Vietnams, Doppelschlag

Vietnams Doppelschlag: Datenschutz und KI-Gesetz treten in Kraft

18.01.2026 - 04:22:12

Vietnam führt ab 2026 ein strenges Datenschutzgesetz und ein risikobasiertes KI-Gesetz ein. Das Land positioniert sich damit als regulierter und sicherer Standort für die globale Tech-Industrie.

Vietnam eröffnet 2026 mit einem Paukenschlag für die digitale Souveränität. Seit dem 1. Januar gilt ein strenges Datenschutzgesetz, dem am 1. März eines der weltweit ersten umfassenden Künstliche-Intelligenz-Gesetze folgen wird. Die südostasiatische Nation will sich damit als regulierter und sicherer Standort für die globale Tech-Industrie positionieren.

Datenschutz als Bürgerrecht: Ein Paradigmenwechsel

Das neue Personal Data Protection Law (PDPL) markiert einen radikalen Kurswechsel. Bisherige Grundsatzregeln werden durch konkrete, durchsetzbare Compliance-Pflichten ersetzt. Herzstück sind erstmals verbriefte Grundrechte der Bürger: Sie müssen über die Nutzung ihrer Daten informiert werden, können ihre Einwilligung jederzeit widerrufen und haben Anspruch auf Auskunft, Berichtigung und Löschung.

Für Unternehmen bedeutet das eine Kehrtwende. Das Modell der maximalen Datennutzung weicht der Pflicht zum verantwortungsvollen Umgang. Technologiekonzerne und datengetriebene Firmen müssen Datensicherheit nun gleichrangig mit Profitinteressen behandeln. Der Schutz personenbezogener Daten wird vom Annex des Privatsphärenrechts zu einem eigenständigen Recht aufgewertet. Vietnam folgt damit einem globalen Trend.

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Pionier in der KI-Regulierung: Risiko statt Verbote

Auf das Datenschutzfundament setzt Vietnam ab März mit seinem KI-Gesetz auf. Es zielt auf einen Balanceakt: Risiken kontrollieren, ohne Innovation zu ersticken. Statt starrer Klassifizierungen, die schnell veralten, setzt der Gesetzgeber auf ein risikobasiertes Management. Systeme, die als „hochriskant“ eingestuft werden, müssen formelle Assessments durchlaufen. Die finale Liste genehmigt der Premierminister.

Die Philosophie ist menschenzentriert: KI soll dem Menschen dienen, nicht ihn ersetzen. Kritische Entscheidungsprozesse unterliegen einer menschlichen Aufsichtspflicht. Um heimische Innovation zu fördern, schafft das Gesetz einen nationalen KI-Entwicklungsfonds, Gutscheinprogramme für Start-ups und regulatorische Sandboxes zum Testen sensibler Anwendungen. Bestehende KI-Systeme haben eine zwölfmonatige Übergangsfrist zur Anpassung.

Gesamtpaket für die digitale Transformation

Die Regulierungswelle ist ganzheitlich angelegt. Ein im Dezember 2025 verabschiedetes, geändertes Urheberrechtsgesetz tritt am 1. April in Kraft. Es klärt die Schnittstelle von KI und Schöpferrechten: Rein autonom von KI generierte Werke ohne wesentlichen menschlichen kreativen Beitrag genießen keinen Urheberschutz. Die Nutzung rechtmäßig veröffentlichter Texte und Daten für KI-Training und Forschung ist dagegen erlaubt, sofern Rechteinhaber nicht unangemessen geschädigt werden.

Ergänzt wird das durch ein novelliertes Hochtechnologiegesetz. Es bündelt Förderanreize für strategische Technologien wie KI und Halbleiter – von Investitionen über öffentliche Beschaffung bis zur Personalentwicklung. Das Ziel ist klar: Vietnam will in der globalen Wertschöpfungskette von der Montage hin zu höherwertiger Forschung und Entwicklung aufsteigen.

Reaktion auf Datenkriminalität und globalen Wettbewerb

Der regulatorische Big Bang ist eine direkte Antwort auf innere Herausforderungen und äußere Chancen. Innenpolitisch kämpften Behörden mit einem florierenden illegalen Datenhandel. Allein im ersten Halbjahr 2025 bearbeiteten Ermittler Dutzende Fälle mit über 100 Millionen illegal gehandelten Datensätzen. Das neue Rechtsfundament soll digitales Vertrauen in der Bevölkerung schaffen.

Nach außen will Vietnam ein verlässlicher Ankerpunkt für die global vernetzte Tech-Branche werden. Während viele Staaten noch über KI-Regeln diskutieren, bietet das Land mit seiner proaktiven Gesetzgebung Planungssicherheit. Das könnte Investoren anlocken, die in der EU oder den USA mit langwierigen Debatten und uneinheitlichen Regelungen konfrontiert sind.

Die Wirtschaft wartet nun auf einen Durchführungsdekret, der im ersten Halbjahr 2026 die konkreten Bußgelder und Sanktionen für Datenschutzverstöße festlegen soll. Mit seinem regulatorischen Doppelschlag stellt Vietnam klar: Es will nicht nur mitregulieren, sondern die Regeln für sein digitales Zeitalter aktiv mitgestalten.

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