TÜV SÜD warnt vor Ablauf tausender Sicherheitszertifikate
11.01.2026 - 09:44:11Die Übergangsfrist für alte 10-Jahres-Zertifikate läuft aus – und könnte Zehntausende Fachkräfte in der Industrie unerwartet treffen. TÜV SÜD hat am Donnerstag eine dringende Warnung an Industrieunternehmen und Dienstleister herausgegeben. Demnach verlieren Sicherheitszertifikate für Mitarbeiter und Führungskräfte bereits am 31. Oktober 2026 ihre Gültigkeit, auch wenn auf dem Papier ein späteres Datum steht. Betroffen sind vor allem die Petrochemie, Energie- und Bauindustrie.
Was bedeutet die Deadline konkret?
Der Kern der Ankündigung betrifft den sogenannten Bestandsschutz für Zertifikate, die nach dem alten Standard ausgestellt wurden. Alle persönlichen Sicherheitszertifikate – die Dokumente 016, 017 und 018 – die zwischen dem 1. November 2016 und dem 31. Oktober 2021 ausgestellt wurden, werden am 31. Oktober 2026 ungültig.
Diese Frist gilt unabhängig vom aufgedruckten Ablaufdatum. Ein Zertifikat, das im Januar 2021 ausgestellt wurde und theoretisch bis Januar 2031 gültig wäre, erlischt damit faktisch fünf Jahre früher. Grund sind regulatorische Änderungen, die mit der Einführung des neuen Programms SCC-VAZ 2021 verbunden sind.
„Dieser ‚harte Stichtag‘ könnte viele Vertragsunternehmen überraschen“, warnt TÜV SÜD. Die neue Richtlinie erzwingt eine einheitliche Gültigkeitsdauer von fünf Jahren für alle Personenzertifizierungen. Damit soll der Wissensstand in Sicherheitsfragen aktuell gehalten werden.
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Wer ist betroffen und welche Risiken drohen?
Die Reichweite dieser Regelung ist enorm. Sie betrifft operative Mitarbeiter (Dok 018) und Betriebsleiter (Dok 017) in sicherheitskritischen Branchen. Diese Nachweise sind eine zwingende Voraussetzung, um auf den Geländen großer Kundenunternehmen – insbesondere in der chemischen und mineralölverarbeitenden Industrie – arbeiten zu dürfen.
Enes Halilovic, Produktmanager für SCC bei der TÜV SÜD Academy, betont die operativen Risiken: Unternehmen, die diese vorzeitigen Ablaufdaten nicht im Blick haben, riskieren Projektstopps und Zutrittsverweigerungen an Werktoren. Die aufgedruckte Gültigkeit ist nicht mehr entscheidend; die Compliance-Beauftragten an den Toren werden sich am Stichtag Oktober 2026 orientieren.
Die Dringlichkeit wird durch die Masse der Betroffenen getrieben. In den Übergangsjahren 2016 bis 2021 wurden zehntausende Zertifikate im Glauben an eine zehnjährige Laufzeit ausgestellt. Ein Großteil dieser Arbeitskräfte muss sich nun innerhalb der nächsten neun Monate einer Rezertifizierungsprüfung unterziehen.
Warum wurde die Gültigkeit verkürzt?
Der Wechsel von zehn auf fünf Jahre Gültigkeit resultiert aus einer Neuordnung der Programmträgerschaft in Deutschland. Im September 2021 übernahm der Verband der Akkreditierten Zertifizierungsunternehmen (VAZ e.V.) die Trägerschaft des SCC-Programms von der DGMK. Diese Übergabe führte zur Schaffung des Standards SCC-VAZ 2021.
Unter der neuen Führung harmonisierte der VAZ die Gültigkeitsdauern. Die Begründung: Ein zehnjähriger Abstand zwischen Sicherheitsschulungen ist in einem industriellen Umfeld mit sich schnell entwickelnden Technologien und Risikoprofilen zu lang. Der Fünf-Jahres-Zyklus stellt sicher, dass das Personal regelmäßig auf dem neuesten Stand der Arbeitssicherheit (SGU) ist.
Während neue Zertifikate nach November 2021 bereits die fünfjährige Laufzeit haben, setzt die Oktober-Deadline nun den Schlusspunkt unter die Alt-Dokumente. Diese Harmonisierung bringt das deutsche SCC-System näher an internationale Standards wie das niederländische VCA, das ebenfalls kürzere Gültigkeitsdauern nutzt.
Droht ein Engpass bei Schulungskapazitäten?
Die Warnung von TÜV SÜD kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bedenken über Engpässe in den Schulungskapazitäten lauter werden. Branchenbeobachter befürchten einen „Last-Minute-Ansturm“ im dritten Quartal 2026, der Prüfzentren und Zertifizierungsstellen überfordern könnte.
Daten aus dem Akkreditierungssektor deuten darauf hin, dass große Auftragnehmer zwar ihre Sicherheitsmanagementsysteme oft bereits während der Übergangsphase 2023 aktualisiert haben. Die individuellen Personenzertifikate wurden jedoch häufig weiterlaufen gelassen. Diese Aufschiebestrategie hat nun einen extrem engen Zeitplan für die Rezertifizierung der Belegschaft geschaffen.
Compliance-Abteilungen in großen Industrieunternehmen überprüfen bereits ihre Auftragnehmerdatenbanken, um „gefährdete“ Zertifikate zu identifizieren. Das Ziel ist es, die Rezertifizierungskurse über die erste Hälfte des Jahres 2026 zu verteilen, um einen Stau im Oktober zu vermeiden.
Was müssen Betroffene jetzt tun?
Die Branche erwartet in den kommenden Monaten einen starken Anstieg der Nachfrage nach SGU-Prüfungen. Zertifizierungsstellen raten Unternehmen, die Warnung vom 8. Januar als Signal zu verstehen, um umgehend mit Personalprüfungen zu beginnen.
Für die betroffenen Personen bedeutet der Prozess die Teilnahme an einem Auffrischungskurs und das Bestehen der SGU-Prüfung nach den aktuellen VAZ-2021-Vorschriften. Nach Bestehen ist das neue Zertifikat fünf Jahre gültig. Eine einfache „Verlängerung“ des alten 10-Jahres-Zertifikats ist nicht möglich; eine neue Prüfung ist zwingend erforderlich.
Der 31. Oktober 2026 markiert den letzten Meilenstein in der Modernisierung des deutschen Sicherheitsrahmens für Vertragsunternehmen. Ab November 2026 wird das gesamte Ökosystem der SCC-zertifizierten Personen im standardisierten Fünf-Jahres-Zyklus arbeiten. Unternehmen werden dringend aufgefordert, die Dokumente ihrer Mitarbeiter sofort zu überprüfen – und dabei das aufgedruckte Ablaufdatum zu ignorieren, wenn es über Ende 2026 hinausgeht.
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