Weltzollorganisation reformiert globalen Handel mit Plastikmüll
22.01.2026 - 14:13:12Die Weltzollorganisation (WCO) hat mit den HS 2028-Amendments die schärfste Klassifizierung von Plastikmüll in der Geschichte des Welthandels beschlossen. Ab 2028 ermöglichen neue Zollcodes eine lückenlose Verfolgung von Kunststoffabfällen – eine direkte Antwort auf illegale Exporte in Entwicklungsländer.
Neue Ära für die Kreislaufwirtschaft
Am Mittwoch billigte der WCO-Rat die umfassende Reform des Harmonisierten Systems (HS). Der entscheidende Wandel betrifft Kapitel 39 für Kunststoffe: Statt pauschaler „Sonstiger“-Kategorien führen spezifische Unterpositionen künftig zwischen gefährlichen Abfällen, PIC-pflichtigen Sendungen und reinem Recyclingmaterial. Diese Granularität soll Schlupflöcher schließen, durch die bisher vermischter und kontaminierter Plastikmüll illegal exportiert werden konnte.
„Die Änderungen sind ein Quantensprung für die Umsetzung der Basler Konvention“, erklärt ein WCO-Vertreter. Tatsächlich entsprechen die neuen Codes exakt den 2021 in Kraft getretenen Plastikmüll-Änderungen des Umweltabkommens. Für Zollbeamte bedeutet das: Sie können verdächtige Container bereits anhand der sechsstelligen HS-Nummer identifizieren, ohne jede Sendung physisch prüfen zu müssen.
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Gezielte Regulierung von Einwegplastik
Doch die Reform denkt weiter: Erstmals erhalten auch bestimmte Einwegkunststoffprodukte eigene Zollcodes. Regierungen können so den Handel mit Trinkhalmen, Besteck oder To-go-Bechern präzise erfassen und gezielt regulieren – durch Importbeschränkungen oder erweiterte Herstellerverantwortung.
Für die Industrie hat diese Transparenz zwei Seiten. Einerseits erleichtert sie den legalen Handel mit hochwertigen Rezyklaten, die für eine echte Kreislaufwirtschaft unverzichtbar sind. Andererseits werden problematische Produktströme nun sichtbar. „Die neuen Daten werden zeigen, welche nationalen Plastikreduktions-Strategien wirklich wirken“, prognostiziert ein Handelsexperte.
Globale Gesundheit im Fokus
Nicht nur Umweltaspekte treiben die Reform an. Die Erfahrungen der Pandemie-Jahre haben zu strukturellen Änderungen bei Gesundheitsgütern geführt. HS 2028 führt erstmals eigene Positionen für Impfstoffe – getrennt nach human- und veterinärmedizinischer Verwendung – sowie für Krisenmaterial wie Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung ein.
Ein lange umstrittener Bereich erhält ebenfalls Klarheit: Die neue Position 21.07 für Nahrungsergänzungsmittel beendet jahrelange Zollstreitigkeiten an der Schnittstelle zwischen Lebensmitteln und Pharmaprodukten. Für Händler bedeutet das mehr Rechtssicherheit und schnellere Abfertigungszeiten.
Herausforderung für die Wirtschaft
Die Einführung bis Januar 2028 stellt Unternehmen vor erhebliche Anpassungen. Importeure und Exporteure von Kunststoffen müssen ihre gesamte Produktklassifizierung überprüfen und Stammdaten aktualisieren. Die Unterscheidung zwischen „gefährlich“ und „nicht gefährlich“ wird entscheidend – Fehlklassifizierungen könnten zu hohen Strafen oder Beschlagnahmungen führen.
Hintergrund des drängenden Zeitplans sind spektakuläre Fälle illegaler Müllverbringung. WCO-Operationen wie „DEMETER“ haben in den letzten Jahren tausende Tonnen illegalen Abfalls aufgespürt. Die neuen Codes sollen solche Praktiken bereits im Ansatz verhindern.
In den kommenden 24 Monaten stehen für die 185 WCO-Mitglieder nun Übersetzungstabellen und nationale Zolltarif-Anpassungen an. Für die Privatwirtschaft beginnt die Zeit der Lieferketten-Audits. In einer Welt, die Nachhaltigkeit zur Handelsfrage macht, wird HS 2028 zur fundamentalen Infrastruktur für den Ressourcenschutz.
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