WhatsApp, Sammelklage

WhatsApp: Sammelklage wirft Verschlüsselung in Frage

17.02.2026 - 16:22:12

Eine Sammelklage in den USA beschuldigt WhatsApp, verschlüsselte Nachrichten lesen zu können. Trotz juristischer Erfolge in Europa droht der Messenger ein massives Vertrauensproblem.

Während WhatsApp in Europa juristische Teilerfolge feiert, droht aus den USA eine massive Vertrauenskrise. Eine neue Sammelklage wirft dem Messenger vor, entgegen eigener Versprechen Zugriff auf verschlüsselte Chats zu haben.

Die Vorwürfe: Eine „kleptografische Hintertür“?

Im Zentrum steht eine Klage vor einem US-Bezirksgericht in Kalifornien. Nutzer aus mehreren Ländern beschuldigen Meta, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgehebelt zu haben. Die Klage stützt sich auf Whistleblower-Aussagen.

  • Sie behaupten, interne Werkzeuge ermöglichten es, private Nachrichten im Klartext zu lesen.
  • Technisch wird dies als „kleptografische Hintertür“ bezeichnet – ein Mechanismus zum unbemerkten Kopieren von Verschlüsselungsschlüsseln.
  • Besonders brisant: Auch externe Moderatoren sollen in bestimmten Fällen Zugriff auf Chat-Inhalte gehabt haben.

Das würde der Kernaussage von WhatsApp widersprechen, dass „niemand, nicht einmal WhatsApp“ die Nachrichten lesen könne.

Europas juristische Zweifront: Siege mit Haken

Parallel zu den US-Vorwürfen kämpft WhatsApp in Europa vor Gericht – mit jüngstem Erfolg. Doch die grundsätzlichen Datenschutzfragen bleiben.

EuGH stärkt Klagerechte (11. Februar)
Der Europäische Gerichtshof urteilte, dass WhatsApp direkt gegen Bußgeldbescheide der EU-Datenschutzbehörden klagen darf. Konkret geht es um eine Strafe von 225 Millionen Euro aus dem Jahr 2021. Der Schritt wird als prozessualer Sieg gewertet, die inhaltliche Prüfung der Verstöße steht aber noch aus.

Irischer Erfolg gegen Medienabgabe (16. Februar)
Einen Tag zuvor erhielt WhatsApp vor dem irischen High Court die Erlaubnis, eine Abgabe von 12,9 Millionen Euro gerichtlich überprüfen zu lassen. Der Konzern argumentierte erfolgreich gegen Unklarheiten bei der Berechnung.

Diese Erfolge zeigen Metas juristische Schlagkraft. Sie helfen aber kaum gegen den Reputationsschaden aus den USA.

Metas Verteidigung: „Frivoles Werk der Fiktion“

Meta weist die Vorwürfe scharf zurück. Ein Sprecher nannte die Klage ein „frivoles Werk der Fiktion“. Die Verteidigung stützt sich auf drei Argumente:

  1. Das Signal-Protokoll: WhatsApp nutze seit Jahren diesen kryptographischen Goldstandard. Die Schlüssel lägen nur auf den Geräten der Nutzer.
  2. Moderation als Nutzerfunktion: Bei gemeldeten Chats sende das Gerät des Nutzers eine Kopie zur Prüfung. Das sei gewollt und breche nicht die Verschlüsselung der Übertragung.
  3. Fehlende Beweise: Bisher habe die Gegenseite keine technischen Beweise wie Code-Schnipsel für eine systemweite Hintertür vorgelegt.

Sicherheitsexperten sind gespalten. Viele bestätigen die Robustheit des Protokolls. Andere warnen: Schwachstellen in der App selbst könnten die Verschlüsselung untergraben – unabhängig von der Übertragung.

Nutzer reagieren: Downloads für Konkurrenten steigen

Die Diskussionen zeigen bereits Wirkung. Konkurrierende Messenger wie Signal und Threema verzeichnen seit Bekanntwerden der Klage steigende Downloadzahlen.

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Auch die kürzlich eingeführte WhatsApp-Funktion „Strikte Kontoeinstellungen“ wird als Reaktion auf das schwindende Vertrauen gedeutet. Sie soll mehr Schutz vor Metadaten-Analysen bieten. Kritiker sehen darin aber nur ein Pflaster, solange die schwerwiegenden Vorwürfe im Raum stehen.

Was kommt als Nächstes?

Die kommenden Wochen entscheiden über das weitere Vorgehen in den USA. Das Gericht muss über die Zulassung der Sammelklage befinden. Eine Bewilligung würde Meta in eine aufwändige Beweisaufphase zwingen, in der interne Dokumente offengelegt werden müssten.

In Europa muss das Gericht der EU die 225-Millionen-Strafe inhaltlich neu verhandeln. Die regulatorische Überwachung bleibt streng.

Für Nutzer ändert sich technisch erstmal nichts. Experten raten bei sensiblen Inhalten:
* Die Sicherheitseinstellungen der App zu prüfen (z.B. verifizierbare Sicherheitscodes).
* Für kritische Kommunikation auf Alternativen ohne Metadaten- Speicherung zurückzugreifen.

Der Fall markiert eine neue Eskalationsstufe im globalen Streit um digitale Privatsphäre.

@ boerse-global.de

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