UN-Generalversammlung beschließt globales KI-Wissenschaftsgremium
13.02.2026 - 17:42:12Die Vereinten Nationen haben ein unabhängiges Wissenschaftsgremium zur Bewertung der globalen KI-Auswirkungen ins Leben gerufen. Die Entscheidung fiel mit überwältigender Mehrheit, stieß jedoch auf scharfen Widerstand der USA.
In einer historischen Abstimmung hat die UN-Generalversammlung die Gründung eines unabhängigen wissenschaftlichen Expertengremiums für Künstliche Intelligenz beschlossen. Mit 117 Ja-Stimmen gegen nur zwei Nein-Stimmen wurde das „Unabhängige Internationale Wissenschaftliche Gremium für Künstliche Intelligenz“ am Donnerstag offiziell eingesetzt. Die USA und Paraguay votierten dagegen, Tunesien und die Ukraine enthielten sich. Das Gremium soll jährliche evidenzbasierte Berichte zu Chancen, Risiken und gesellschaftlichen Auswirkungen der KI erstellen – und damit eine wissenschaftliche Grundlage für die globale KI-Governance schaffen.
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Das neue Gremium, oft als „IPCC für KI“ bezeichnet, vereint 40 Experten aus einem Pool von über 2.600 Kandidaten. Die Mitglieder, die auf eine geografisch ausgewogene und geschlechterparitätische Zusammensetzung achten sollen, werden von Februar 2026 bis Februar 2029 in persönlicher Eigenschaft tätig sein. Ihre Mission: Die bestehende Forschung zu den transformativen Effekten der KI zu synthetisieren und zu analysieren. Damit soll die oft von Spekulationen geprägte Debatte auf eine solide wissenschaftliche Basis gestellt werden.
„KI erzeugt eine gegenseitige Abhängigkeit, die kein einzelner Staat allein regieren kann“, betonte der spanische Vertreter, dessen Land gemeinsam mit Costa Rica die Resolution vorangetrieben hatte. Spanien bot an, das erste persönliche Treffen des Gremiums auszurichten. Die Struktur orientiert sich am Vorbild des Weltklimarats (IPCC) – das Gremium wird keine verbindlichen Vorgaben machen, sondern politikrelevante Zusammenfassungen für die Mitgliedsstaaten erstellen.
Geopolitische Gräben treten zutage
Trotz der breiten Unterstützung offenbarte die Abstimmung tiefe politische Gräben. Die USA lehnten die Resolution als „erhebliche Überschreitung des UN-Mandats und der UN-Kompetenz“ ab. Eine Beraterin der US-Mission, Lauren Lovelace, argumentierte, KI-Governance sei Sache nationaler Behörden und Marktkräfte, nicht der UNO. Washington kritisierte zudem den Auswahlprozess der Experten als „nicht transparent“ und äußerte die Befürchtung, autoritäre Regime könnten das Gremium für ihre Vision von Überwachung und Kontrolle instrumentalisieren.
Die USA signalisierten, stattdessen mit „gleichgesinnten Nationen“ außerhalb des UN-Rahmens zusammenarbeiten zu wollen. Die ukrainische Enthaltung hing mit Bedenken bezüglich eines von Russland ernannten Experten und einem möglichen Interessenkonflikt zusammen.
Breite Allianz für kooperative KI-Regeln
Der amerikanische Widerstand blieb isoliert. Traditionelle Verbündete wie europäische und asiatische Staaten stimmten ebenso für das Gremium wie Russland und China. Unterstützer betonten die Notwendigkeit koordinierter Governance, um das Potenzial der KI für die UN-Nachhaltigkeitsziele zu nutzen – etwa in Gesundheitswesen, Bildung und öffentlichen Dienstleistungen.
Der Vertreter Uruguays für die Gruppe der 77 und China forderte inklusive Rahmenbedingungen, die Entwicklungsländern eine faire Mitsprache bei der Gestaltung der KI-Zukunft sichern. China und Iran pochten darauf, dass die Arbeit des Gremiums die Bedürfnisse des Globalen Südens widerspiegeln müsse. Die Europäische Union unterstrich, dass die Glaubwürdigkeit des Panels von seiner wissenschaftlichen Exzellenz und Unabhängigkeit abhängen werde.
Startschuss für strukturierten Weltdialog
Mit der offiziellen Einsetzung der Mitglieder kann das Gremium nun unverzüglich seine Arbeit aufnehmen. Sein erster Jahresbericht wird ein zentraler Input für den „Globalen Dialog zur KI-Governance“ sein – ein jährliches Multi-Stakeholder-Treffen, das parallel zu anderen großen UN-Konferenzen in Genf und New York stattfinden soll.
Die Gründung des Gremiums zementiert die zentrale Rolle der Vereinten Nationen in der weltweiten KI-Debatte. Der massive Widerstand der USA zeigt zwar die Herausforderungen auf dem Weg zu einem globalen Konsens. Die überwältigende Mehrheit signalisiert jedoch einen starken internationalen Willen, den tiefgreifenden Einfluss der Künstlichen Intelligenz künftig strukturierter und wissenschaftlich fundiert zu gestalten.
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