen Veganer-Community, sondern um die breite Masse der Flexitarier.

Könnte der Januar 2026 als der Wendepunkt in die Geschichte eingehen, an dem die Wiener Traditionsküche ihren Frieden mit der pflanzlichen Moderne schloss? Die erfolgreiche Durchführung des für April geplanten “Wiener Vegan Balls” wird ein weiterer Indikator für die gesellschaftliche Akzeptanz sein.

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