TVStud, Bundesweiter

TVStud: Bundesweiter Streik erhöht Druck auf Länder

30.01.2026 - 22:34:12

Studentische Beschäftigte fordern mit bundesweiten Streiks einen verbindlichen Tarifvertrag mit 17 Euro Mindestlohn. Die Arbeitgeberländer lehnen ab und bieten deutlich niedrigere Löhne.

Tausende studentische Beschäftigte und Hochschulmitarbeiter legten am Mittwoch die Arbeit nieder. Sie fordern einen verbindlichen Tarifvertrag gegen prekäre Jobs.

Eine Welle des Protests rollte am 28. Januar durch Deutschlands Hörsäle und Campusse. Im Rahmen eines bundesweiten Hochschulaktionstages legten tausende Beschäftigte die Arbeit nieder. Die Gewerkschaften ver.di und GEW hatten zu den Warnstreiks und Demonstrationen an über 60 Standorten aufgerufen. Im Fokus steht die zentrale Forderung nach einem Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TVStud). Für diese letzte große Gruppe ohne tariflichen Schutz im öffentlichen Dienst geht es um grundlegende Rechte.

Massenproteste von Hamburg bis Heidelberg

Die Mobilisierung war beeindruckend. In Hamburg und Leipzig gingen jeweils fast 1.000 Menschen auf die Straße. In Universitätsstädten wie Heidelberg, Göttingen und Darmstadt folgten hunderte Demonstranten dem Aufruf. Die Solidarität war breit: Von Verwaltungsangestellten über wissenschaftliches Personal bis hin zu den Kern der Bewegung, den studentischen Hilfskräften, schlossen sich viele an. Die Folgen des Ausstands waren spürbar. Mehrere Mensen und universitäre Einrichtungen, darunter auch Kitas, blieben geschlossen.

17 Euro Mindestlohn und sichere Verträge gefordert

Was fordern die rund 300.000 studentischen Beschäftigten konkret? Die Gewerkschaften verlangen einen Tarifvertrag, der erstmals verbindliche Regeln schafft. Kernpunkt ist ein Einstiegsstundenlohn von 17,00 Euro. Dieser soll im zweiten Jahr auf 18,00 und im dritten auf 19,00 Euro steigen. Ein weiterer Dorn im Auge sind die kurzen Kettenverträge. Eine bestehende Vereinbarung zu Mindestvertragslaufzeiten von einem Jahr ist nicht einklagbar und wird oft ignoriert. Laut einer Auswertung der DGB-Jugend Sachsen erfüllt nur jeder vierte neue Vertrag diese Vorgabe. „Wir brauchen endlich Rechtssicherheit“, lautet die einhellige Forderung.

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Länder bieten nur Minimallohn – Gewerkschaften sauer

Die Arbeitgeberseite, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), bleibt hart. Sie lehnt einen eigenständigen Tarifvertrag für Studierende kategorisch ab. Stattdessen legte sie in der zweiten Verhandlungsrunde Mitte Januar ein reines Lohnangebot vor. Dieses sieht schrittweise Erhöhungen vor: auf 15,06 Euro (Sommer 2026), 15,76 Euro (Sommer 2027) und schließlich 16,49 Euro (Sommer 2028). Für die Gewerkschaften ist das ein Schlag ins Gesicht. Das Angebot liege kaum über dem gesetzlichen Mindestlohn und ignoriere die strukturellen Probleme komplett. Die TdL argumentiert mit der Wissenschaftsfreiheit der Hochschulen, die nicht durch Tarifzwang beschnitten werden dürfe.

Mehr als Geld: Ein Kampf um Anerkennung

Der Konflikt ist grundsätzlicher Natur. Es geht um die Wertschätzung einer systemrelevanten Gruppe. Studentische Hilfskräfte halten mit ihrer Arbeit in Forschung, Lehre und Bibliotheken den Hochschulbetrieb am Laufen. Doch sie arbeiten oft unter unsicheren Bedingungen. Die Gewerkschaften warnen: Ohne faire Bezahlung und stabile Verträge wird die wissenschaftliche Karriere zum Privileg für Kinder aus wohlhabenden Familien. Die Weigerung der Länder wird als Versuch gewertet, einen großen Niedriglohnsektor im öffentlichen Dienst zu erhalten und die Verantwortung auf die einzelnen Hochschulen abzuwälzen.

Showdown in Potsdam steht bevor

Nach dem erfolgreichen Aktionstag blicken alle auf die dritte Verhandlungsrunde vom 11. bis 13. Februar in Potsdam. Die Gewerkschaften haben klar gemacht, dass der Druck weiter steigen wird, sollte die TdL nicht mit einem substanziell verbesserten Angebot kommen. Die hohe Mobilisierungsstärke zeigt: Die Bereitschaft zu noch umfassenderen Streikmaßnahmen ist da. Die kommenden Tage entscheiden, ob es nach jahrzehntelangem Ringen endlich den Durchbruch für einen Tarifvertrag TVStud gibt.

@ boerse-global.de