Vietnams Rekord-Exporte unter Druck der EU-Waldverordnung
20.01.2026 - 01:32:12Vietnams Agrarsektor feiert einen historischen Exportrekord – doch der Erfolg droht am strengen EU-Umweltgesetz zu scheitern. Trotz einer verlängerten Frist bleibt der Anpassungsdruck hoch.
Hanoi. Mit einem Exportvolumen von rund 70,09 Milliarden US-Dollar (etwa 64 Mrd. Euro) hat Vietnams Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft 2025 einen neuen Rekord aufgestellt. Das entspricht einem kräftigen Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angeführt wurde das Wachstum von Schlüsselsektoren wie Holzprodukten, Kaffee und Obst. Doch dieser beispiellose Erfolg hat einen bitteren Beigeschmack: Er erhöht den Druck auf die Exporteure, sich auf die strengen Vorgaben der neuen EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vorzubereiten. Die Dringlichkeit bleibt, obwohl Brüssel die Frist für die Einhaltung offiziell bis Ende 2026 verschoben hat.
EU-Frist verschoben, Kernpflichten bleiben
Im Dezember 2025 haben der Europäische Rat und das Parlament eine einjährige Atempause beschlossen. Große und mittlere Unternehmen müssen die Vorschriften nun bis zum 30. Dezember 2026 umsetzen, Kleinst- und Kleinunternehmen haben bis Mitte 2027 Zeit.
Passend zum Thema EU‑Entwaldungsverordnung: Vietnamesische Exporteure müssen künftig lückenlos nachweisen, dass Rohstoffe nicht von nach dem 31.12.2020 entwaldeten Flächen stammen – andernfalls drohen Marktverluste in der EU. Ein kostenloses E‑Book erklärt praxisnah die neuen Prüf‑ und Sorgfaltspflichten, zeigt, wie Sie Lieferketten bewerten und welche Dokumente Prüfern genügen. Ideal für Exporteure, Zoll- und Compliance-Verantwortliche. Jetzt kostenlosen E‑Book‑Download & Checkliste sichern
Die Verschiebung ist eine Reaktion auf praktische Hürden: Das zentrale IT-System der EU ist noch nicht fertig, und der bürokratische Aufwand für Unternehmen weltweit ist enorm. Doch die Kernanforderungen der Verordnung gelten unverändert weiter. Exporteure von Rohstoffen wie Kaffee, Kautschuk, Holz, Kakao, Soja und Rindfleisch sowie daraus hergestellten Produkten wie Möbeln müssen lückenlos nachweisen, dass ihre Waren nicht von Flächen stammen, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden. Dafür sind präzise Geolokalisierungsdaten der Anbauflächen und umfangreiche Sorgfaltsprüfungen nötig.
Boomender Markt macht Anpassung zur Überlebensfrage
Die Rekordzahlen unterstreichen, warum die Einhaltung der EUDR für Vietnam wirtschaftlich überlebenswichtig ist. Allein der Holzsektor steuerte 2025 zwischen 17 und 18,5 Milliarden US-Dollar zum Export bei. Kaffee sowie Obst und Gemüse folgten mit jeweils rund 8,6 Milliarden US-Dollar.
Die Europäische Union ist ein strategischer Absatzmarkt. Dank des EU-Vietnam-Freihandelsabkommens (EVFTA) stiegen die Exporte in die Region in den ersten acht Monaten 2025 um 8,4 Prozent auf 36,9 Milliarden US-Dollar. Den Zugang zu diesem Markt zu erhalten, ist für Tausende Unternehmen und Millionen Landwirte im Land entscheidend. Die EUDR-Compliance wurde so zur nationalen Priorität.
Vietnams Vorstoß für mehr Transparenz
Die vietnamesische Regierung, vor allem das Landwirtschaftsministerium (MARD), nutzt die verlängerte Frist als Chance, die Vorbereitungen zu beschleunigen. Ein nationaler Aktionsplan soll die Akteure entlang der Lieferketten unterstützen.
Ein wichtiger Schritt gelang im Dezember 2024 mit der Einführung eines Pilot-Datenbanksystems für Wald- und Kaffeeanbauflächen. Diese öffentlich-private Partnerschaft soll ein robustes Rückverfolgbarkeitssystem schaffen und später auf den Kautschuksektor ausgeweitet werden. Die EU-Kommission honoriert die Bemühungen: Sie stufte Vietnam im Mai 2025 als Land mit „geringem Risiko“ ein. Das bedeutet vereinfachte Sorgfaltspflichten und niedrigere Kontrollquoten von etwa einem Prozent – ein Wettbewerbsvorteil, der jedoch nicht von der grundsätzlichen Pflicht zur Datenerhebung befreit.
Fragmentierte Landwirtschaft als größte Hürde
Für Vietnam ist die EUDR eine gewaltige Herausforderung, aber auch eine Chance. Das größte Problem liegt in der kleinteiligen Struktur der Landwirtschaft. Besonders bei Kaffee bewirtschaften rund 600.000 Kleinbauernfamilien oft winzige Parzellen. Die Erfassung von Geolokalisierungsdaten von Tausenden dieser Flächen und ihre Einbindung in komplexe globale Lieferketten erfordert massive Investitionen in Technologie und Schulungen.
Gleichzeitig bietet die Verordnung die Möglichkeit, den Wert und die Glaubwürdigkeit vietnamesischer Produkte auf dem Weltmarkt zu steigern. Kann das Land transparente und nachhaltige Lieferketten aufbauen, positioniert es sich als führender Anbieter für entwaldungsfreie Waren – und spricht damit die wachsende Zahl anspruchsvoller, umweltbewusster Verbraucher an.
Keine Pause, sondern ein kritisches Zeitfenster
Die einjährige Verlängerung ist keine Auszeit. Sie ist ein kritisches Zeitfenster, um die Pilotprojekte zur Rückverfolgbarkeit in landesweite Systeme zu überführen. Der Fokus liegt nun darauf, digitale Tools flächendeckend einzuführen, die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft zu stärken und sicherzustellen, dass auch die kleinsten Produzenten nicht abgehängt werden.
Bis zum 30. April 2026 wird die EU-Kommission die Auswirkungen der Verordnung überprüfen, was zu weiteren Vereinfachungen führen könnte. Die Botschaft an Vietnams Exporteure und Behörden ist klar: Das rekordverdächtige Wachstum muss mit einem unermüdlichen Bekenntnis zu Nachhaltigkeit einhergehen. Nur so sichert sich das Land langfristig einen Platz in den grünen Lieferketten der Zukunft.
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