Volkswagen-Vorzugsaktie, Rabatt

Volkswagen-Vorzugsaktie zwischen Rabatt und Risiko: Warum Anleger jetzt genauer hinschauen sollten

14.01.2026 - 12:24:17

Die Vorzugsaktie von Volkswagen bleibt ein zyklischer Dauerbrenner: schwächelndes China-Geschäft, Preisdruck im Elektroauto-Segment, hohe Dividende – und ein Bewertungsniveau wie im Ausverkauf.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen spiegeln derzeit den Zielkonflikt wider, in dem der Konzern steckt: Der Umbau in Richtung Elektromobilität und Software frisst Milliarden, gleichzeitig lasten schwächeres Wachstum in China, Preiskämpfe im E-Auto-Markt und konjunkturelle Sorgen auf der Stimmung. An der Börse resultiert daraus ein Kursbild, das eher nach Misstrauen als nach Euphorie aussieht – und genau darin sehen viele professionelle Investoren inzwischen eine Chance.

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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die Vorzugsaktien von Volkswagen eingestiegen ist, braucht starke Nerven – und einen langen Atem. Damals notierte die Volkswagen AG (Vz.) im Bereich von gut 115 Euro je Aktie im Xetra-Handel. Zuletzt lag der Kurs laut übereinstimmenden Angaben von Datenanbietern wie Börsenportalen und Finanznachrichtendiensten im Bereich von rund 110 bis 112 Euro (Xetra-Schlusskurs, jüngste verfügbare Referenz).

Damit steht über zwölf Monate hinweg ein leicht negatives Vorzeichen: Die Wertentwicklung beläuft sich grob auf ein Minus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Rein rechnerisch entspricht ein Rückgang von etwa 115 Euro auf rund 111 Euro einem Kursverlust von etwa 3 bis 4 Prozent. In einer Phase, in der zahlreiche Wettbewerber im Automobilsektor deutlich kräftigere Rückschläge hinnehmen mussten, wirkt das zunächst moderat – doch relativ zur zwischenzeitlich deutlich höheren Volatilität fühlt sich die Fahrt für Anleger deutlich holpriger an, als es diese nüchterne Zahl vermuten lässt.

Zwischenzeitlich war die Bandbreite erheblich: Auf Sicht von zwölf Monaten bewegte sich die Volkswagen-Vorzugsaktie in einem Spektrum von einem 52-Wochen-Tief im unteren dreistelligen Bereich bis zu einem Zwischenhoch im Bereich um die 140 Euro-Marke. Diese Spanne von mehreren Dutzend Prozent illustriert, wie stark kurzfristige Stimmungsumschwünge und Nachrichten zum Elektroauto-Geschäft, zur Konjunktur in Europa und China sowie zu regulatorischen Risiken den Kurs treiben.

Für Langfristinvestoren ist die nüchterne Bilanz aber differenzierter: Die eher schwache Kursentwicklung wird von einer üppigen Ausschüttung flankiert. Mit einer Dividendenrendite deutlich über dem Durchschnitt des DAX liefert die Volkswagen AG (Vz.) einen relevanten laufenden Ertrag, der einen Teil der Kursverluste ausgleicht. Wer also vor einem Jahr eingestiegen ist, mag sich über den Kurs allein nicht freuen – in Summe aus Kursentwicklung und Dividende ist die Bilanz jedoch nicht so düster, wie der reine Blick auf die Preislinie suggeriert.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den zurückliegenden Tagen und Wochen wurde der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktien vor allem von zwei Themenblöcken bewegt: der strategischen Ausrichtung im Elektroauto- und Softwaregeschäft sowie der operativen Entwicklung in den Kernmärkten, allen voran China und Europa.

Zum einen setzt Volkswagen den bereits angekündigten Kurs der Kostendisziplin mit Nachdruck um. Finanzmedien und Analystenberichte verweisen darauf, dass das Management weitere Effizienzprogramme im Volumen von mehreren Milliarden Euro über einige Jahre realisieren will. Ein erheblicher Teil der Einsparungen soll durch Straffung der Modellpalette, Reduzierung der Variantenvielfalt und eine stärkere Plattformstrategie im Fahrzeugbau erzielt werden. Für Anleger ist entscheidend, ob es dem Konzern gelingt, diese Maßnahmen umzusetzen, ohne die Markenattraktivität von VW, Audi, Škoda, Seat/Cupra und Porsche (Mehrheitsbeteiligung) zu verwässern.

Zum anderen stand das E-Auto-Portfolio im Fokus: Vor wenigen Tagen und Wochen berichteten mehrere internationale Medien über eine Abkühlung der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Europa und eine anhaltende Preisschlacht, insbesondere durch chinesische Hersteller und Tesla. Volkswagen reagiert mit Modellanpassungen, Preiskorrekturen und der Ankündigung, künftig stärker auf günstige E-Modelle im Volumensegment zu setzen. Der geplante Aufbau eigener Softwarekompetenz über die Konzerntochter CARIAD verläuft allerdings weiterhin holprig, was sich in Zeitverzögerungen bei neuen Fahrzeugplattformen niederschlägt.

Hinzu kommen geopolitische und handelspolitische Unsicherheiten, die gerade für einen global aufgestellten Exportkonzern wie Volkswagen relevant sind. Berichte über mögliche neue Zölle oder regulatorische Eingriffe gegenüber chinesischen Elektroautoherstellern in Europa und Gegenmaßnahmen aus Peking werden von Marktteilnehmern genau beobachtet. Denn Volkswagen ist zugleich stark vom China-Geschäft abhängig und potenziell Profiteur eines gewissen Schutzes der heimischen Märkte vor aggressiven Preisanbietern.

Operativ lief das klassische Verbrennergeschäft in Europa zuletzt stabil bis leicht rückläufig, während im Premiumsegment – vor allem bei Audi und über die Beteiligung an Porsche – die Margen solide blieben. Analysten betonen jedoch, dass die Margenstärke der vergangenen Jahre im Massenmarkt nur schwer zu halten sein dürfte, wenn der Preisdruck im E-Auto-Segment anhält und zusätzliche Investitionen in Batterietechnologie und Software gestemmt werden müssen.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die jüngsten Analystenstimmen zur Volkswagen AG (Vz.) zeichnen ein geteiltes Bild: Einerseits sehen viele Häuser die Aktie als massiv unterbewertet an, gemessen an klassischen Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Andererseits warnen sie vor strukturellen Risiken im Transformationsprozess des Konzerns.

In den vergangenen Wochen haben mehrere große Banken und Analysehäuser ihre Einschätzungen aktualisiert. Ein großer US-Investmentbanker, dessen Einschätzung in Finanzportalen breit rezipiert wurde, hält an einer Kaufempfehlung für die Volkswagen-Vorzugsaktien fest. Das Kursziel liegt dabei deutlich über dem aktuellen Kursniveau und impliziert ein zweistelliges Aufwärtspotenzial. Zur Begründung wird vor allem auf die hohe Substanz des Konzerns verwiesen: ein diversifiziertes Markenportfolio von Volumen bis Luxus, starke Marktpositionen in Europa und China sowie ein umfangreicher Beteiligungsbesitz, etwa an Porsche und Traton.

Eine große deutsche Großbank, die den Wert in regelmäßigen Intervallen bewertet, hat ihre Einschätzung hingegen zuletzt auf "Halten" belassen und das Kursziel nur moderat angepasst. Sie argumentiert, dass der Markt zurecht einen Risikoabschlag auf den Konzern anlegt, solange die visiblen und stabilen Gewinne aus dem Verbrennergeschäft schneller zurückgehen, als die Profitabilität im Elektro- und Softwarebereich entsteht. Zudem sei der Kapitalbedarf für Fabriken, Batteriewerke und Software-Entwicklung hoch, was die freie Liquidität belaste.

Auch andere Analysehäuser, darunter große französische und britische Investmentbanken, positionieren sich im Spektrum zwischen "Übergewichten" und "Neutral". Der grobe Konsens lässt sich so zusammenfassen: Der aktuelle Bewertungsabschlag gegenüber anderen globalen Autoherstellern, insbesondere im Premiumsegment, sei auf mittlere Sicht nicht gerechtfertigt, sofern Volkswagen die eigene Transformationsagenda konsequent umsetze. Mehrere Kursziele liegen spürbar über dem jüngsten Kursniveau und deuten auf ein Potenzial im Bereich von 20 bis 40 Prozent hin, wobei die Bandbreite der Schätzungen hoch ist.

Das Sentiment der Analysten lässt sich damit als verhalten positiv, aber klar risikobewusst beschreiben. Nur wenige Häuser sprechen explizite Verkaufsempfehlungen aus; sie verweisen überwiegend auf die Gefahr, dass der globale Automarkt strukturell in eine Phase geringeren Wachstums eintreten könnte, während gleichzeitig neue Wettbewerber, gerade aus China, an Marktanteilen gewinnen. Für den Konzern bedeutet dies: Die operative Umsetzung der Strategie wird zum entscheidenden Katalysator, ob sich die aktuell aus Analystensicht attraktive Bewertung tatsächlich in Kursgewinne übersetzt.

Ausblick und Strategie

Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Ist die Volkswagen AG (Vz.) ein klassischer Zykliker mit strukturellem Gegenwind, oder überwiegen am Ende die Chancen eines tiefgreifenden Konzernumbaus? Der Blick nach vorn fällt komplex aus – Chancen und Risiken sind eng miteinander verwoben.

Auf der Chancen-Seite steht zunächst die extreme Bewertungsposition: Im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern wird die Vorzugsaktie mit einem deutlichen Abschlag gehandelt. Aus Value-Perspektive wirkt dies attraktiv, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass der Konzern mit einem breit diversifizierten Markenportfolio aufgestellt ist und mit Audi, Porsche (Beteiligung) und Bentley über starke Premium- und Luxusmarken verfügt, die üblicherweise auch in schwierigeren Konjunkturphasen überdurchschnittliche Margen erzielen.

Hinzu kommt, dass Volkswagen in der Elektromobilität trotz aller Probleme bereits auf beachtliche Stückzahlen kommt und in mehreren europäischen Ländern zu den Marktführern gehört. Geplante neue E-Modelle im Volumensegment sollen helfen, die Produktionsauslastung zu sichern und Skaleneffekte zu heben. Zudem arbeitet der Konzern an einer einheitlichen, skalierbaren Elektro-Plattform und an eigenen Batteriewerken. Gelingt es, die Kosten pro Fahrzeug signifikant zu senken und gleichzeitig die Produktattraktivität hoch zu halten, könnte sich der derzeitige Margendruck mittelfristig spürbar entspannen.

Eine weitere strategische Stoßrichtung ist der Ausbau des Software- und Dienstleistungsgeschäfts. Hier will Volkswagen mittelfristig vom reinen Fahrzeugverkäufer zum Anbieter digitaler Mobilitätslösungen werden – inklusive Software-Updates "over the air", vernetzter Dienste und datenbasierter Geschäftsmodelle. Derzeit steht dieses Feld allerdings noch am Anfang: Verzögerungen bei der Software-Tochter CARIAD und die technische Komplexität haben den Zeitplan bereits mehrfach durcheinandergebracht. Die Kapitalmärkte warten nun auf konkrete Belege, dass die neuen Plattformen zuverlässig und marktreif werden und sich in verbesserten Margen widerspiegeln.

Auf der Risiko-Seite stehen mehrere Baustellen: Die hohe Abhängigkeit vom chinesischen Markt macht Volkswagen anfällig für konjunkturelle Schwankungen und politische Spannungen. Sollte sich der dortige Wettbewerb weiter verschärfen, könnten Preisnachlässe und Investitionszwang die Profitabilität belasten. Gleichzeitig ist in Europa mit einer Normalisierung der Nachfrage nach der starken Erholungsphase nach der Pandemie zu rechnen – sprich: weniger Rückenwind von aufgestauter Nachfrage, mehr Preisdruck im Tagesgeschäft.

Auch regulatorisch könnten zusätzliche Kosten drohen: Strengere CO?-Vorgaben, potenzielle Strafzahlungen bei Verfehlung von Flottenzielen und die Notwendigkeit weiterer Investitionen in saubere Antriebstechnologien drücken auf die Margenaussichten. Für Investoren ist hierbei entscheidend, ob Volkswagen seine Größenvorteile voll ausspielen kann, um diese Kosten besser zu schultern als kleinere Wettbewerber.

Für die kommenden Monate zeichnet sich daher ein zweigleisiges Szenario ab: Kurzfristig dürfte der Kurs stark nachrichtengetrieben bleiben – sowohl von Absatz- und Margendaten als auch von politischen Entwicklungen im Handelsumfeld. Mittelfristig rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob der Konzern glaubhaft zeigen kann, dass sich die gewaltigen Investitionen in Elektromobilität und Software in bessere Renditen übersetzen.

Strategisch orientierte Anleger könnten die Volkswagen-Vorzugsaktie als Turnaround- beziehungsweise Transformationsinvestment betrachten: Die Bewertung signalisiert bereits viel Skepsis, die Dividendenrendite sorgt für einen gewissen Puffer. Wer einsteigt, setzt jedoch darauf, dass das Management die Komplexität des Konzerns reduziert, Investitionen fokussiert und gleichzeitig die Markenstärke bewahrt. Kurzfristige Kursschwankungen und Rückschläge bei Projekten müssen dabei einkalkuliert werden.

Für konservativere Investoren bleibt es ratsam, die Entwicklung der Verschuldung, der freien Cashflows und der Dividendenpolitik im Auge zu behalten. Gelingt es Volkswagen, trotz hoher Investitionen einen robusten Mittelzufluss sicherzustellen und die Ausschüttung auf attraktivem Niveau zu halten, könnte das Vertrauen des Marktes allmählich zurückkehren. Dann hätte die Volkswagen AG (Vz.) die Chance, sich vom derzeitigen Bewertungsabschlag Stück für Stück zu lösen – vorausgesetzt, der Konzern liefert nicht nur ambitionierte Ankündigungen, sondern auch belastbare operative Ergebnisse.

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