Vietnams, Doppelstrategie

Vietnams Doppelstrategie: Europäische Investoren und eigene Chip-Fabriken

04.02.2026 - 10:52:12

Vietnam positioniert sich mit europäischen Investitionen und eigenen Chipfabriken als neuer globaler Player in Halbleitern und KI. Die nationale Strategie zielt auf technologische Souveränität und zweistelliges Wachstum.

Vietnam drängt mit europäischem Kapital und eigenen Fabriken in die globale Spitzentechnologie. Das Land will zum KI- und Halbleiter-Schwergewicht aufsteigen.

Hanoi – Der südostasiatische Staat setzt alles auf eine Karte: Innerhalb weniger Tage positioniert er sich mit einer Doppelstrategie aus ausländischen Investitionen und heimischen Großprojekten als neuer Player in den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Nach einem Gipfeltreffen mit europäischen Wirtschaftslenkern am Dienstag laufen gleichzeitig die Bauarbeiten für die ersten vollwertigen vietnamesischen Chipfabriken an.

Europäer setzen auf Vietnams High-Tech-Strategie

Eine hochrangige Delegation europäischer, insbesondere schweizerischer, Konzernchefs sagte am 3. Februar in Hanoi langfristige Investitionen zu. Im Fokus stehen die Bereiche Halbleiter, Künstliche Intelligenz (KI), Biotechnologie und Finanzwesen. Die Gespräche mit Premierminister Pham Minh Chinh drehten sich um die Diversifizierung globaler Lieferketten.

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„Vietnam ist ein attraktiver Standort für Hochtechnologie“, so das Signal der europäischen Seite. Die Regierung in Hanoi lockt mit massiven Anreizen für ausländische Direktinvestitionen. Sie peilt ab diesem Jahr ein zweistelliges Wirtschaftswachstum an. Ein zentrales Problem bleibt jedoch der Fachkräftemangel. Bis 2030 will das Land bis zu 100.000 Halbleiter-Ingenieure ausbilden – hier erwarten die Europäer konkrete Fortschritte.

FPT und Viettel starten eigene Chip-Produktion

Während ausländisches Kapital anlockt, bauen Vietnams heimische Technologie-Riesen parallel ihre eigene Infrastruktur aus. Die Botschaft ist klar: Man will nicht nur Zulieferer, sondern souveräner Akteur werden.

Die FPT Corporation errichtet im Industriegebiet Yen Phong II-C eine moderne Anlage für das Testen und Verpacken von Halbleitern. Diese „Advanced Semiconductor Testing and Packaging Plant“ ist die erste ihrer Art in vietnamesischer Hand. Ab 2026 soll hier in Phase 1 die Produktion hochwertiger Chips für das Internet der Dinge (IoT) und die Automobilindustrie anlaufen. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2030 will FPT Milliarden von Bauteilen pro Jahr verarbeiten.

Noch einen Schritt weiter geht der staatliche Telekommunikationsriese Viettel. Im Hoa Lac Hi-Tech Park in Hanoi begann im Januar der Bau der ersten vietnamesischen Chip-Fabrik (Fab). Diese Fab soll den kompletten Prozess vom Design bis zur Fertigung abdecken. Beide Projekte sind Säulen der nationalen „C = SET + 1“-Strategie, die auf Chips, spezialisierte KI und Elektronik-Ökosysteme setzt.

Neue KI-Gesetze sollen globale Talente locken

Der Investitionsschub kommt zur rechten Zeit. Ab dem 1. März 2026 tritt das neue Gesetz über Künstliche Intelligenz in Kraft. Es ist Teil einer nationalen KI-Strategie bis 2030, mit der Vietnam unter die Top-3-Forschungsstandorte in Südostasia aufsteigen will.

Die Regulierung soll klare Rahmenbedingungen für Datenschutz, ethische KI-Entwicklung und geistiges Eigentum schaffen. „Die Anreize für Hochtechnologie-Forschung sind entscheidend, um globales Talent und Kapital anzuziehen“, betonte Vize-Minister Vu Hai Quan. Konzerne wie Nvidia kooperieren bereits intensiv mit vietnamesischen Universitäten und bauen Forschungszentren vor Ort aus.

Parallel treibt die Regierung den Aufbau nationaler Datenbanken voran. Diese sind die Grundlage für leistungsfähige KI-Modelle in Schlüsselsektoren wie Pharmazie und Landwirtschaft – genau jenen Bereichen, die auch die europäischen Investoren interessieren.

Analyse: Vom Billiglohnland zur Innovationsdrehscheibe

Experten deuten die jüngsten Entwicklungen als Zeichen für einen gelungenen Strategiewechsel. Vietnam wandelt sich vom einfachen „China-plus-one“-Produktionsstandort zu einer eigenständigen Innovationsdrehscheibe.

Die Synchronisation von Politik und Infrastruktur überzeugt langfristige Investoren. FPTs Einstieg über das Testen und Verpacken von Chips (OSAT) ist klug gewählt: Die Eintrittshürden sind niedriger als bei der Chip-Fertigung, die Wertschöpfung aber bereits signifikant. Dieser Weg hat sich in anderen asiatischen Tigerstaaten bewährt.

Die größte Hürde bleibt die Qualifikation der Arbeitskräfte. Die ambitionierten Ausbildungsziele erfordern eine rasche Modernisierung der Lehrpläne. Die Partnerschaften mit Nvidia und europäischen Firmen werden entscheidend sein, um die Lücke zu schließen, bevor die neuen Fabriken voll anlaufen.

Der März wird zur Bewährungsprobe. Dann zeigt sich, ob die neuen KI-Gesetze praktikabel sind und die bürokratischen Verfahren tatsächlich schlanker werden – eine zentrale Forderung der europäischen Delegation. Gelingt dies und halten die Bauprojekte von FPT und Viettel ihren Zeitplan, könnte Vietnam bis 2030 zu einem unverzichtbaren Knotenpunkt in der globalen Tech-Lieferkette aufsteigen.

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