Türkei, Markt

Türkei schließt Markt für nicht-EU-zertifizierte Lebensmittel

01.01.2026 - 00:35:12

Die Türkei verlangt ab sofort eine EU-Zertifizierung für Importe von Milch, Fisch und Co. Diese Angleichung an EU-Standards trifft Exporteure aus Drittländern hart und könnte die Preise im Land beeinflussen.

Ab heute dürfen tierische Produkte nur noch aus EU-geprüften Betrieben in die Türkei importiert werden. Die neue Regelung trifft vor allem Exporteure aus Drittländern hart und könnte die Lieferketten unterbrechen.

Die türkische Landwirtschaftsbehörde hat zum 1. Januar 2026 eine scharfe Importregelung in Kraft gesetzt. Sie verbietet die Einfuhr von Milchprodukten, Fisch, Gelatine und Kollagen aus Betrieben, die nicht für den Export in die Europäische Union zugelassen sind. Für Hunderte bisherige Lieferanten bedeutet dies ein abruptes Ende ihrer Geschäfte mit dem wichtigen Schwellenmarkt.

Doppelte Hürde für Exporteure

Die Maßnahme ist eine lang geplante Angleichung an EU-Standards. Gestern veröffentlichte das Landwirtschaftsministerium die endgültigen Kontrollvorschriften im Amtsblatt Resmi Gazete. Sie sehen vor, dass Zollbehörden Einfuhranträge für die betroffenen Waren automatisch ablehnen, wenn das Herstellerwerk nicht in einem zentralen elektronischen System als EU-zugelassen geführt wird.

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Parallel dazu verschärft die Türkei die Einfuhrbestimmungen für Geflügel und Eier. Grund sind aktuelle Ausbrüche der Geflügelpest (HPAI) in mehreren Lieferregionen. Exporteure müssen nun nachweisen, dass ihre Produkte aus seuchenfreien Gebieten stammen. Damit stehen sie vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen sowohl die regulatorische Zulassung ihrer Betriebe als auch die sanitäre Unbedenklichkeit ihrer regionalen Lieferkette belegen.

Harmonisierung oder Protektionismus?

Handelsexperten bewerten die Entwicklung ambivalent. Für multinationale Konzerne, die bereits den EU-Markt bedienen, vereinfacht sich die Logistik. Sie profitieren von einem einheitlichen Standard.

Für kleinere Exporteure aus Nicht-EU-Ländern hingegen steigen die Kosten und Hürden drastisch. Ein Handelsbrief aus Ankara spricht von einer „weichen protektionistischen Maßnahme“. Die Bindung des Marktzugangs an das aufwendige EU-Zulassungsverfahren dürfte das Importvolumen kurzfristig senken und heimische Produzenten stärken.

Die Timing-Frage ist brisant: Bei anhaltend globaler Lebensmittelinflation könnten eingeschränkte Importquellen die Inlandspreise für verarbeitete Milch- und Fischerzeugnisse weiter in die Höhe treiben.

Was kommt als Nächstes?

Importeure sollten ihre Lieferketten umgehend überprüfen. Waren, die vor dem 1. Januar verschifft wurden, aber erst jetzt ankommen, könnten bei der Zollabfertigung auf Probleme stoßen.

Das Ministerium kündigte an, im ersten Quartal 2026 eine ergänzende Liste mit speziell von der Türkei zugelassenen Nicht-EU-Betrieben zu veröffentlichen. Bis dahin bleibt die EU-Liste der einzige Schlüssel zum türkischen Markt. Unternehmen im Geflügelsektor müssen zudem tägliche Updates zu den dynamischen Seuchenbeschränkungen verfolgen, die sich nach Daten der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) kurzfristig ändern können.

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