Überstunden-Steuerfreiheit: Regierung plant umstrittenen Anreiz
30.01.2026 - 21:14:12Die Bundesregierung will Überstunden steuerlich begünstigen – und löst damit einen heftigen Streit über die Zukunft der Arbeit aus. Ihr Plan: Zuschläge für Mehrarbeit sollen künftig von der Lohnsteuer befreit werden. Kritiker warnen jedoch vor gefährlichen Nebenwirkungen für die Work-Life-Balance und sozialer Ungerechtigkeit.
Kern des umstrittenen Gesetzesentwurfs
Konkret sieht der Entwurf des Arbeitsmarktstärkungsgesetzes vor, Zuschläge bis zu einer Höhe von 25 Prozent des Grundlohns steuerfrei zu stellen. Die Regelung gilt nur für Stunden, die über die reguläre Vollzeit hinausgehen – in der Regel also ab der 41. Stunde pro Woche.
In einer Phase verhaltenen Wirtschaftswachstums soll das Gesetz die Konjunktur ankurbeln und dem Fachkräftemangel begegnen. Es ist der Versuch, die Wirtschaft zu stärken, ohne auf unpopuläre Maßnahmen wie eine generelle Rentenalter-Anhebung zurückgreifen zu müssen.
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Studie rechnet mit minimaler Wirkung
Doch die Rechnung könnte nicht aufgehen. Eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) kommt zu einem vernichtenden Urteil: Die geplante Regelung würde ihre Ziele verfehlen.
Den Berechnungen zufolge würde nur etwa 1,4 Prozent aller Beschäftigten überhaupt von der Steuerfreiheit profitieren. Die durchschnittliche monatliche Entlastung fiele äußerst gering aus. Statt die „Fleißigen“ zu belohnen, würde die Maßnahme vor allem Besserverdiener begünstigen.
Soziale Schieflage und Risiko für Familien
Die Kritik geht noch weiter. Experten warnen vor einer Zementierung sozialer Ungleichheit und traditioneller Rollenbilder.
- Ungleiche Verteilung: Laut WSI-Studie würden satte 95 Prozent der Entlastung Beschäftigten aus der oberen Hälfte der Einkommensverteilung zugutekommen.
- Diskriminierung von Frauen: Da Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, würden sie von der Regelung kaum profitieren. Stattdessen könnte das Gesetz Modelle fördern, bei denen ein Partner – meist der Mann – überlange Arbeitszeiten leistet.
Droht hier ein Rückschritt in der Gleichstellungspolitik? Die Befürchtung ist, dass finanzielle Anreize genau die falschen Signale setzen.
Gefahr für Gesundheit und Produktivität
Im Zentrum der Debatte steht die gefährdete Work-Life-Balance. Der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums und andere Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen.
Lange Arbeitszeiten sind nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Belastungen verbunden. Die Sorge: Unternehmen könnten verleitet werden, bestehendes Personal stärker zu belasten, anstatt neue Fachkräfte einzustellen oder in Ausbildung zu investieren.
Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem: Ein erheblicher Teil der geleisteten Überstunden in Deutschland ist unbezahlt. Kritiker monieren, dass die Neuregelung dieses Kernproblem ignoriert. Statt die Quantität der Arbeit zu fördern, sollte die Politik lieber in die Qualität und Produktivität investieren.
Während Österreich eine ähnliche, befristete Regelung bereits beschlossen hat, steht die finale Entscheidung in Deutschland noch aus. Der weitere parlamentarische Weg wird zeigen, ob der Fokus auf reine Mehrarbeit gelegt wird – oder ob nachhaltigere Modelle in den Vordergrund rücken.
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