WhatsApp-Klage, Verschlüsselung

WhatsApp-Klage: Ist die Verschlüsselung nur ein Versprechen?

29.01.2026 - 23:54:12

Eine Sammelklage in den USA wirft Meta vor, dass Mitarbeiter Zugriff auf verschlüsselte WhatsApp-Nachrichten hätten. Das Unternehmen weist die Vorwürfe als absurd zurück.

Eine Sammelklage in den USA stellt WhatsApps Versprechen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung radikal infrage. Die Kläger behaupten, Meta-Mitarbeiter könnten private Nachrichten einsehen – eine Anschuldigung, die den Kern des Messaging-Dienstes trifft. Meta weist die Vorwürfe als absurd zurück.

Die Klageschrift, die diese Woche beim Bundesgericht im Nordbezirk Kalifornien eingereicht wurde, enthält brisante Vorwürfe. Eine internationale Gruppe von Nutzern aus Ländern wie Australien, Brasilien und Indien wirft Meta vor, die Öffentlichkeit systematisch getäuscht zu haben. Demnach können Mitarbeiter über ein einfaches internes Anfragesystem auf verschlüsselte WhatsApp-Nachrichten zugreifen – entgegen jahrelanger öffentlicher Beteuerungen.

Explosive Vorwürfe: Ein simpler „Task“ für Nachrichten-Zugriff?

Im Zentrum der Anschuldigungen steht ein angeblicher interner Prozess, der auf Informationen anonym gebliebener Whistleblower basiert. Laut Klage können Meta-Mitarbeiter einen „Task“ bei einem Engineering-Team einreichen, um Zugang zu Chats zu beantragen. Nach oft nur oberflächlicher Prüfung werde dieser Zugriff gewährt.

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Über ein Widget an ihren Arbeitsplatzrechnern könnten sie dann angeblich Echtzeit- und historische Nachrichten jedes Nutzers abrufen. Entscheidend: Die Nachrichten sollen ohne separaten Entschlüsselungsschritt erscheinen. Falls wahr, wäre das Versprechen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hinfällig. Persönliche und berufliche Gespräche wären nicht vor internem Zugriff geschützt.

Meta kontert: „Absurde Anschuldigungen ohne jeden Wert“

Der Konzern reagierte umgehend und scharf. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Klage als „kategorisch falsch“ und ein „absurdes Werk der Fiktion“. Man stehe uneingeschränkt zum Signal-Protokoll, das WhatsApp seit einem Jahrzehnt nutze. Dies mache Nachrichten für alle außer Sender und Empfänger unzugänglich.

WhatsApp-Chef Will Cathcart sprach von einer publicity-trächtigen Aktion ohne Substanz. Meta kündigte sogar rechtliche Schritte gegen die Anwälte der Kläger an. Bislang fehlt der Klage allerdings konkreter technischer Beweis für die angebliche Hintertür. Die Vorwürfe stützen sich allein auf die Aussagen der Whistleblower.

Wettbewerber wittern Morgenluft

Die Nachricht löste dennoch sofort Reaktionen im Wettbewerbsumfeld aus. Die Konkurrenz nutzte die Gelegenheit für Seitenhiebe. Telegram-Gründer Pavel Durov und X-Chef Elon Musk stellten die Sicherheit von WhatsApp öffentlich infrage. Für datenschutzbewusste Nutzer ist das Misstrauen ohnehin groß – nicht zuletzt wegen Metas umstrittener Vergangenheit im Umgang mit Nutzerdaten.

Bereits 2021 zeigte eine ProPublica-Recherche, dass WhatsApp-Moderatoren auf gemeldete Nachrichten zugreifen können. Der entscheidende Unterschied: Dabei bricht der Nutzer die Verschlüsselung selbst, indem er die Nachricht zur Prüfung weiterleitet. Die aktuelle Klage behauptet hingegen einen systematischen, proaktiven Zugriff ohne Nutzeraktion.

Zeitpunkt: Zufall oder taktisches Manöver?

Auffällig ist der Zeitpunkt der Klage. Sie wurde genau dann eingereicht, als WhatsApp einen neuen „Strict Security Mode“ für besonders schutzbedürftige Nutzer wie Journalisten ankündigte. Spekulationen liegen nahe: Handelt es sich um eine geplante Produktentwicklung oder eine PR-Maßnahme angesichts wachsenden rechtlichen Drucks?

Die rechtliche Auseinandersetzung steht erst am Anfang. Meta wird voraussichtlich auf eine Einstellung des Verfahrens drängen. Die Klägeranwälte müssen zunächst durchsetzen, dass es als Sammelklage anerkannt wird – was potenziell Milliarden Nutzer weltweit einbeziehen würde. Die Glaubwürdigkeit der Whistleblower wird zum Dreh- und Angelpunkt.

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das Vertrauen in einen der weltweit wichtigsten Kommunikationsdienste nachhaltig erschüttert. Für Meta drohten dann massive regulatorische Strafen und Schadensersatzzahlungen. Wird die Klage jedoch abgewiesen, festigt das zwar Metas Position. Doch der Zweifel am Verschlüsselungsversprechen könnte bei vielen Nutzern dennoch bleiben.

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