WhatsApps neue KI-Funktion trifft auf Rekordstrafen
31.12.2025 - 20:23:12Europäische Datenschutzbehörden verhängten 2025 Rekordbußgelder von 1,9 Mrd. Euro. Die Einführung von Meta AI in WhatsApp erhöht die regulatorischen Anforderungen für Unternehmen.
Datenschutzverstöße kosten Unternehmen in der EU 2025 fast zwei Milliarden Euro. Die Einführung von Meta AI auf WhatsApp verschärft die Risiken für alle, die Messenger für den Kundendialog nutzen.
Rekordjahr 2025: 1,9 Milliarden Euro an Bußgeldern
Die europäischen Datenschutzbehörden haben in diesem Jahr ein klares Signal gesendet: Nachlässigkeit im Umgang mit Kundendaten wird teuer. Eine Analyse der Anwaltskanzlei CMS vom 15. Dezember beziffert die verhängten Geldstrafen auf rund 1,9 Milliarden Euro. Das übertrifft die Summe des Vorjahres deutlich und zeigt einen aggressiveren Kurs der Aufsichtsbehörden. Im Fokus stehen längst nicht mehr nur Tech-Giganten, sondern jedes Unternehmen mit mangelhaften Datenflüssen.
Zwei Fälle des Jahres illustrieren die spezifischen Gefahren, die auch für Messenger-Nutzer relevant sind. Im Mai kassierte TikTok eine Strafe von 530 Millionen Euro von der irischen Aufsichtsbehörde DPC – wegen Datenübermittlungen nach China und unzureichendem Jugendschutz. Noch näher an der deutschen Wirtschaftsrealität liegt der Fall Vodafone Deutschland: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verhängte im Juni eine Geldbuße von 45 Millionen Euro wegen „Sicherheitsmängeln“ im Kundendatenmanagement. Eine direkte Warnung an alle Firmen, die die technischen Schutzvorkehrungen ihrer Kommunikationskanäle vernachlässigen.
Unternehmen, die Messenger wie WhatsApp im Kundenservice nutzen, unterschätzen oft die Haftungsrisiken bei fehlerhaften Auftragsverarbeitungsverträgen (AVV). Fehler in der Auftragsdatenverarbeitung können schnell fünfstellige Bußgelder und teure Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Ein kostenloses E‑Book erklärt praxisnah, welche AVV‑Klauseln notwendig sind, liefert fertige Vertragsvorlagen und eine Prüfcheckliste speziell für Messenger‑Integrationen und KI‑Funktionen. Jetzt kostenloses AVV‑E‑Book herunterladen
Doppelrisiko: Künstliche Intelligenz in Messengern
Die Compliance-Herausforderung wird ab sofort noch komplexer. Am 31. Dezember startete Meta offiziell die KI-Funktion Meta AI für WhatsApp-Nutzer in Europa und Großbritannien. Die Features versprechen zwar verbesserte Kundeninteraktionen, bringen aber neue datenschutzrechtliche Fallstricke mit sich.
WhatsApp reagierte auf regulatorische Bedenken mit einer „Private Processing“-Funktion. Sie soll persönliche Daten während der KI-Interaktionen anonymisieren. Für Unternehmen, die WhatsApp im Kundenservice einsetzen, bedeutet dies jedoch eine sofortige Überprüfung ihrer Datenschutzerklärungen und Verträge zur Auftragsverarbeitung (AVV).
Die KI-Integration schafft ein Doppelrisiko. Erstens müssen Firmen sicherstellen, dass die Datenverarbeitung der KI – oft in der Cloud – nicht gegen den Grundsatz der Datenminimierung verstößt. Zweitens bleibt die Einwilligung ein kritischer Punkt. Wie bereits im März 2025 diskutiert, reichen allgemeine SMS-Einwilligungen für WhatsApp-Kommunikation unter der DSGVO nicht aus. Explizite, granular eingeholte Zustimmung ist erforderlich – erst recht, wenn nun KI die Nachrichten analysiert.
Regulierungsdruck: Neue Leitlinien und Urteile
Dezember 2025 brachte entscheidende Weichenstellungen im regulatorischen Rahmen. Die Konsultationsphase zu gemeinsamen Leitlinien der Europäischen Datenschutzausschusses (EDPB) und der EU-Kommission endete am 4. Dezember. Sie klären das Zusammenspiel von Digital Markets Act (DMA) und DSGVO, besonders für „Gatekeeper“-Plattformen wie WhatsApp.
Der Entwurf betont: Datenaustausch zwischen Plattformen – oft für nahtlosen Kundenservice gewünscht – muss höchste DSGVO-Standards erfüllen. Es gibt keine Nachsicht wegen „technischer Notwendigkeit“, wenn die Privatsphäre darunter leidet.
Zusätzlichen Druck erzeugte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 2. Dezember. Das Gericht entschied, dass Betreiber von Online-Plattformen eine erhebliche Verantwortung für die Verarbeitung personenbezogener Daten in Anzeigen und Kommunikation tragen. Die Verteidigung als „passive Plattform“ gilt damit nicht mehr. Unternehmen müssen aktiv die Compliance ihrer Messenger-Tools und Werbe-Integrationen überprüfen.
Ausblick 2026: Die Ära der Transparenz bricht an
Die Entwicklung markiert einen klaren Wandel: von einer Compliance der Dokumente hin zur technischen Verantwortlichkeit. Regulierer prüfen nicht mehr nur Papier, sondern die tatsächlichen Datenflüsse.
Der Blick auf 2026 ist bereits geschärft. Der EDPB hat angekündigt, dass seine „koordinierte Durchsetzungsaktion“ im kommenden Jahr die Transparenzpflichten (Artikel 12-14 DSGVO) in den Fokus rückt. Für Unternehmen bedeutet das: Die Zeit der „Black Box“ ist vorbei. Sie müssen in klarer Sprache erklären können, wie Kundendaten in Messenger-Apps – besonders mit aktivierter KI – verarbeitet, übermittelt und gesichert werden.
Unternehmen sollten daher zu Jahresbeginn ihre Messenger-Kanäle umfassend überprüfen. Die heute gestarteten KI-Funktionen dürfen nicht zu den Compliance-Problemen von morgen werden.
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