Tudou-Marktplatz, Schlag

Tudou-Marktplatz: Schlag gegen milliardenschwere Cyberkriminalität

20.01.2026 - 11:44:12

Die Schließung des illegalen Marktplatzes Tudou Guarantee trifft die organisierte Cyberkriminalität. Die Plattform bewegte Milliarden und war eng mit Betrugsnetzwerken verflochten.

Ein Schlag gegen die organisierte Cyberkriminalität: Der illegale Marktplatz „Tudou Guarantee“ hat seinen Betrieb eingestellt. Die Plattform auf Telegram bewegte Schätzungen zufolge über 12 Milliarden Euro in Kryptowährungen.

Die Sperrung des drittgrößten Darknet-Marktes der Geschichte markiert einen wichtigen Erfolg für internationale Strafverfolgungsbehörden. Doch Experten warnen: Der Sieg könnte nur von kurzer Dauer sein. Das Geschäftsmodell der Plattform war einfach und effektiv. Sie fungierte als Treuhänder für kriminelle Geschäfte und schuf so Vertrauen unter Dieben.

Absturz eines digitalen Schwarzmarkts

Am 20. Januar 2026 froren die Administratoren von Tudou die Transaktionen in ihren Telegram-Kanälen ein. Die Plattform war ein gigantischer Einheitsladen für Cyberkriminalität. Sie bot Geldwäschedienste, gestohlene Daten, Betrugs-Kits für „Pig Butchering“-Scams und KI-Software für Deepfakes an.

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Warum wurde der Betrieb eingestellt? Spekulationen reichen von einem geplanten „Exit Scam“ der Betreiber bis hin zu externem Druck. Einige Nebenaktivitäten wie Glücksspielnetzwerke sollen weiterlaufen. Die genauen Gründe sind noch unklar.

Verbindung zu „Prince Group“ und regionalen Razzien

Das Timing der Schließung scheint kein Zufall zu sein. Es folgt auf eine breit angelegte Strafverfolgungsaktion in Südostasien. Im Zentrum steht die Festnahme von Chen Zhi, dem Vorsitzenden des Mischkonzerns Prince Group.

Am 6. Januar 2026 nahmen kambodschanische und chinesische Behörden Chen Zhi fest und lieferten ihn nach China aus. Sein Konzern stand unter Verdacht, Verbindungen zu industriell betriebenen Betrugs-Camps in Kambodscha zu haben. In diesen Lagern sollen Opfer von Menschenhandel unter Gewaltandrohung zu Online-Betrug gezwungen worden sein.

Analysen der Blockchain-Firma Elliptic legen eine direkte Verbindung nahe. Tudou war tief in die Finanzinfrastruktur dieser Betrugsnetzwerke integriert. Die Plattform sorgte für Liquidität und Geldwäsche, um die gestohlenen Milliarden zu bewegen. Die USA und Großbritannien hatten Ende 2025 bereits mit Sanktionen gegen diese Netzwerke reagiert.

Das Erbe des kriminellen Throns

Der Aufstieg von Tudou war kein Zufall. Die Plattform profitierte direkt vom Zusammenbruch ihres Vorgängers Huione Guarantee. Dieser Marktplatz wurde im Mai 2025 zerschlagen, nachdem er über 27 Milliarden Euro umgesetzt hatte.

Statt zu verschwinden, wanderten Händler und Betrüger einfach zu Tudou ab. Ermittlungen deuten auf eine geplante Übernahme hin: Huione Guarantee hatte Ende 2024 angeblich 30 Prozent der Anteile an Tudou erworben. Es handelte sich um einen vorgeplanten Notfallplan.

Dieses „Hau-den-Maulwurf“-Prinzip zeigt die immense Herausforderung für Behörden. Wird eine zentrale Plattform abgeschaltet, fließen Nutzer und Geldströme sofort zu einem vorbereiteten Nachfolger. Tudou nutzte diese Migration und sah seine Transaktionsvolumen explodieren.

KI-Werkzeuge und die Zukunft des Betrugs

Auf Tudou fanden Kriminelle alles, was sie für moderne Betrugsmaschen brauchten. Ein wachsender Marktsegment waren fortschrittliche KI-Werkzeuge. Anbieter verkauften Gesichtstausch-Technologien und Stimmklon-Software.

Diese Tools helfen Betrügern, biometrische Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen oder Opfer in Videoanrufen zu täuschen. Die Professionalisierung der Cyberkriminalität erreicht damit eine neue Stufe. Die Schließung von Tudou ist ein schwerer Schlag für diese Betrugsindustrie, insbesondere für die „Pig Butchering“-Scams. Bei dieser Masche bauen Täter lange vertrauensvolle Beziehungen zu Opfern auf, um sie später in gefälschte Krypto-Plattformen zu locken.

Telegram im Fokus der Strafverfolgung

Die Messaging-App Telegram steht unter wachsendem Druck, kriminelle Kanäle auf ihrer Plattform zu unterbinden. Nach der Festnahme ihres Gründers in Frankreich 2024 zeigt das Unternehmen eine größere Bereitschaft, rechtlichen Anfragen nachzukommen.

Doch die schiere Masse an Gruppen und die Leichtigkeit, neue zu erstellen, bleiben eine enorme Herausforderung für die Moderation. Im Gegensatz zum traditionellen Darknet, das spezielle Browser erfordert, ist Telegram mit einer Standard-Smartphone-App zugänglich. Das senkt die Einstiegshürde für Cyberkriminelle und ihre Kunden erheblich.

Fragmentierung und ein neuer Nachfolger

Was kommt nach Tudou? Die Unterwelt der Cyberkriminalität dürfte eine Phase der Chaos und Fragmentierung erleben. Händler werden verzweifelt nach alternativen Plattformen suchen.

Analysten sagen voraus, dass das Vakuum nicht lange leer bleiben wird. Kleinere konkurrierende Marktplätze werden um die Spitzenposition kämpfen – oder ein neuer, umbenannter Nachfolger ist bereits in Entwicklung. Der Zyklus aus „Abschaltung und Migration“ hat sich im Cybercrime-Bereich etabliert.

Für Strafverfolgungsbehörden verschiebt sich der Fokus nun auf die Verfolgung der Vermögenswerte. Blockchain-Analyse-Firmen werden die Bewegungen von Geldern aus Tudou-verknüpften Wallets überwachen. Sie suchen nach Anzeichen, dass Administratoren sich auszahlen oder die riesigen Reserven der Plattform an neue Verstecke transferieren.

Die Ereignisse des Januar 2026 zeigen das industrielle Ausmaß der modernen Cyberkriminalität. Die Schließung eines 12-Milliarden-Euro-Marktplatzes ist ein wichtiger taktischer Sieg. Der strategische Kampf gegen die „Betrug-als-Service“-Wirtschaft ist damit aber noch lange nicht gewonnen.

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