Türkei führt strenge EU-Digitalvorschriften für Lebensmittel- und Verpackungsimporte ein
01.01.2026 - 08:36:12Seit Jahresbeginn müssen Hersteller für den Türkei-Export im EU-System TRACES NT registriert sein. Die Regelung betrifft Milch, Fisch und Verpackungen und führt bereits zu Warenrückweisungen an der Grenze.
Ab sofort müssen Exporteure zahlreicher tierischer Produkte und spezieller Verpackungen im EU-System TRACES NT registriert sein, um die türkische Grenze passieren zu können. Die am Neujahrstag in Kraft getretene Regelung stellt eine massive Handelshürde für nicht angemeldete Betriebe dar und zwingt Lieferketten zu sofortigen Compliance-Checks.
Neue Regelung: Keine Registrierung, kein Handel
Die türkische Regierung hat ihre lange angekündigte Verschärfung umgesetzt. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Einfuhr bestimmter Waren nur noch möglich, wenn das herstellende Unternehmen im europäischen TRACES NT-System gelistet ist. Betroffen sind unter anderem Milchprodukte, Fisch, Gelatine und – besonders bemerkenswert – Kollagen-Verpackungen, wie sie etwa für Wurstwaren verwendet werden.
Für bereits registrierte Betriebe bedeutet dies lediglich einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand durch eine spezielle Begleiterklärung. Für alle anderen könnte es das Aus bedeuten: Erste Berichte deuten darauf hin, dass die Zollstellen an Grenzübergängen wie Kapıkule oder den Häfen Istanbuls Lieferungen ohne gültige TRACES-Validierung bereits zurückweisen. Die Devise lautet klar: Ohne digitale Registrierung bleibt die Ware draußen.
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TRACES NT wird zur zwingenden Handelsinfrastruktur
Hinter der Maßnahme steht der Wunsch Ankaras, seine Lebensmittelsicherheits- und Zollverfahren an EU-Standards anzugleichen. TRACES NT ist das zentrale digitale Managementsystem der EU für veterinär- und pflanzengesundheitliche Bescheinigungen. Die Türkei bindet sich damit enger an die technische Infrastruktur des europäischen Binnenmarkts.
„Die Beweislast liegt jetzt vollständig beim Exporteur“, analysiert ein Handelsexperte. Waren früher papierbasierte Zertifikate oft ausreichend, ist nun eine lückenlose digitale Rückverfolgbarkeit Pflicht. Dieser Schritt trifft insbesondere Nischenanbieter und Hersteller von Spezialverpackungen, die bisher nicht in diesem System erfasst waren.
Sofortiges Handeln für Exporteure erforderlich
Deutsche Industrie- und Handelskammern (IHK) raten allen betroffenen Unternehmen zu umgehender Überprüfung ihres Status. Während große Lebensmittelkonzerne aufgrund EU-interner Vorschriften meist bereits in TRACES NT integriert sind, könnten viele Mittelständler außen vor sein.
Logistikdienstleister warnen vor erheblichen Verzögerungen in den kommenden Wochen. Die praktische Umsetzung der komplexen Regelung – insbesondere die korrekte Einreihung von Verpackungsmaterialien unter spezifische HS-Codes – wird den Handel voraussichtlich belasten. Ist das der Preis für mehr Sicherheit und Standardisierung?
Teil einer langfristigen Strategie
Die neue Vorschrift reiht sich ein in eine Serie regulatorischer Verschärfungen der Türkei. In den vergangenen Jahren wurden bereits die Vorgaben für Verpackungsabfälle, Recyclingbeiträge (GEKAP) und Holzverpackungen verschärft.
Marktbeobachter sehen in der TRACES-Pflicht einen Präzedenzfall. Es ist wahrscheinlich, dass Ankara das System in Zukunft auf weitere Produktkategorien ausweiten wird. Branchenverbände rechnen bereits 2026 mit einer Ausdehnung auf andere Lebensmittelkontaktmaterialien oder pflanzliche Erzeugnisse. Für Exporteure wird die enge Abstimmung mit ihren türkischen Partnern und Handelskammern damit noch wichtiger. Die Türkei setzt ein klares Signal: Der digitale Nachweis von Compliance wird zum neuen Standard im internationalen Warenverkehr.
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