Steuerbefreiung, Vollzeitkräfte

Überstunden-Steuerbonus spaltet Österreich

21.01.2026 - 04:47:12

Die geplante Steuerbefreiung für Überstunden in Österreich begünstigt überwiegend männliche Vollzeitkräfte und könnte die bestehende Lohnlücke zwischen den Geschlechtern weiter vergrößern.

Eine neue Steuerbegünstigung für Überstunden hat eine heftige Debatte über Gleichstellung ausgelöst. Die Regelung, die gestern den Finanzausschuss passierte, begünstigt vor allem Vollzeitkräfte – und damit überwiegend Männer. Frauen in Teilzeit gehen dagegen weitgehend leer aus.

Ab 2026 bleiben Zuschläge für bis zu 15 Überstunden pro Monat steuerfrei, maximal 170 Euro. Doch die Verteilung des 105-Millionen-Euro-Entlastungspakets ist umstritten: Rund 80 Prozent des Volumens kommen Männern zugute.

Warum Teilzeitkräfte das Nachsehen haben

Die Kritik trifft den Kern der Regelung: Sie gilt erst für Stunden, die über eine Vollzeitstelle hinausgehen. Damit sind Teilzeitbeschäftigte strukturell benachteiligt. In Österreich arbeiten besonders viele Frauen in reduzierter Stundenzahl, oft wegen unbezahlter Care-Arbeit.

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Studien aus Deutschland zu ähnlichen Modellen zeigen das drastische Gefälle:
* Nur etwa 0,2 Prozent der Teilzeitkräfte könnten profitieren
* Bei Vollzeitbeschäftigten sind es 2,4 Prozent

Die Grünen im Parlament sprechen von einer „mittelbaren Diskriminierung“. Eine vom Finanzministerium vorgeschriebene Wirkungsanalyse zu den sozialen Folgen fehlt bislang.

Gefahr für die Lohnschere

Österreich hat im EU-Vergleich bereits einen der höchsten Gender Pay Gaps. Experten warnen: Die neue Regelung könnte diese Kluft weiter vertiefen. Während überwiegend männliche Vollzeitkräfte netto mehr verdienen, erfahren Teilzeitgehälter – oft von Frauen – keine Aufwertung.

Die Verteilung ist auch sozial ungleich:
* 90 Prozent des Entlastungsvolumens gehen an die obere Einkommenshälfte
* Fast 40 Prozent landen im obersten Einkommensdezil

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) verweist auf die traditionelle Rollenverteilung: Männer leisten den Großteil bezahlter Überstunden, Frauen den Löwenanteil unbezahlter Sorgearbeit. Droht die Politik diese Kluft nun zu zementieren?

Regierung verteidigt Leistungsanreiz

Die Koalitionsparteien halten dagegen. Die Maßnahme solle Mehrarbeit attraktiver machen und dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken. Der Freibetrag von 170 Euro für 15 Stunden sei ein „wichtiges Signal“ für Leistungsträger.

Ursprünglich war für 2026 eine Reduktion auf 120 Euro für 10 Stunden geplant. Die temporäre Anhebung auf 200 Euro für 18 Stunden in den Vorjahren wird nun also teilweise verlängert.

Doch der Widerstand ist laut. Grünen-Sozialsprecher Markus Koza kritisiert die Pläne als weder budget- noch arbeitsmarktpolitisch sinnvoll. Wo bleibt die versprochene Evaluierung der bisherigen Ausweitungen? Die Debatte offenbart einen Grundsatzkonflikt: Pauschale Leistungsanreize versus gezielte Gleichstellungspolitik.

Ein Symptom tieferer Probleme

Die Auseinandersetzung ist mehr als nur Steuerpolitik. Sie zeigt strukturelle Schieflagen auf: Solange Care-Arbeit ungleich verteilt ist und Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, benachteiligen „geschlechtsneutrale“ Vollzeit-Regeln sie de facto.

Auch europäisches Recht gibt zu denken. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat klargestellt, dass eine ungerechtfertigte Schlechterstellung von Teilzeitkräften diskriminierend sein kann. Steht die österreichische Regelung damit im Widerspruch zu europäischen Grundsätzen?

Was kommt jetzt?

Die Vorlage geht nun an den Nationalrat zur finalen Beschlussfassung. Ein rückwirkender Inkrafttritt zum Jahresbeginn ist geplant. Angesichts der scharfen Kritik von Opposition, Sozialpartnern und Experten wird die Debatte jedoch nicht verstummen.

Die Frage bleibt: Braucht es treffsicherere Entlastungsmodelle, die nicht einseitig Überstunden belohnen? Oder begleitende Maßnahmen wie den Ausbau der Kinderbetreuung, um Frauen den Weg in die Vollzeit zu ebnen? Ohne solche Schritte droht der Steuerbonus unbeabsichtigt die Geschlechterkluft zu vergrößern.

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