US-Arbeitnehmer, Sozialnetz

US-Arbeitnehmer starten mit digitalem Sozialnetz ins neue Jahr

01.01.2026 - 08:04:12

Minnesota und Delaware haben neue staatliche Plattformen für bezahlte Familien- und Krankenzeit aktiviert. Weitere Bundesstaaten folgen mit eigenen Programmen, was HR-Abteilungen vor digitale Compliance-Herausforderungen stellt.

Millionen US-Beschäftigte erhalten ab sofort Zugang zu neuen staatlichen Portalen für bezahlte Auszeiten – eine digitale Revolution im Personalwesen, die auch deutsche Konzerne beobachten.

Der Jahreswechsel bringt für Millionen amerikanische Arbeitnehmer tiefgreifende Veränderungen. Seit heute, dem 1. Januar 2026, sind in den Bundesstaaten Minnesota und Delaware die neuen Portale für bezahlte Familien- und Krankenzeit aktiv. Diese staatlich verwalteten Programme markieren einen Wendepunkt: Sie digitalisieren Sozialleistungen und zwingen Personalabteilungen zur Nutzung neuer Web-Plattformen für Anträge und Compliance. Während sich Betriebe in diesen Staaten umstellen, stehen in New York und Maine bereits die nächsten digitalen Fristen an – ein turbulentes erstes Quartal für HR-Abteilungen.

Minnesota: Beitragszahlung und Leistungsbezug starten synchron

Anders als manch anderer Staat startet Minnesota sein Paid-Leave-Programm mit einem Rundumschlag. Die Beitragsabzüge und der Leistungsbezug beginnen zeitgleich. Ab sofort können berechtigte Arbeitnehmer bis zu zwölf Wochen bezahlte Freistellung für medizinische oder familiäre Gründe beantragen.

Finanziert wird das Programm durch eine Lohnsummensteuer von 0,88 Prozent. Die Kosten teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer grundsätzlich gleichmäßig, Unternehmen können aber einen größeren Anteil übernehmen. Um den digitalen Aufwand zu minimieren, nutzt der Staat eine bestehende Infrastruktur: Arbeitgeber melden Lohndaten und zahlen Beiträge über das Portal für Arbeitslosenversicherung (uimn.org). Arbeitnehmer müssen ihre Ansprüche hingegen auf der neuen Plattform paidleave.mn.gov geltend machen.

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Delaware: Nach Beitragsjahr startet die Leistungsphase

In Delaware läuft das Programm unter dem Healthy Delaware Families Act. Seit einem Jahr fließen bereits Beiträge in den Fonds, doch erst heute öffnet sich das Leistungsfenster. Über das zentrale Portal LaborFirst können Beschäftigte nun Anträge stellen: bis zu zwölf Wochen bezahlter Elternurlaub und sechs Wochen für pflegebedingte oder medizinische Auszeiten.

Die einjährige Vorlaufzeit sollte die Solvenz des Fonds sicherstellen. Jetzt sind Personalverantwortliche gefordert: Sie müssen eingehende Anträge im Portal zeitnah prüfen und die Berechtigung der Mitarbeiter verifizieren. Ein aufwendiger Prozess, der digitale Disziplin erfordert.

New York und Maine: Die nächsten digitalen Deadlines drängen

Die Umstellungswelle rollt weiter. In New York müssen sich bis zum 18. März 2026 alle Arbeitgeber mit mindestens 30 Beschäftigten beim staatlichen Rentenprogramm New York Secure Choice registrieren – sofern sie keinen vergleichbaren betrieblichen Plan anbieten. Die Anmeldung erfolgt digital und führt zur automatischen Einrichtung von Roth-IRAs für die Belegschaft.

Maine steuert auf seinen eigenen Starttermin zu. Nach Beginn der Beitragszahlungen 2025 soll der Leistungsbezug am 1. Mai 2026 beginnen. Unternehmen haben nun ein kritisches Zeitfenster, um ihre Quartalsmeldungen zu überprüfen, bevor das Antragssystem live geht.

Kalifornien und Illinois: Gesetzesnovellen erweitern Schutz

Nicht nur neue Portale, auch neue Gesetze verändern die digitale Personalverwaltung. In Kalifornien tritt heute Assembly Bill 406 in Kraft. Das Gesetz verbietet Benachteiligungen von Arbeitnehmern, die wegen der Teilnahme an Gerichtsverfahren als Opfer einer Straftat freinehmen. HR-Systeme müssen um diese neue geschützte Freistellungskategorie erweitert werden.

Illinois verschärft ebenfalls die Regeln. Ab sofort haben stillende Mütter Anspruch auf bezahlte Stillpausen, bisher waren diese unbezahlt. Zudem tritt am 1. Juni 2026 der Neonatal Care Act in Kraft, der unbezahlten Urlaub für Eltern von Frühchen in der Intensivpflege vorsieht.

Analyse: Trend zum digitalen Staat birgt Chancen und Risiken

Die Aktivierung der Portale folgt einem klaren Trend: „Government-as-a-Platform“ für Sozialleistungen. Kleine Betriebe, die sich komplexe Benefits bisher nicht leisten konnten, werden entlastet. Die Kehrseite: Der Erfolg hängt von digitaler Kompetenz und stabiler Technik ab.

Erfahrungen aus Staaten wie Massachusetts und Connecticut zeigen die Risiken. Dort gab es zu Beginn Portal-Abstürze und Verwirrung. Minnesotas Strategie, das neue System an die bewährte Arbeitslosenversicherung anzudocken, gilt daher als kluger Schachzug.

Doch die Zersplitterung bleibt ein Problem. Jeder Staat hat eigene Beiträge, Leistungsobergrenzen und Portal-Oberflächen. Diese Komplexität befeuert die Nachfrage nach übergreifenden HR-Lösungen, die Compliance über Staatsgrenzen hinweg automatisieren – eine Chance für deutsche Tech-Anbieter wie SAP.

Ausblick: Maryland verschiebt, Daten werden Politik beeinflussen

Der nächste große Meilenstein steht in Maryland an. Dort wurde der Start des FAMLI-Programms verschoben: Beiträge fließen erst 2027, Leistungen ab 2028. Die Verzögerung gibt Betrieben Luft, unterstreicht aber die Unwägbarkeiten bei der Umsetzung auf Staatsebene.

Für Personaler in Minnesota und Delaware geht es nun um die Praxis: Anträge prüfen, unterbrochene Freistellungen tracken, Beitragsabzüge kontrollieren. Die Daten aus diesen Pilot-Systemen werden die politische Debatte in anderen Staaten maßgeblich beeinflussen. Die digitale Transformation des US-Sozalnetzes hat gerade erst begonnen.

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