ROUNDUP, Trump

Trump brüskiert Nato-Partner mit Äußerungen zu Afghanistan

25.01.2026 - 11:05:02

US-Präsident Donald Trump hat mit abfälligen Kommentaren über den Einsatz der Nato-Partner in Afghanistan die Risse im transatlantischen Bündnis vertieft - und sich danach um Schadensbegrenzung bemüht.

Zumindest das britische Militär lobt er nun in den höchsten Tönen.

Nur für die USA wurde die Nato-Beistandsklausel aktiviert

"Die GROSSARTIGEN und sehr MUTIGEN Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. In Afghanistan seien 457 von ihnen gefallen und viele schwer verwundet worden, "sie gehörten zu den großartigsten Kämpfern".

Trump hatte zuvor in einem Interview mit dem Sender Fox News behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch "ein wenig" zurück geblieben, "etwas abseits der Frontlinien".

Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.

Empörung beim Premier und Prinz Harry

Nicht nur aus Großbritannien war als Reaktion auf Trumps ursprüngliche Äußerungen Protest gekommen. Premierminister Keir Starmer kritisierte die Äußerungen als "beleidigend" und "entsetzlich". Es sei nicht überraschend, "dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben", sagte Starmer. Wenn er selbst sich derart falsch ausgedrückt hätte, würde er sich entschuldigen.

Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran, verlangte Respekt für die Opfer der amerikanischen Nato-Verbündeten in Afghanistan. "Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren", sagte Harry, der in den USA lebt. "Das Vereinigte Königreich allein hat 457 Militärangehörige verloren." Tausende Leben seien für immer verändert worden, Eltern hätten ihre Kinder begraben müssen und Kinder ihre Eltern verloren.

Pistorius betont: Deutsche in Afghanistan verwundet und gestorben

Auch Vertreter anderer beteiligter Länder reagierten kühl bis empört. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten hätten "ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt", sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der "Bild". "Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar."

Für den Einsatz von 2001 bis 2021 habe Deutschland einen hohen Preis bezahlt. "59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit", sagte Pistorius.

Meloni: "Freundschaft erfordert Respekt"

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte Trump. Solche herabwürdigenden Aussagen seien "nicht akzeptabel - insbesondere dann, wenn sie von einer verbündeten Nation stammen", hieß es in einer Mitteilung des Amtssitzes der Regierungschefin.

Meloni erklärte, die Nato habe nach den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 in einem "außergewöhnlichen Akt der Solidarität gegenüber den USA" zum einzigen Mal in ihrer Geschichte Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert. Italien habe unverzüglich reagiert und Tausende Soldaten entsandt. Ihr Land habe mit Dutzenden gefallenen Soldaten einen hohen Preis gezahlt.

Sie betonte zwar, Italien und die USA seien durch eine solide, auf gemeinsamen Werten basierende Freundschaft verbunden. "Doch Freundschaft erfordert Respekt - eine grundlegende Voraussetzung, um weiter die Solidarität zu gewährleisten, die das Fundament des Atlantischen Bündnisses bildet."

Unverständnis in den Niederlanden

Der niederländische Außenminister David van Weel sagte der Nachrichtenagentur ANP, mit seinen nicht der Wahrheit entsprechenden Äußerungen über den Einsatz von Soldaten anderer Nato-Länder in Afghanistan habe sich der US-Präsident "respektlos" verhalten. Er wies auf die 25 niederländischen Soldaten hin, die in Afghanistan ums Leben gekommen waren. Auch aus dem Umfeld des französischen Staatschefs Emmanuel Macron hieß es, die Aussagen seien inakzeptabel.

"America First" gilt für Trump auch in der Nato

Trumps Äußerungen folgten auf ereignisreiche Tage im Konflikt um das vom US-Präsidenten beanspruchte Grönland. Die Äußerungen aus den USA, die zum Königreich Dänemark gehörende Insel zum Zweck der eigenen Sicherheit übernehmen zu müssen, hatte die Nato vor eine harte Zerreißprobe gestellt. Nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte deeskalierte Trump die Lage zunächst - im Gespräch ist nun eine Einigung, deren Form aber noch völlig offen scheint. Beigelegt ist der Konflikt nicht.

Die Bemühungen des US-Präsidenten, den Einsatz anderer Staaten zur Unterstützung der Vereinigten Staaten herunterzuspielen, passen zu seinem generellen Kurs mit Blick auf die Nato. Den Willen, das Engagement im Verteidigungsbündnis im Vergleich zum Schutz des eigenen "Heimatlandes" kleinzuhalten, verdeutlichte die US-Regierung auch mit der Veröffentlichung der neusten nationalen Verteidigungsstrategie. In dieser ist festgehalten, dass die Verbündeten in Europa bei Bedrohungen die Führung übernehmen sollten, die für sie schwerwiegender seien als für die USA - "mit entscheidender, aber begrenzter Unterstützung der Vereinigten Staaten", heißt es in dem Leitfaden.

Es sei weder die Pflicht noch liege es im nationalen Interesse Amerikas, weltweit im Alleingang zu agieren oder für "sicherheitspolitische Versäumnisse von Verbündeten" einzustehen, die auf "unverantwortliche Entscheidungen" ihrer Regierungen zurückgingen, schreibt Verteidigungsminister Pete Hegseth im Vorwort der Strategie. Trump hatte immer wieder beklagt, dass die Verbündeten im Vergleich zu den USA nicht genug für die Nato bezahlten.

Widerspruch auch aus Dänemark und Polen

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge, es sei "nicht hinnehmbar", dass der US-Präsident die Bemühungen verbündeter Soldaten infrage stelle. Frederiksen betonte demnach, dass Dänemark gemessen an der Bevölkerungszahl die größten Verluste erlitten habe: Laut Ritzau kamen 44 dänische Soldaten ums Leben, 37 davon infolge direkter Kampfeinsätze.

Polens Präsident Karol Nawrocki schrieb auf der Plattform X, es bestehe kein Zweifel daran, dass polnische Soldaten Helden seien. 44 Polen seien in Afghanistan gefallen, 43 Soldaten und ein Zivilist.

@ dpa.de