Unternehmensnachfolge, Abwanderungswelle

Unternehmensnachfolge: Deutsche Wirtschaft steht vor massiver Abwanderungswelle

09.01.2026 - 16:05:12

Die Zahl erfolgreicher Unternehmensübergaben sinkt trotz vieler Verkäufer. Hohe Kosten und Bürokratie machen viele Betriebe unattraktiv, was Millionen Jobs gefährdet.

Berlin/Bonn – Eine Welle von Betriebsschließungen droht, weil immer weniger Firmen für Nachfolger attraktiv sind. Das ist das alarmierende Ergebnis aktueller Wirtschaftsdaten.

Trotz Rekordzahlen an altersbedingt ausscheidenden Inhabern stagniert die Zahl erfolgreicher Unternehmensübergaben. Der neue „IHK-Report 2026“ zeigt: Für den Zeitraum 2026 bis 2030 werden nur noch etwa 186.000 erfolgreiche Übergaben erwartet. Das sind 4.000 weniger als in der vorherigen Fünfjahresprognose. Die demografische Chance schlägt in ein ökonomisches Risiko um.

Das Paradox der Stagnation

Die Zahlen offenbaren ein Paradox: Es gibt mehr Verkäufer denn je, doch gleichzeitig schrumpft das Interesse am Kauf. Der Grund? Viele Betriebe gelten schlicht als „nicht übernahmefähig“. Anhaltend hohe Energiekosten, Bürokratie und die rezessive Wirtschaftslage haben die Profitabilität Tausender kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ausgehöhlt. Für potenzielle Nachfolger oder finanzierende Banken lohnt die Übernahme oft nicht mehr.

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Die klassische Familiennachfolge verliert rasant an Bedeutung. Sie macht nur noch etwa die Hälfte aller Übergaben aus. Fast ein Viertel der beratungssuchenden Inhaber zieht laut IHK-Bericht inzwischen die vollständige Schließung in Betracht.

Kritische Lücke: Nur ein Nachfolger für fast zwei Verkäufer

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft immer weiter auseinander. Aktuell stehen rechnerisch etwa 9.600 ausscheidenden Senior-Unternehmern nur rund 4.000 qualifizierte und interessierte Käufer gegenüber. Diese Lücke hat sich seit dem Vorkrisenjahr 2019 nahezu verdoppelt.

Die jüngere Generation scheut oft das finanzielle Risiko und die regulatorische Komplexität. Doch woran liegt es noch? Experten sehen die mangelnde Attraktivität des Standorts Deutschland als Kernproblem. Hohe Steuern und ein unberechenbares regulatorisches Umfeld schrecken ab – selbst bei eigentlich profitablen Firmen.

Rettungsstrategien: Fusionen und Mitarbeiter-Übernahmen

Angesichts der stagnierenden Zahlen fordern IHK und Experten eine strategische Kehrtwende. Der traditionelle Weg, einen einzelnen Nachfolger zu suchen, reicht nicht mehr aus. Im Fokus stehen nun neue Übernahmestrategien.

Immer wichtiger werden Fusionen und Übernahmen (M&A) durch Wettbewerber. Für viele KMU ist der Verkauf an einen größeren Mitbewerber der realistischste Ausstieg. Auch Management-Buy-Outs (MBO), bei denen Führungskräfte das Unternehmen übernehmen, werden forciert. Allerdings erfordern solche externen Lösungen eine frühzeitige Vorbereitung, oft Jahre im Voraus.

Ein weiteres, in Deutschland noch wenig verbreitetes Modell sind sogenannte „Search Funds“. Dabei sammeln angehende Unternehmer Kapital, um gemeinsam ein Unternehmen zu erwerben und zu führen. Dieses Instrument müsse für den deutschen Mittelstand erst noch adaptiert werden.

Millionen Jobs in Gefahr

Die wirtschaftlichen Folgen der Nachfolgekrise sind massiv. Sollten in den nächsten zehn Jahren wie prognostiziert 250.000 betroffene Unternehmen verschwinden, gehen Millionen Arbeitsplätze verloren. Besonders betroffen wären ländliche Regionen, deren Wirtschaftskraft oft von diesen mittelständischen Betrieben abhängt.

Berater betonen, dass viele Inhaber den Wert ihres Lebenswerks überschätzten. Sie vernachlässigten oft den Investitionsstau, den ein Nachfolger bewältigen müsse. Der Appell des Reports lautet daher: Wer später verkaufen will, muss jetzt in Modernisierung und Restrukturierung investieren.

Erwartungen an die Politik

Die Wirtschaft erwartet als Reaktion auf die alarmierenden Daten gezielte Entlastungen von der Politik. Gefordert werden bürokratische Erleichterungen und steuerliche Anreize für Unternehmensnachfolger. Ohne solche Maßnahmen zur Stärkung der Standortattraktivität droht eine Beschleunigung der „stillen Schließungen“.

Für das laufende Jahr wird der Fokus darauf liegen, „unverkäufliche“ Unternehmen durch aggressive Restrukturierung und Digitalisierung doch noch marktfähig zu machen. Ob das den Negativtrend stoppen kann, bleibt die entscheidende Frage für den deutschen Mittelstand.

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