UNECE ringt in Genf um weltweite Regeln für autonomes Fahren
12.01.2026 - 00:36:12Die UN-Wirtschaftskommission startet heute entscheidende Verhandlungen über globale Sicherheitsstandards für Roboterautos. Parallel dazu prescht der US-Kongress mit einem neuen Gesetzentwurf vor, der die Zulassung zehntausender Fahrzeuge ohne Lenkrad ermöglichen soll.
Wettlauf gegen die Zeit
Im Genfer Palais des Nations beginnt heute ein zweitägiger Marathon-Gipfel. Technikexperten, Regierungsvertreter und Auto-Manager feilen an den technischen Vorgaben für künftige UN-Regeln. Ihr Ziel: Bis Mitte 2026 einen weltweit gültigen Standard für autonome Fahrzeuge zu schaffen. Die Uhr tickt – bereits nächste Woche tagt die zuständige UN-Arbeitsgruppe GRVA.
Derzeit diskutieren die Delegierten vor allem über Safety Cases. Diese Sicherheitsnachweise müssen Hersteller künftig vorlegen, um zu beweisen, dass ihre Systeme fehlerfrei funktionieren. Traditionelle Teststrecken reichen längst nicht mehr aus. Stattdessen setzen die Experten auf virtuelle Simulationen und Echtzeit-Datenanalysen.
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Doch warum dieser internationale Kraftakt? Die Antwort liegt in der drohenden Zersplitterung des Weltmarkts. China, die EU und die USA entwickeln parallel eigene Vorschriften. Die UN-Plattform soll verhindern, dass ein in Stuttgart zugelassenes Roboterauto in Shanghai oder San Francisco nicht fahren darf. Es geht um nichts Geringeres als die technische und rechtliche Interoperabilität über Kontinente hinweg.
USA erhöhen den Druck
Während in Genf noch verhandelt wird, prescht Washington mit einem eigenen Vorstoß vor. Am vergangenen Donnerstag legten Abgeordnete beider Parteien den Entwurf zum „SELF DRIVE Act 2026“ vor. Das Gesetz soll einen jahrelangen Stillstand beenden – bisher regeln in den USA vor allem einzelne Bundesstaaten den Betrieb autonomer Fahrzeuge.
Der Entwurf enthält drei revolutionäre Punkte:
* Massenhaft Ausnahmen: Die Obergrenze für Fahrzeuge ohne Lenkrad oder Pedale könnte von aktuell 2.500 auf bis zu 90.000 pro Jahr steigen.
* Bundesrecht bricht Landesrecht: Technische Vorgaben sollen künftig ausschließlich auf Bundesebene geregelt werden.
* Sicherheitsnachweise Pflicht: Wie in Genf diskutiert, müssten Hersteller detaillierte Safety Cases vorlegen.
Beobachter deuten den Vorstoß als Reaktion auf die chinesische Konkurrenz. Dort rollen bereits heute Roboter-Taxis durch Großstädte. Die USA fürchten, den Anschluss zu verlieren.
Zwischenfall zeigt Grenzen der Technik
Die Dringlichkeit klarer Regeln unterstreicht ein aktueller Vorfall. Erst letzte Woche fuhr ein Waymo-Robotaxi in Phoenix auf aktive Straßenbahnschienen. Zwar kam es zu keinem Unfall, doch der Fall zeigt: Selbst etablierte Systeme scheitern noch an komplexer städtischer Infrastruktur.
Für die Branche geht es um Milliarden. Tesla könnte von den US-Plänen besonders profitieren. Das Unternehmen plant ein „Cybercab“-Robotaxi-Netzwerk und benötigt dafür rechtliche Freiräume. Gleichzeitig drängen europäische Hersteller wie Mercedes-Benz und BMW darauf, die bestehende UN-Regelung Nr. 157 auszuweiten. Sie soll künftig nicht nur Spurhalten, sondern auch autonome Spurwechsel auf Autobahnen erlauben.
Zwei Welten nähern sich an
Die parallelen Entwicklungen in Genf und Washington markieren eine neue Phase. „Die wilde Test-Ära geht zu Ende, jetzt beginnt die kommerzielle Phase“, analysiert ein Branchenkenner. Dass beide Seiten gleichermaßen auf Safety Cases setzen, deutet auf wachsende Einigkeit hin.
Dennoch bleiben Unterschiede. Europa favorisiert die Typgenehmigung vor Markteinführung. Die USA vertrauen traditionell auf Selbstzertifizierung und nachträgliche Kontrollen. Der neue Gesetzentwurf könnte diese Kluft verkleinern – indem er vorab umfangreiche Sicherheitsdaten verlangt.
Die Weichen für die Zukunft des autonomen Fahrens werden diese Woche gestellt. Während in Genf die Expertengespräche morgen enden, beginnt in Washington die erste Anhörung zum SELF DRIVE Act. Sollten beide Initiativen Erfolg haben, könnte 2026 tatsächlich zum Durchbruchsjahr für Level-4-Autonomie werden. Die Industrie wartet gespannt auf das grüne Licht aus Genf und Washington.
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