Westring-Proteste, Aktivisten

Westring-Proteste: Aktivisten und Polizei kollidieren bei Rodungsblockade

19.01.2026 - 19:00:12

Klimaaktivisten und die Polizei lieferten sich am Wochenende Zusammenstöße bei einer Blockade im Linzer Bergschlösslpark. Die Proteste gegen den Bau des umstrittenen Westrings (A26) erreichten damit eine neue Eskalationsstufe. Mehrere Personen wurden festgenommen.

In den frühen Morgenstunden versammelten sich Aktivisten von Gruppen wie “Extinction Rebellion”, um Rodungsarbeiten für ein Tunnelportal zu stoppen. Sie besetzten Bäume und Baugeräte. Ein Großaufgebot der Polizei rückte an, um die Baustelle zu sichern.

Nachdem Aufforderungen zum Verlassen des Areals ignoriert wurden, begann die Räumung. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei nahm mindestens eine Person fest, die sich den Anweisungen widersetzt hatte. Aktivistenkreise berichten von einem robusten Vorgehen der Einsatzkräfte.

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Ein Milliardengrab namens A26

Der Linzer Westring ist ein seit Jahrzehnten geplantes Prestigeprojekt der ASFINAG. Auf 4,7 Kilometern Länge soll die Autobahn die A7 mit der A1 verbinden und das Stadtzentrum entlasten. Doch der Preis ist hoch:

  • Die Kosten explodierten von ursprünglich 630 Millionen auf rund 1,19 Milliarden Euro.
  • Die Stadt Linz muss fünf Prozent der Baukosten tragen – ohne festgelegte Obergrenze.
  • Kritiker warnen vor irreparablen Schäden für Naherholungsgebiete wie den Freinberg.

Befürworter aus Politik und Wirtschaft versprechen weniger Stau und Lärm. Gegner halten dagegen: Neue Autobahnen schaffen nur neuen Verkehr und torpedieren die Klimaziele.

Verhärtete Fronten in Linz

Die Fronten sind tief gespalten. Während ASFINAG und Landesregierung auf die Verkehrsentlastung pochen, formiert sich breiter Widerstand. Bürgerinitiativen wie “westring.at” brandmarken das Projekt als “vorgestrig”.

Sie zweifeln die offiziellen Entlastungsprognosen an. Eigene Berechnungen legen nahe, dass es in einigen Straßenzügen sogar zu einer Mehrbelastung kommen könnte. Die zentrale Frage lautet: Investiert man Milliarden in eine autozentrierte Vergangenheit oder in eine klimafreundliche Verkehrswende?

Symbol für eine gespaltene Verkehrspolitik

Der Konflikt in Linz ist kein Einzelfall. Wie beim Lobau-Tunnel in Wien prallen hier zwei Welten aufeinander: traditionelle Infrastrukturplanung gegen die Forderungen der Klimabewegung.

Verkehrsexperten warnen seit langem vor induziertem Verkehr. Neue Straßen schaffen oft ihre eigene Nachfrage und lösen die Stauprobleme langfristig nicht. Die Aktivisten sehen ihren Kampf daher als Teil einer größeren, österreichweiten Auseinandersetzung.

Was kommt als nächstes?

Mit einer Entspannung ist nicht zu rechnen. Die festgenommenen Aktivisten müssen mit Anzeigen rechnen. Die Gruppen haben bereits weitere Aktionen angekündigt, um den Bau des Freinbergtunnels zu verhindern.

Parallel laufen juristische Schritte. Eine von Initiativen angestrebte Volksbefragung liegt mit über 7.000 Unterschriften beim Verwaltungsgerichtshof. Bis zur geplanten Fertigstellung 2035 dürften Proteste und politische Debatten den Westring begleiten. Die Rodungen im Bergschlösslpark waren nur der erste Akt.

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