WhatsApp, Visier

WhatsApp im Visier der EU: Chat Control und strengere Aufsicht bedrohen Verschlüsselung

10.01.2026 - 20:10:12

Die EU-Kommission prüft eine strengere Einstufung von WhatsApp als große Plattform, während die Chat-Control-Verordnung die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefährdet. Das Unternehmen droht mit einem Marktaustritt.

Die EU-Kommission zieht die regulatorische Schraube an: WhatsApp droht eine strengere Einstufung als große Plattform – zeitgleich erreichen die umstrittenen Chat Control-Pläne ihre entscheidende Phase.

Berlin/Brüssel, 10. Januar 2026 – Der Konflikt zwischen digitaler Privatsphäre und europäischen Überwachungsplänen spitzt sich dramatisch zu. Innerhalb weniger Tage zum Jahresbeginn sieht sich der Messenger-Dienst WhatsApp gleich auf zwei Fronten unter Druck. Während die EU-Kommission eine strengere Einstufung nach dem Digital Services Act (DSA) prüft, könnte die für Frühjahr 2026 geplante Verabschiedung der Chat Control-Verordnung (CSAR) die technische Grundarchitektur verschlüsselter Kommunikation aushöhlen.

EU prüft strengeren „VLOP“-Status für WhatsApp

Auslöser für die aktuelle Prüfung ist das explosive Wachstum von „WhatsApp Channels“. Dieser Broadcast-Dienst hat im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 51,7 Millionen monatlich aktive Nutzer in der EU erreicht – und damit deutlich die kritische Schwelle von 45 Millionen Nutzern überschritten, die für die Einstufung als Very Large Online Platform (VLOP) maßgeblich ist.

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Diese Klassifizierung hätte erhebliche Folgen. WhatsApp müsste als VLOP umfangreiche jährliche Risikobewertungen durchführen, Transparenz über Algorithmen schaffen und robuste Maßnahmen gegen illegale Inhalte implementieren. Datenschützer befürchten jedoch eine gefährliche Vermischung: Während die Regeln formal für die öffentlichen „Channels“ gelten, könnte diese regulatorische Fuß-in-der-Tür-Strategie die rechtliche Trennung zwischen öffentlichem Broadcast und privater Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwischen.

Chat Control erreicht entscheidende Phase im Frühjahr 2026

Parallel zur administrativen Verschärfung durch den DSA stellt die anstehende Chat Control-Verordnung die existenzielle Bedrohung dar. Digitale Bürgerrechtsorganisationen warnen: Frühjahr 2026 wird zur Schicksalsstunde für private Kommunikation in Europa.

Die Verordnung zielt darauf ab, Kinderpornografie zu bekämpfen, indem Plattformen zur Erkennung und Meldung illegaler Inhalte verpflichtet werden. Der zentrale Streitpunkt bleibt die technische Umsetzung bei verschlüsselten Diensten. Kritiker wie der digitale Rechtsexperte Patrick Breyer warnen erneut vor Client-Side-Scanning – einer Technologie, die Nachrichten auf dem Gerät des Nutzers noch vor der Verschlüsselung scannt und damit den Sicherheitsschutz aushöhlt.

Trotz jüngster Zusicherungen des EU-Rats, das Scannen könne „freiwillig“ bleiben, argumentieren Experten, dass der Rechtsrahmen toxische Anreize schafft. Massenüberwachung würde zum De-facto-Standard für digitale Kommunikation in Europa.

WhatsApps Ultimatum und Exit-Drohungen

WhatsApp hat stets klargemacht, dass das Unternehmen seine Verschlüsselungsstandards nicht aufweichen wird. In Gesprächen während des gesamten Jahres 2025 stellte die Führung um Will Cathcart klar: Man würde den europäischen Markt eher verlassen, als die Sicherheit der Nutzer zu kompromittieren.

Die erneute Druckwelle im Januar 2026 rückt dieses Ultimatum wieder in den Fokus. Sicherheitsexperten halten es für möglich, dass Meta vor einer binären Wahl steckt, sollte die Chat Control-Verordnung in ihrer jetzigen Form verabschiedet werden: die Produktarchitektur fundamental ändern oder europäische Nutzer sperren.

Besorgniserregend für die Branche ist die Salami-Taktik der Regulierer. Indem zunächst die „Channels“-Funktion als öffentliche Social-Media-Plattform eingestuft wird (unter DSA) und dann zusätzlich Scan-Fähigkeiten für „Kinderschutz“ gefordert werden (unter CSAR), entsteht eine regulatorische Zangenbewegung. Diese Doppelstrategie macht es für Plattformen immer schwieriger, ein „reines“ Verschlüsselungsmodell aufrechtzuerhalten.

Ausblick: Ein heißer Frühjahr für digitale Privatsphäre

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Datenschutzverbände erwarten intensivierte Lobbyarbeit in Brüssel, während die finalen Trilog-Verhandlungen zur Chat Control-Verordnung abgeschlossen werden. Gleichzeitig muss WhatsApp auf die Nutzerzahlen-Feststellung der Kommission reagieren.

Sollte die VLOP-Einstufung erfolgen, droht dem Messenger noch in diesem Jahr eine Frist für Compliance-Maßnahmen, die unabhängige Audits der Systeme erforderlich macht. Die Frühjahrsabstimmung über Chat Control wird darüber entscheiden, ob 2026 zum Jahr wird, in dem Europa sich von garantierter digitaler Geheimhaltung verabschiedet. Für Bürger und Unternehmen, die auf sichere Kommunikation angewiesen sind, definieren die nächsten Monate die Zukunft der digitalen Privatsphäre.

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