TV-L-Verhandlungen, Lehrergehälter

TV-L-Verhandlungen: Lehrergehälter stehen auf der Kippe

14.02.2026 - 08:09:12

Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Gehalt für Lehrer, Arbeitgeber bieten fünf Prozent über längeren Zeitraum. Die Verhandlungen finden parallel zur flächendeckenden Einführung der A13-Besoldung statt.

Die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder in Potsdam entscheidet über die Gehaltszukunft Hunderttausender Lehrer. Nach intensiven Gesprächen liegen Gewerkschaften und Arbeitgeber noch weit auseinander – bei einem drohenden Lehrermangel und parallel laufender Gehaltsstrukturreform.

Verhandlungen am Scheideweg: Sieben Prozent oder Kompromiss?

Die Lage ist angespannt. Während die Gewerkschaften Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an ihrer Forderung nach einer siebenprozentigen Gehaltserhöhung innerhalb von zwölf Monaten festhalten, signalisieren die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) Kompromissbereitschaft bei etwa fünf Prozent – allerdings gestreckt über 29 Monate. Diese Kluft bestimmte die Verhandlungen am Donnerstag und Freitag.

Die Gewerkschaften untermauern ihre Forderung mit deutlichem Druck. Erst am 10. Februar beteiligten sich über 16.000 Beschäftigte, darunter viele Lehrer, an einem Groß-Warnstreik in Düsseldorf. Sie argumentieren: Nur eine spürbare, kurzfristige Erhöhung könne die Inflation ausgleichen und den öffentlichen Dienst konkurrenzfähig halten.

Neben der prozentualen Erhöhung fordern die Gewerkschaften einen Anstieg der zeitbezogenen Zulagen für Schichtarbeit um 20 Prozentpunkte und einen eigenen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud). Die TdL zeigte sich bei Schichtzulagen zwar beweglich, doch die Kernfragen Gehalt und Laufzeit bleiben strittig. Das Ergebnis betrifft direkt rund 245.000 angestellte Lehrer und setzt indirekt den Rahmen für etwa 684.000 verbeamtete Kollegen.

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Parallele Revolution: Der flächendeckende Aufstieg in die A13

Parallel zu den Tarifverhandlungen vollzieht sich eine strukturelle Gehaltswende. Immer mehr Bundesländer schaffen die als ungerecht empfundene Bezahlungslücke zwischen Grundschullehrern (meist Besoldungsgruppe A12) und Gymnasiallehrern (A13) ab.

Bundesländer wie Berlin, Brandenburg und Sachsen haben die Angleichung bereits umgesetzt oder beschlossen. Das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen will zum 1. August 2026 für alle neu eingestellten Lehrer die A13 einführen. Diese Reform ist eines der kostenintensivsten bildungspolitischen Projekte der letzten Jahre und soll die gleichwertige pädagogische Arbeit an allen Schulformen honorieren.

Das deutsche Sonderproblem: Angestellte versus Beamte

Das deutsche Schulsystem kennt zwei Lehrerstatus: Angestellte und Beamte. Die aktuellen TV-L-Verhandlungen legen das Gehalt der Angestellten fest, das traditionell später auch für Beamte übernommen wird. Doch der Vergleich endet beim Bruttogehalt.

Beamte genießen erhebliche finanzielle Vorteile: Sie zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und haben niedrigere Abgaben für die Krankenversicherung. Ihr Nettogehalt und später ihre Pension fallen deutlich höher aus als bei angestellten Kollegen. Diese Ungleichheit sorgt für Spannungen im Kollegium und ist Dauerstreitthema in der Bildungspolitik.

Höheres Gehalt als Rezept gegen den Lehrermangel?

Die hitzige Gehaltsdebatte ist eng mit dem akuten Lehrermangel verknüpft. Zehntausende Stellen sind bundesweit unbesetzt, Unterricht fällt aus. Experten sehen in besseren Gehältern und Arbeitsbedingungen einen Schlüssel, um dem Mangel zu begegnen.

Zwar liegen deutsche Lehrergehälter im internationalen OECD-Vergleich hoch, doch im Wettbewerb um akademischen Nachwuchs konkurrieren sie mit der Privatwirtschaft. Die aktuellen Verhandlungen und die A13-Reform sollen deshalb ein klares Signal für die Attraktivität des Lehrerberufs senden. Zusätzlichen Druck erzeugen Klagen von Beamten, die ihre aktuelle Besoldung als verfassungswidrig niedrig ansehen und die Länder zu Neubewertungen zwingen.

Was kommt nach dem Wochenende?

Gelingt in Potsdam ein Durchbruch, bringt das Lehrern eine spürbare Gehaltserhöhung und etwas Ruhe. Scheitern die Gespräche, drohen weitere, umfangreichere Streiks mit massiven Störungen des Schulbetriebs.

Unabhängig vom Verhandlungsergebnis schreitet die Einführung der A13-Besoldung weiter voran. Zugleich beginnen am 27. Februar 2026 separate Tarifverhandlungen für den Landesdienst in Hessen. Der Lehrermangel und die finanzielle Kluft zwischen angestellten und beamteten Lehrkräften werden das Thema Lehrergehälter noch lange auf der politischen Agenda halten.

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