Vodafone, Europas

Vodafone warnt: Europas digitale Infrastruktur ist ungeschützt

19.01.2026 - 07:14:12

Vodafone fordert in einem neuen Bericht, digitale Konnektivität als strategische Verteidigungssäule anzuerkennen und kritisiert die chronische Unterfinanzierung der Netze in Europa.

Die digitale Infrastruktur Europas ist ein strategisches Sicherheitsrisiko. Zu diesem alarmierenden Urteil kommt der Telekommunikationsriese Vodafone in einem neuen Bericht. Darin fordert das Unternehmen einen radikalen Kurswechsel: Die Netze müssen endlich als zentrale Verteidigungssäule anerkannt und entsprechend geschützt werden.

Eine gefährliche Unterschätzung

Der am 18. Januar 2026 veröffentlichte Report „Secure Connectivity: The New Strategic Pillar of European Defence“ stellt eine klare Diagnose: Die Abhängigkeit von digitalen Netzen für Energieversorgung, Finanzmärkte und Militäroperationen ist enorm – ihre Absicherung jedoch sträflich vernachlässigt. Die Politik behandle Konnektivität noch immer wie eine billige Ware, nicht wie das strategische Asset, das sie längst sei.

Diese Lücke zwischen Bedeutung und Investitionen mache Bürger, Demokratie und kritische Dienste angreifbar. Der Ukraine-Krieg zeige dabei zweierlei: wie widerstandsfähige Netze die Verteidigungsfähigkeit stärken – und wie sehr sie im Ernstfall belastet werden können.

Die wachsende Kluft zu USA und China

Kern des Problems ist eine chronische Unterfinanzierung. Marktkräfte allein reichen laut Vodafone nicht aus, um die nötige Resilienz und Redundanz zu schaffen. Das Ergebnis ist ein „alarmierender ‘Connectivity Gap’“ gegenüber den USA und China, besonders beim Ausbau von 5G Standalone (5G SA).

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Die Folgen gehen weit über langsamere Downloads hinaus. Europa verliert den Anschluss in Schlüsselbereichen wie Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit, die auf leistungsstarke Netze angewiesen sind. Ohne eine sichere, moderne Infrastruktur drohe ein dauerhaftes strategisches Defizit und der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Souveränität.

Fünf Forderungen für einen Kurswechsel

Vodafone legt einen klaren Aktionsplan vor. Erstens: Sichere Konnektivität muss in nationalen Sicherheitsstrategien sowie in EU- und NATO-Planungen als strategisches Gut verankert werden. Zweitens: Ständige Kooperationsmechanismen zwischen Regierungen, Netzbetreibern und Verbündeten für Krisenreaktion und Informationsaustausch sind nötig – zum Schutz von Unterseekabeln, Satelliten und Cyberabwehr.

Drittens fordert der Konzern zielgerichtete Anreize und innovationsfreundliche Regulierung, um Investitionen in Netzschutz und redundante Systeme zu beschleunigen. Die Branche verweist auf eine geschätzte Finanzierungslücke von 2,5 Billionen Euro für Klima- und Digitalziele bis 2030. Viertens soll eine Politik der „strategischen Offenheit“ mit vertrauenswürdigen Partnern wie Großbritannien die Technologieentwicklung vorantreiben. Fünftens sind Investitionen in digitale Bildung entscheidend, um die Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Desinformation zu machen.

Digitale Souveränität auf dem Prüfstand

Der Vorstoß kommt zur richtigen Zeit. Europa ringt mit der Umsetzung strenger Regularien wie der NIS2-Richtlinie, die die Resilienz-Anforderungen für kritische Sektoren massiv ausweitet. Telekommunikationsnetze gelten inzwischen formal als kritische Infrastruktur – mit hohen Auflagen und empfindlichen Strafen bei Verstößen.

Doch die wirtschaftliche Lage der Netzbetreiber ist angespannt. Während sie das digitale Rückgrat der Wirtschaft bilden, profitieren oft globale Tech-Giganten von ihrer Infrastruktur. Diese finanzielle Schiebelage erschwert die gewaltigen Investitionen, die für eine Modernisierung nötig wären. Die Debatte dreht sich nicht mehr nur um den Ausbau, sondern um sichere, widerstandsfähige und souveräne Netze.

Die Weichen für die nächste EU-Kommission

Vodafones Forderungen werden die politische Agenda der nächsten Europäischen Kommission maßgeblich beeinflussen. Die Wahl ist klar: Weitermachen wie bisher und weiteren wirtschaftlichen Niedergang sowie größere Sicherheitslücken riskieren – oder einen neuen, investitionsfreundlichen Rahmen schaffen.

Der Weg dorthin führt über eine starke öffentlich-private Partnerschaft. Dazu gehören der zielgerichtete Einsatz von EU-Fördermitteln, eine Regulierung, die Konsolidierung und Skaleneffekte ermöglicht, und klare Krisenreaktionspläne. Die Sicherheit der vernetzten Zukunft Europas hängt davon ab, ob seine Entscheidungsträger die digitale Lebensader endlich als das behandeln, was sie ist: die unverzichtbare erste Verteidigungslinie.

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