Türkei, Markt

Türkei schottet Markt mit Zusatzzöllen auf 4.344 Produkte ab

06.01.2026 - 11:16:12

Die Türkei erhebt rückwirkend zum Jahresbeginn 2026 drastische Zusatzzölle auf Tausende Waren aus Nicht-EU-Ländern, um die heimische Industrie zu schützen und das Handelsdefizit zu verringern.

Die Türkei hat mit massiven Zusatzzöllen auf Tausende Importe ihren Außenhandel neu ausgerichtet. Betroffen sind genau 4.344 Produktkategorien aus Nicht-EU-Ländern.

Ankara — Mit einem drastischen Schritt will die Türkei ihre heimische Industrie schützen und das hohe Leistungsbilanzdefizit verringern. Seit dieser Woche gelten scharfe Erhöhungen der Zusatzzölle für Tausende Waren aus Drittstaaten. Die neuen Regeln, die nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft traten, betreffen exakt 4.344 verschiedene Produktkategorien aus Ländern außerhalb der Europäischen Union.

Die umfassenden Maßnahmen, die rückwirkend zum 1. Januar 2026 wirksam wurden, markieren eine der bedeutendsten Verschiebungen in der türkischen Handelspolitik der letzten Jahre. Mit Zusatzabgaben von bis zu 48 Prozent bei ausgewählten Artikeln zielt die Politik explizit darauf ab, lokale Hersteller vor ausländischer Konkurrenz zu schützen.

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Gezielter Schutzwall für die heimische Industrie

Im Kern der neuen Verordnung steht die gezielte Anwendung finanzieller Zusatzverpflichtungen auf eine breite Palette von Importen. Die betroffenen 4.344 Produkte reichen von schweren Rohstoffen wie Eisen, Stahl, Kupfer und Aluminium bis hin zu fertigen Konsumgütern und Haushaltswaren aus Basismetallen.

Analysten weisen darauf hin, dass die Präzision der Politik – die gezielte Auswahl von Nicht-EU-Herkünften – die Zollunion der Türkei mit der Europäischen Union ausnutzt. Indem Ankara die Barrieren für Importe aus Drittländern wie China, Indien oder den USA erhöht, schafft es einen geschützten Korridor für inländische Produzenten und deren europäische Partner.

Die Abgaben sind nicht einheitlich. Sie variieren erheblich, basierend auf der strategischen Bedeutung der Produktgruppe. Während einige Kategorien mit bescheidenen Erhöhungen ab 5 Prozent konfrontiert sind, treffen andere den Maximalsatz von 48 Prozent. Dieser abgestufte Ansatz legt eine kalkulierte Anstrengung nahe, den Import von Gütern zu erschweren, die die Türkei nach eigener Einschätzung selbst herstellen kann.

Stahl- und Metallsektor im Fadenkreuz

Der metallurgische Sektor scheint der primäre Fokus dieser Schutzmaßnahmen zu sein. Branchenberichte bestätigen, dass das neue Regime strenge Referenzpreis-Mechanismen für Stahlimporte einführt. Liegen die Einfuhrpreise unter diesen festgelegten Referenzwerten, werden die Abgaben auf Basis des höheren Referenzpreises berechnet. Damit wird faktisch ein Preisboden für ausländischen Stahl etabliert.

So legen die neuen Vorschriften beispielsweise Referenzpreise von 3,50 US-Dollar pro Kilogramm für bestimmte Artikel aus Eisen oder Stahl fest. Diese Preisstruktur soll Dumping verhindern – also den Export von Waren zu Preisen unter den Inlandskosten. Türkische Beamte haben dies lange als Bedrohung für ihre Schwerindustrie bezeichnet.

Marktbeobachter deuten diese Maßnahmen als direkte Reaktion auf globale Überkapazitäten im Stahlsektor. Indem nicht-europäischer Stahl deutlich teurer wird, will die Regierung die Nachfrage auf türkische Stahlwerke lenken, die in den letzten zwei Jahren unter volatilen Energiekosten und aggressivem internationalem Wettbewerb litten.

Wirtschaftliche Logik: Defizit und Arbeitsplätze

Das Handelsministerium hat die aggressiven Zollerhöhungen als unerlässlich für die „Unterstützung der inländischen Produktion, die Verhinderung unlauteren Wettbewerbs und die Steigerung der Beschäftigung“ dargestellt. Makroökonomische Analysten verweisen jedoch auf das Leistungsbilanzdefizit als stillen Treiber hinter der Politik.

Die türkische Wirtschaft kämpft mit externen Ungleichgewichten. Die Reduzierung der Importrechnung ist ein klassisches, wenn auch stumpfes Instrument, um die Devisenreserven zu stabilisieren. Durch die Dämpfung der Nachfrage nach ausländischen Waren erhofft sich die Regierung eine Verbesserung der Handelsbilanz.

„Die Logik ist klar: Wenn man keinen Überschuss durch Exporte erzielen kann, muss man das Defizit über Steuern bekämpfen“, erklärt ein auf Handelskonformität spezialisierter Experte in Istanbul. „Indem man 4.344 Kategorien importierter Güter verteuert, erzwingt man einen Substitutionseffekt. Hersteller müssen lokal einkaufen oder eine Prämie zahlen, die letztendlich an den Verbraucher weitergegeben wird.“

Folgen für globale Lieferketten und europäische Konkurrenten

Für internationale Unternehmen, insbesondere in Asien und Amerika, stellt die neue Zoll-Landschaft unmittelbare Herausforderungen dar. Exporteure aus Nicht-EU-Ländern haben nun einen steilen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren türkischen und europäischen Konkurrenten.

Zu den wichtigsten Auswirkungen gehören:
* Kosteninflation für Importeure: Türkische Hersteller, die auf Rohstoffe aus China oder Südkorea angewiesen sind, werden sofort steigende Inputkosten sehen, was ihre Margen drücken könnte.
* Vorteil für die EU: Europäische Exporteure dürften eine Stärkung ihrer Marktposition in der Türkei erleben. Da EU-Waren unter der Zollunion generell von diesen spezifischen Drittland-Zusatzabgaben befreit sind, werden deutsche, französische oder italienische Produkte im Vergleich zu Konkurrenten mit den neuen 48-Prozent-Abgaben effektiv günstiger.
* Verschiebungen in der Logistik: Supply-Chain-Manager müssen möglicherweise schnell den Ursprungsstatus ihrer Waren überprüfen. Produkte, die durch die EU umgeschlagen, aber anderswo hergestellt werden, unterliegen weiterhin den Abgaben.

Ausblick: Startet ein neuer Protektionismus?

Zu Beginn des Jahres 2026 könnte der türkische Schritt einen breiteren Trend der „strategischen Autonomie“ unter mittelgroßen Wirtschaftsmächten signalisieren. Die gezielte Ansprache von 4.344 Produkten ist keine kleine Anpassung, sondern eine umfassende Überholung des Importregimes.

In den kommenden Monaten müssen sich Beteiligte auf folgendes einstellen:
1. Vergeltungsrisiken: Auch wenn die Größe der Türkei unmittelbare Handelskriege begrenzen mag, könnten größere betroffene Partner gegenseitige Maßnahmen erwägen oder Beschwerden bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen.
2. Inflationärer Druck: Während sie die einheimische Industrie schützen, werden diese Zölle wahrscheinlich zur inländischen Inflation in der Türkei beitragen, indem sie die Preise für importierte Konsumgüter und industrielle Vorprodukte erhöhen.
3. Weitere Anpassungen: Das Ministerium hat ausdrücklich erklärt, dass diese Entscheidungen Teil eines kontinuierlichen Überprüfungsprozesses sind. Sollte das Defizit nicht schrumpfen oder die einheimische Industrie Schwierigkeiten haben, die Nachfrage zu decken, könnte die Liste der 4.344 Produkte bis zum zweiten Quartal 2026 erweitert oder überarbeitet werden.

Für globale Händler beginnt nun eine Phase der Anpassung. Die Ära des niedrigschwelligen Marktzugangs zur Türkei für Nicht-EU-Waren scheint vorbei zu sein, ersetzt durch ein Regime, das die lokale Industrie zu einem höheren Preis priorisiert.

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