Wien 2025: Nachhaltigkeit wird zur Überlebensstrategie
30.11.2025 - 20:11:12Der Wiener Immobilienmarkt sendet ein klares Signal: Die Zeit der reinen Marketing-Versprechen ist vorbei. Eine Woche voller entscheidender Quartalsberichte zeigt, dass Nachhaltigkeit längst keine Option mehr ist, sondern zur harten ökonomischen Notwendigkeit geworden. Während die Neubauleistung stockt, melden ausgerechnet jene Akteure überraschend robuste Zahlen, die konsequent auf ESG-Kriterien setzen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer heute in Wien bauen will, muss grün denken – oder verschwindet vom Markt.
Die UBM Development AG überraschte am 27. November mit ihrer Rückkehr in die Gewinnzone. Das Vorsteuerergebnis kletterte im dritten Quartal auf 1,9 Millionen Euro. Noch beeindruckender: Die Wohnungsverkäufe stiegen um satte 25 Prozent auf 355 Einheiten.
CEO Thomas G. Winkler betonte, die Krise liege hinter dem Unternehmen. Der Schlüssel zum Erfolg? Projekte in Holzbauweise und grüne Finanzierung. UBM setzt mittlerweile zu 100 Prozent auf “Green Financing” – eine Antwort auf die neue Realität der Kapitalkosten.
Die CA Immo zog mit ähnlich starken Zahlen nach. Der Vermietungsgrad stieg auf 93,7 Prozent, das Nettomietergebnis um vier Prozent. CEO Keegan Viscius spricht von einem “Flight to Quality”: Mieter flüchten in energieeffiziente Premium-Flächen, während veraltete Bestandsobjekte an Attraktivität verlieren.
Die Botschaft ist eindeutig: In einem Markt, der sich ausdünnt, gewinnt Qualität.
“Wien baut vor”: Vom Lärm zum Klimaschutz-Statement
Das „Village im Dritten” markiert einen Paradigmenwechsel. Die im Oktober präsentierte Kampagne „Wien baut vor” etabliert ein neues Narrativ: Baustellen sind nicht mehr nur Lärmquellen, sondern Geburtsstätten klimafitter Stadtquartiere.
Wo früher Lifestyle-Fotos warben, stehen heute technische Fakten im Vordergrund:
- Geothermie für nachhaltige Wärmeversorgung
- Schwammstadt-Prinzipien zur Regenwasserspeicherung
- Autofreie Mobilitätskonzepte
Die Kampagne reagiert auf eine veränderte Sensibilität der Bevölkerung. Die Botschaft „Staub und Lärm gehen, die geschaffenen Werte bleiben” zielt darauf ab, die Akzeptanz für Nachverdichtung zu erhöhen.
Was Käufer wirklich wollen: Betriebskosten schlagen Idealismus
Eine aktuelle Gallup-Umfrage im Auftrag von Raiffeisen Immobilien liefert die Datenbasis für den Wandel. Für 66 Prozent der Österreicher ist nachhaltiges Wohnen ein entscheidendes Kriterium.
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Doch der Teufel steckt im Detail: Es geht weniger um ideologischen Klimaschutz als um finanzielle Absicherung.
- 55 Prozent zahlen mehr für Solaranlagen
- 41 Prozent akzeptieren höhere Preise für Wärmepumpen
„Nachhaltigkeit ist die neue Währung am Immobilienmarkt”, resümiert Raiffeisen-Sprecher Peter Mayr. Besonders die 20- bis 30-Jährigen treiben diesen Trend. Für sie bedeutet Energieeffizienz vor allem: leistbare monatliche Fixkosten.
Unsanierte Objekte werden mit einem “Brown Discount” bestraft, während energieautarke Neubauten einen “Green Premium” erzielen.
Die EU-Taxonomie: Kompass statt Guillotine
Die Realität zeigt ein differenzierteres Bild als befürchtet. Aktuelle Analysen von PwC belegen, dass Taxonomie-Konformität als „Nordstern” dient, aber nicht als absolutes Ausschlusskriterium fungiert.
Die “Green Asset Ratio” vieler Banken liegt im Durchschnitt noch im niedrigen einstelligen Bereich – rund drei Prozent. Das zeigt, wie schwierig volle Konformität in der Praxis ist.
Statt Bestandsimmobilien pauschal abzustoßen, verfolgen Fonds und Versicherungen “Manage-to-Green”-Strategien. Sie kaufen gezielt Objekte mit schlechter Energiebilanz, um diese durch Sanierung aufzuwerten.
Die Taxonomie ist kein Investitionsverbot, sondern ein Reporting-Tool, das Preise beeinflusst. Ein Neubauprojekt ohne Taxonomie-Alignment hat es schwerer bei der Finanzierung – muss aber einen signifikanten Preisabschlag hinnehmen.
Ein Markt im Umbruch
Der EHL Marktbericht für Herbst 2025 prognostiziert einen Rückgang der Fertigstellungszahlen um über 46 Prozent bis 2026. Wer jetzt fertigstellt, trifft auf einen Markt mit wenig Konkurrenz, aber extrem wählerischen Abnehmern.
Die hohen Baukosten und Zinsen haben den Markt bereinigt. „Projektentwickler verschwinden”, hieß es lakonisch in der UBM-Präsentation. Übrig bleiben jene, die komplexe ESG-Anforderungen nicht nur auf dem Papier erfüllen, sondern baulich umsetzen können.
Der Markt spaltet sich: Hochwertiger ESG-konformer Neubau wird trotz Krise vermietet und verkauft. Älterer Bestand droht ohne massive Investitionen zum “Stranded Asset” zu werden.
Ausblick: Das Jahr der Sanierung?
Da Neubauflächen in Wien knapp und teuer bleiben, dürfte der Fokus 2026 noch stärker auf Sanierung rücken. Die EU-Gebäuderichtlinie und der Druck auf die Bodenversiegelung machen den “Re-Use” von Bausubstanz attraktiver.
Investoren suchen vermehrt nach Objekten, die sich mit überschaubarem Aufwand in die Nähe der Taxonomie-Konformität bringen lassen. Für das Marketing der Wiener Bauträger bedeutet das: Weniger Hochglanz-Renderings, mehr Datenblätter zu Energieverbrauch, CO2-Fußabdruck und Zertifizierungen.
Transparenz ist das neue “Lage, Lage, Lage”.
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