Vitamin-D-Pillen, Schlaf-Gummies

Vitamin-D-Pillen und Schlaf-Gummies: Die versteckte Gefahr im Winter-Regal

29.11.2025 - 20:21:12

Über 12.600 neue Nahrungsergänzungsmittel fluten 2024 den deutschen Markt – ohne Sicherheits-TÜV. Während Millionen zur Erkältungssaison nach Vitamin-Präparaten greifen, warnen Verbraucherschützer vor gefährlichen Überdosierungen und versteckten Giftstoffen.

Der Trugschluss klingt harmlos: Im Winter fehlt Sonne, also schnell hochdosiertes Vitamin D schlucken. Doch was nach gesunder Vorsorge aussieht, kann Nieren zerstören. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt maximal 800 Einheiten täglich – im Netz kursieren Präparate mit 20.000 Einheiten. Die Folge: Hyperkalzämie, Nierensteine, im Extremfall Nierenversagen.

„Verbraucher wiegen sich in falscher Sicherheit, weil sie glauben, Vitamine seien per se harmlos”, warnen Experten aktuell. Besonders kritisch: Kombinierte „Winter Energy Sets” erhöhen das Risiko unvorhersehbarer Wechselwirkungen.

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Die Zahl schockiert: Bis Oktober 2024 wurden in Deutschland über 12.600 neue Nahrungsergänzungsmittel registriert. Das fundamentale Problem dahinter: Diese Produkte durchlaufen keine behördliche Zulassung.

Anders als Arzneimittel müssen Nahrungsergänzungsmittel lediglich angezeigt werden. Keine Wirksamkeitsprüfung, keine Sicherheitskontrolle vor Markteinführung. Hersteller tragen die Verantwortung selbst – Behörden können erst eingreifen, wenn Produkte bereits verkauft werden und Beschwerden auftreten.

Dieser Wildwuchs öffnet bedenklichen Dosierungen und fragwürdigen Zutaten Tür und Tor. Oft vergehen Monate, bis Rückrufe erfolgen.

Giftalarm bei Detox-Kapseln und Pflanzenextrakten

Die aktuellen Rückrufe im November zeigen die reale Gefahr:

Schlankmacher mit Herzinfarkt-Risiko: In „Detox”-Kapseln wie Chebbi Chekib, die über Social Media massiv beworben wurden, fanden Labore den verbotenen Arzneistoff Sibutramin. Dieser Appetitzügler erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle massiv – weshalb er weltweit vom Markt genommen wurde.

Krebserregende Mariendistel: Bei Mariendistel-Produkten (Ostropest plamisty) wurden extrem hohe Werte von Pyrrolizidinalkaloiden nachgewiesen. Diese natürlichen Pflanzeninhaltsstoffe schädigen die Leber und gelten als krebserregend.

Der Trend-Wirkstoff Ashwagandha steht ebenfalls unter Beobachtung. Dänemark hat bestimmte Produkte bereits verboten, in Deutschland mehren sich Berichte über Leberschäden. Die Rufe nach strengeren Warnhinweisen werden lauter.

Wenn Fruchtgummis zum Hormon-Cocktail werden

Melatonin-Gummies boomen – und besorgen Kinderärzte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt eindringlich: Diese Schlaf-Gummies verharmlosen ein hormonell wirksames Mittel zur Süßigkeit.

Während Melatonin lange rezeptpflichtig war, sind niedrig dosierte Produkte jetzt frei verkäuflich. Kritisch wird es, wenn sich Hersteller gezielt an Kinder richten oder die Fruchtgummi-Form zum übermäßigen Verzehr verleitet.

Die Folgen einer Überdosierung: gestörter Hormonhaushalt, Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit. Der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus gerät durcheinander.

Influencer-Marketing überholt Verbraucherschutz

Die Lücke zwischen Marktdynamik und Regulierung klafft weit auseinander. Auf TikTok und Instagram werden Nahrungsergänzungsmittel als Lifestyle-Produkte inszeniert – die Grenze zwischen Nahrung und Medizin verschwimmt.

Das systemische Problem: Während die EU an einheitlichen Höchstmengen arbeitet, nutzen Hersteller die Grauzone aus. Ein in Deutschland als zu hoch dosiert geltendes Produkt lässt sich oft legal aus dem EU-Ausland bestellen. Die Überwachungsbehörden kommen mit Kontrollen schlicht nicht hinterher.

Beispiel Vitamin B6: Das BfR senkte die empfohlene Höchstmenge 2024 auf nur noch 0,9 mg täglich, um Nervenschäden vorzubeugen. Im Online-Handel finden sich Produkte mit einem Vielfachen dieser Dosis.

Was sich 2025 ändern könnte

Für das kommende Jahr zeichnen sich strengere Regeln ab. Die Diskussion um verbindliche EU-weite Höchstmengen gewinnt an Fahrt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat seine Empfehlungen bereits verschärft.

Doch bis einheitliche Standards greifen, bleiben Verbraucher auf sich gestellt. Der sicherste Weg bleibt der Gang zum Arzt für ein Blutbild. Nur ein nachgewiesener Mangel rechtfertigt hochdosierte Präparate.

Der vermeintliche Winter-Boost aus der Dose ist entweder teurer Urin – oder, wie die aktuellen Fälle zeigen, ein echtes Gesundheitsrisiko.

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