Union, Teilzeit-Anspruch

Union will Teilzeit-Anspruch einschränken – für mehr Vollzeit

26.01.2026 - 19:06:12

Die Diskussion um Deutschlands Fachkräftemangel konzentriert sich auf die hohe Teilzeitquote. Statt rechtlichem Zwang fordern Experten steuerliche Anreize und bessere Betreuung.

Die Debatte um Deutschlands Fachkräftemangel spitzt sich zu. Teile der Union fordern, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit zu beschneiden, um mehr Menschen in Vollzeit zu bringen. Auf breiten politischen und gesellschaftlichen Widerstand stößt vor allem der Vorstoß, das Teilzeitrecht einzuschränken.

Die stille Reserve: Ein ungenutztes Potenzial

Hinter der Diskussion steht ein massives wirtschaftliches Problem: Der Fachkräftemangel betrifft laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) weiterhin mehr als jedes dritte Unternehmen. Gleichzeitig ist die Teilzeitquote in Deutschland hoch, besonders bei Frauen. In dieser „stillen Reserve“ sehen Wirtschaftsforscher ein enormes Potenzial.

Ihre Aktivierung könnte Personalengpässe lindern, Steuereinnahmen erhöhen und die private Altersvorsorge der Betroffenen stärken. Doch warum arbeiten so viele in Teilzeit? Oft fehlt es an passender Kinderbetreuung oder die familiäre Pflegearbeit lastet auf den Schultern der Beschäftigten.

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Anreize statt Zwang: Was wirklich helfen könnte

Statt auf rechtlichen Zwang setzt die Debatte zunehmend auf positive Anreize. Im Zentrum stehen zwei Forderungen:
* Steuerliche Entlastung: Derzeit lohnt sich für viele die Aufstockung kaum, weil Steuern und Abgaben einen Großteil des Mehrverdienstes auffressen.
* Ausbau der Betreuung: Verlässliche und hochwertige Kinderbetreuung ist für viele Eltern die Grundvoraussetzung, um überhaupt mehr arbeiten zu können.

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Wahlfreiheit zu erhöhen – nicht sie einzuschränken.

Kritik: Droht mehr Druck und Burnout?

Gewerkschaften und Sozialverbände laufen Sturm gegen eine einseitige Vollzeit-Förderung. Sie warnen, die individuellen Gründe für Teilzeit zu ignorieren: Neben Familie und Pflege sind das Gesundheit, Weiterbildung oder einfach der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance.

Eine Einschränkung des Teilzeitrechts würde den Druck auf Beschäftigte erhöhen und könnte zu mehr Erschöpfung führen. Interessanterweise zeigen Analysen der Hans-Böckler-Stiftung: Länder mit kürzeren Arbeitszeiten haben oft eine höhere Stundenproduktivität.

Ein Balanceakt zwischen Wirtschaft und Lebensrealität

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont die Notwendigkeit, die Produktivität zu steigern, und sieht in mehr Vollzeit einen Baustein. Doch die Lösung liegt für viele Experten nicht in Verpflichtung, sondern in Attraktivität.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Politik auf ein Maßnahmenbündel aus Steuerreformen und Investitionen in die Betreuungsinfrastruktur einigen kann. Für Unternehmen bleibt Flexibilität ein Schlüssel im Fachkräftewettbewerb. Die große Frage ist: Schafft die Politik mehr Freiheit – oder neuen Zwang?

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