VdS 2381: Neue Brandschutz-Regeln für Rechenzentren stehen bevor
31.01.2026 - 11:12:12Deutschlands Rechenzentren müssen sich auf strengere Vorschriften für Gaslöschanlagen einstellen. Die finale Fassung der aktualisierten Richtlinie VdS 2381 wird in Kürze erwartet und schafft den technischen Rahmen für den modernen IT-Brandschutz. Sie ergänzt die übergeordnete Richtlinie VdS 6003 und bildet so ein einheitliches Sicherheitskonzept für die digitale Infrastruktur.
Finale Veröffentlichung nach Einspruchsfrist
Die Brandschutz-Community blickt gespannt auf die Veröffentlichung der endgültigen VdS 2381. Der Entwurf aus Dezember 2025 lag bis Anfang Januar zur Stellungnahme aus. Nach Abschluss dieser Prüfphase wird VdS Schadenverhütung GmbH die definitive Version nun zeitnah vorlegen. Es handelt sich um die umfangreichste Überarbeitung seit der Ausgabe 2022.
Die schnelle Abfolge von Entwurf und Finale unterstreicht die Dringlichkeit, die spezifischen Löschnormen mit der übergreifenden VdS-6003-Richtlinie in Einklang zu bringen. Die neue VdS 2381 ist kein isoliertes Update, sondern Teil einer synchronisierten Modernisierung der Brandbekämpfungsstandards, die parallel zur Aktualisierung der VdS 2380 für Inertgassysteme erfolgt.
Auf der VdS-Fachtagung am 5. Februar 2026 in Köln werden die neuen technischen Richtlinien voraussichtlich ein zentrales Gesprächsthema sein – insbesondere die Frage nach Übergangsfristen für bestehende IT-Anlagen.
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Die fehlende Verbindung zum IT-Gesamtkonzept
Der Treiber für die 2026er-Aktualisierung ist die Abstimmung mit der VdS 6003, die im Juni 2025 erschien. Diese Richtlinie schließt eine Lücke, indem sie erstmals präzise Schutzziele für Serverräume definiert – von Kalt-/Warmgang-Systemen bis zur Verknüpfung von Früherkennung und Löschanlagen.
Die aktualisierte VdS 2381 adressiert nun die Umsetzungsseite dieses Rahmens. Sie legt detailliert fest, wie Halogenkohlenwasserstoff-Gaslöschanlagen (FK-5-1-12, HFC-227ea) geplant und installiert werden müssen, um den strengen Anforderungen der VdS 6003 gerecht zu werden.
Zu den erwarteten Kernpunkten der finalen Fassung gehören:
* Schnellere Löscheleistung: Verschärfte Anforderungen an Ausströmzeiten, um Hitzeschäden an Hochdichte-Serverracks zu verhindern.
* Raumdichtheit & Druckentlastung: Strengere Protokolle für Dichtheitstests (Door-Fan-Test) und Druckentlastungsöffnungen, die für die erforderliche Gaskonzentration entscheidend sind.
* Umwelt- & Personensicherheit: Aktualisierte Sicherheitsmargen für die Personengefährdung durch chemische Löschmittel, basierend auf neuesten toxikologischen Daten und DGUV-Vorschriften.
Technische Anpassungen an moderne Rechenzentren
Der Entwurf deutet auf mehrere technische Verfeinerungen hin. Ein Schwerpunkt liegt auf der Interaktion zwischen Löschsystemen und modernem Airflow-Management. Bei energieeffizienten Kühlkonzepten wie In-Row-Cooling oder Containment-Gängen haben sich die Gasausbreitungsdynamiken verändert. Die neuen Richtlinien werden voraussichtlich strengere hydraulische Berechnungen und Düsenaustrittsstrategien vorschreiben, um eine homogene Verteilung des Löschmittels auch in komplexen Strukturen zu gewährleisten.
Zudem wird die „Hold Time“ – die Dauer, für die die Löschkonzentration aufrechterhalten werden muss – thematisiert. In IT-Räumen, wo aufgrund anhaltender elektrischer Energie Wiederentzündungsgefahr besteht, ist dies kritisch. Die aktualisierte VdS 2381 unterstreicht die Notwendigkeit längerer Hold Times und verlangt häufigere Überprüfungen der Raumdichtheit.
Was Betreiber jetzt wissen müssen
Für Rechenzentrumsbetreiber und Facility-Manager bedeutet die Veröffentlichung, umgehend ihre Compliance zu prüfen. Bestandsanlagen genießen zwar meist Bestandsschutz, doch bedeutende Änderungen – wie Server-Erweiterungen, neue Kühllayouts oder strukturelle Umbauten – dürften die Pflicht auslösen, die Brandlöschanlage auf den neuesten Stand zu bringen.
Versicherer nutzen VdS-Richtlinien typischerweise als Maßstab für die Risikobewertung. Anlagen, die nicht den neuesten Standards entsprechen, könnten mit höheren Prämien oder Schwierigkeiten bei der Deckungszusage für Betriebsunterbrechung und Hardware-Schäden rechnen.
Sicherheitsberater raten Betreibern, ihre aktuellen Gaslöschanlagen bereits jetzt am Entwurf zu messen. Besonderes Augenmerk sollte auf Druckentlastungsberechnungen und Düsenkonfigurationen liegen, um potenzielle Lücken zu identifizieren, bevor der Standard für Neuinstallationen verbindlich wird.
Ausblick: Ein kohärentes Regelwerk entsteht
Mit der finalen VdS 2381 im Frühjahr 2026 vollendet sich eine große Überholung der deutschen Brandschutzvorschriften für den Digitalsektor. Die VdS 6003 liefert den architektonischen und organisatorischen Fahrplan, VdS 2381 (und 2380) die technischen Spezifikationen für die Unterdrückung. Die Branche erhält damit endlich einen auf moderne IT-Infrastruktur zugeschnittenen Regelwerk-Verbund.
Der Fokus wird sich künftig voraussichtlich auf die Integration dieser Systeme in Gebäudemanagement-Software und die Nachhaltigkeit von Löschmitteln verlagern. Da europäische F-Gas-Verordnungen strenger werden, wird die VdS 2381 als Basis für die Bewertung neuer, umweltfreundlicherer Alternativmittel dienen.
Die Industrie wartet nun auf die offizielle Ankündigung der VdS Schadenverhütung GmbH in den kommenden Wochen. Sie markiert den Start in eine neue Ära des IT-Brandschutzes, die Hochverfügbarkeit und schnelle Wiederherstellung in den Mittelpunkt stellt – in einer Wirtschaft, die zunehmend von unterbrechungsfreien digitalen Diensten abhängt.
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