Videosprechstunden, Krisen-Anlaufstelle

Videosprechstunden werden zur neuen Krisen-Anlaufstelle

05.01.2026 - 20:01:12

Digitale Akutversorgung für psychische Gesundheit etabliert sich durch Deregulierung und ersetzt gestrichene physische Kioske. Videogespräche senken die Hemmschwelle für Patienten.

Videosprechstunden lösen gescheiterte Gesundheitskioske als psychische Ersthilfe ab. Das zeigen aktuelle Zahlen und Modellprojekte zu Jahresbeginn. Die digitale Akutversorgung etabliert sich als Reaktion auf den Fachkräftemangel und lange Wartezeiten.

Digitaler Ersatz für gestrichene Kioske

Die ursprünglich geplanten 1.000 physischen Gesundheitskioske fielen im finalen Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) dem Rotstift zum Opfer. Statt in Beton und Wartezimmer fließt die Versorgungskapazität nun in zertifizierte Videodienste. Treibende Kraft sind weitreichende Deregulierungen, die seit 2025 greifen.

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Starre Obergrenzen für Videosprechstunden wurden flexibilisiert. Entscheidende Barrieren für den digitalen Erstkontakt sind gefallen. Gesundheitspolitische Beobachter werten dies als pragmatische Antwort auf die Versorgungslücke.

Videogespräch statt Praxis-Pflicht

Die wichtigste Neuerung: Psychotherapeutische Sprechstunden und probatorische Sitzungen sind jetzt auch per Video möglich. Bis Ende 2024 war der persönliche Erstkontakt in der Praxis oft noch Pflicht – eine hohe Hürde für Menschen in akuten Krisen.

Seit der Anpassung der Verträge können Therapeuten nun auch unbekannte Patienten digital empfangen. Das ermöglicht eine bundesweite Verteilung von Kapazitäten. Ein Patient auf dem Land kann so eine Akutsprechstunde in der Großstadt wahrnehmen, ohne das Haus zu verlassen.

Berufsverbände berichten von einem positiven Effekt: Die „No-Show-Rate“ bei Erstgesprächen ist signifikant gesunken. Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, liegt nun deutlich niedriger.

Vorbild OBEON: Hilfe von Peers und Profis

Während die Regelversorgung nachzieht, gilt das Modellprojekt OBEON als konzeptioneller Vorreiter. Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Plattform setzt auf einen „trialogischen“ Ansatz.

Hier beraten nicht nur Fachkräfte, sondern auch geschulte Peers (Menschen mit eigener Krisenerfahrung) und Angehörige. Nutzer können zwischen Chat, E-Mail und gesicherter Videoberatung wählen. Die Daten zeigen eine hohe Akzeptanz, besonders aufgrund der Anonymität und niedrigen Zugangshürden.

Experten fordern nun, die erfolgreichen Strukturen von OBEON dauerhaft in die Regelversorgung zu überführen. So ließe sich die Lücke der fehlenden Gesundheitskioske schließen.

Druck durch monatelange Wartezeiten

Die digitale Wende ist auch ein notwendiger Schritt. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt weiterhin oft bei über 20 Wochen. Branchenanalysten sehen eine klare Zweiteilung entstehen:

  • Akut- und Krisenintervention verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum.
  • Langzeittherapie verbleibt primär im persönlichen Setting, wird aber hybrid ergänzt.

Die Lockerung der 30-Prozent-Quote für Videoleistungen durch KBV und GKV-Spitzenverband hat diesen Trend beschleunigt. Die Devise lautet nun: „Digital als gleichwertiger Zugangsweg“.

Was kommt 2026?

Für das laufende Jahr wird erwartet, dass Krankenkassen den Druck auf digitale Modelle weiter erhöhen. Selektivverträge für reine Online-Versorgungszentren dürften zunehmen.

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie können digitale Erstkontakte nahtlos in eine weiterführende Behandlung überleiten? Die Antwort darauf wird das gesundheitspolitische Jahr 2026 prägen.

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