WhatsApp: Privacy-Skandal oder Rufmord-Kampagne?
02.11.2025 - 14:25:12Elon Musk wirft WhatsApp vor, Nutzernachrichten für Werbezwecke zu scannen. Meta weist die Anschuldigungen als unbegründet zurück und startet gleichzeitig neue Sicherheitsfeatures. Ein Zufall?
Die neueste Datenschutz-Debatte um WhatsApp kocht seit dieser Woche hoch. Verantwortlich dafür: explosive Vorwürfe von Tesla-Chef Elon Musk. Am 1. November behauptete der Tech-Milliardär im Joe Rogan-Podcast, WhatsApp analysiere Nutzernachrichten für gezieltes Advertising. “WhatsApp weiß, was du schreibst”, so Musk wörtlich.
Die Ironie: Ausgerechnet jetzt rollt Meta weltweit neue Sicherheitsfunktionen aus. Passkey-verschlüsselte Backups und Anti-Betrugs-Warnungen sollen das Vertrauen der Nutzer stärken. Proaktiver Schutz oder verzweifelte Schadensbegrenzung?
Meta schießt zurück: “Unbegründete Anschuldigungen”
Meta reagierte umgehend auf Musks Vorwürfe. Das Unternehmen betonte, dass alle persönlichen Nachrichten durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt seien. “Wir können eure privaten Nachrichten nicht lesen und nutzen sie nicht für Werbung”, stellte WhatsApp klar.
Tatsächlich basieren die gezeigten Anzeigen – etwa im “Updates”-Tab – nur auf allgemeine Standort- und Sprachdaten, nicht auf Gesprächsinhalte. Fact-Checker und Marktanalysten stufen Musks Behauptungen als unbelegt ein.
Doch warum greift der X-Eigentümer WhatsApp so scharf an? Ein Blick auf seine eigenen Ambitionen gibt Aufschluss: Musk bewirbt zeitgleich “XChat” als “WhatsApp-Killer”. Geschäftsrivalität als Motiv für den öffentlichen Angriff?
Neue Sicherheitsfeatures: Timing oder Zufall?
Nur einen Tag vor Musks Attacke kündigte Meta neue Schutzmaßnahmen an. Seit 31. Oktober können Nutzer ihre Chat-Backups mit biometrischen Daten verschlüsseln – Fingerabdruck oder Gesichtsscan statt komplexer 64-stelliger Codes.
Die Anti-Betrugs-Tools gehen noch weiter. In Singapur und anderen Märkten warnt WhatsApp jetzt vor verdächtigen Bildschirmfreigaben während Videoanrufen mit unbekannten Kontakten. Eine direkte Antwort auf zunehmende Online-Betrugsmaschen.
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Auch der Messenger erhält ein Upgrade: Automatische Erkennung fragwürdiger neuer Chats soll Nutzer vor Betrügern schützen. Meta präsentiert diese Maßnahmen als Teil einer umfassenden Sicherheitsoffensive.
Der wahre Kampfplatz: EU-Datenschutzgesetze
Hinter den Kulissen tobt ein ganz anderer Konflikt. Ende Oktober wurde bekannt, dass Meta die irische Regierung zum Widerstand gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) drängt. In Briefen an Irlands Justizminister kritisierte Metas Datenschutzchef die Regulierung als “völlig außer Kontrolle”.
Das Unternehmen fordert eine “grundlegende Überarbeitung” der EU-Datenschutzgesetze. Wirtschaftsinteressen und Innovation müssten stärker berücksichtigt werden, so die Argumentation. Ein klares Signal: Meta will die regulatorischen Fesseln lockern.
Diese Lobby-Aktivitäten werfen ein anderes Licht auf die aktuellen Sicherheitsankündigungen. Sind die neuen Features echter Nutzer-Service oder strategisches Manöver im Kampf gegen strengere Regulierung?
Verschlüsselung ja, Metadaten nein
Der Kern der Debatte liegt in einem wichtigen Detail: WhatsApp verschlüsselt zwar Nachrichten-Inhalte, aber nicht die Metadaten. Informationen über Kommunikationspartner, Zeitpunkte und Häufigkeit bleiben für Meta einsehbar.
Datenschutzexperten warnen seit Jahren: Diese Metadaten können ein detailliertes Profil der Nutzer erstellen. Wer, wann, wie oft – das reicht für gezieltes Marketing.
Die Signal-Verschlüsselung schützt also nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte – wer mit wem kommuniziert – bleibt Metas Geschäftsgeheimnis.
Ausblick: Vertrauen gegen Innovation
Die kommenden Monate werden entscheidend für WhatsApp. Die weltweite Einführung der Passkey-Technologie könnte das Vertrauen stärken und Kritiker wie Musk ins Leere laufen lassen.
Doch die grundsätzliche Debatte über Metadaten-Nutzung wird bleiben. Regulatoren in der EU und anderen Regionen erhöhen den Druck. Das Geschäftsmodell der Datenriesen steht zunehmend infrage.
Auf WhatsApp warten turbulente Zeiten – zwischen Nutzervertrauen, technischer Innovation und regulatorischem Gegenwind. Die nächsten Monate zeigen, ob Metas Charme-Offensive fruchtet oder die Privacy-Debatte weiter eskaliert.


