TVöD: 2,7 Millionen Beschäftigte können jetzt Zeit statt Geld wählen
29.01.2026 - 06:52:11Ab sofort können Millionen Angestellte von Bund und Kommunen Teile ihres Weihnachtsgelds in zusätzliche Urlaubstage umwandeln. Die im Tarifabschluss 2025 verankerte „Zeit-statt-Geld“-Regelung ist nun in Kraft – ein strategischer Schachzug gegen den akuten Fachkräftemangel.
Kernstück: Weihnachtsgeld wird zu Freizeit
Die zentrale Neuerung betrifft die Jahressonderzahlung. Tarifbeschäftigte haben ab diesem Jahr die Option, Teile dieses Geldes in bis zu drei zusätzliche, bezahlte Urlaubstage umzuwandeln. Ein entsprechender Antrag muss bis zum 1. September gestellt werden. Die konkrete Umsetzung gestalten Personalräte vor Ort in Dienstvereinbarungen, angepasst an die Bedürfnisse der jeweiligen Behörde.
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Diese Flexibilität ist eine direkte Antwort auf den Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Der öffentliche Dienst kämpft mit über einer halben Million offener Stellen. Das traditionelle Argument der Jobsicherheit reicht längst nicht mehr aus, um gegen die Privatwirtschaft zu bestehen. Attraktivität muss heute durch individuelle Gestaltungsspielräume und eine bessere Work-Life-Balance geschaffen werden.
Mehr Flexibilität durch branchenspezifische Lösungen
Die allgemeine Regelung wird durch spezifische Anpassungen ergänzt. So traten zum Jahreswechsel im Rettungsdienst neue Vorgaben in Kraft: Die zulässige Wochenarbeitszeit inklusive Bereitschaft wurde auf durchschnittlich 46 Stunden begrenzt, gleichzeitig werden Bereitschaftszeiten höher vergütet. Eine spürbare Entlastung für die oft am Limit arbeitenden Einsatzkräfte.
Parallel dazu ermöglicht der Tarifvertrag eine weitere Flexibilisierung: Im gegenseitigen Einvernehmen kann die Wochenarbeitszeit befristet auf bis zu 42 Stunden erhöht werden. Diese Mehrarbeit wird nicht nur regulär bezahlt, sondern mit einem Zuschlag vergütet – ein attraktives Modell für Lebensphasen, in denen mehr verdient werden soll.
Strategische Antwort auf den Personalmangel
Die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bewertete den Abschluss als Schritt zu einem moderneren und attraktiveren öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaften ver.di und dbb sehen in der neuen Arbeitszeitsouveränität einen zentralen Erfolg. Die Modelle sollen die Motivation der bestehenden Belegschaft stärken und neue Talente anlocken.
Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2027 und bietet so Raum für eine Evaluation der neuen Instrumente. Ab 2027 kommt für alle Beschäftigten ein weiterer Urlaubstag hinzu. Die Entwicklungen im Bund und bei den Kommunen setzen auch die Länder unter Druck, die in ihren eigenen Tarifverhandlungen (TV-L) nun nachziehen müssen. Die Transformation zu einer mitarbeiterorientierten Arbeitskultur im Staatsdienst hat Fahrt aufgenommen.


