Trump verhängt Iran-Strafzölle – EU sucht neue Partner
14.01.2026 - 11:31:12Die USA zwingen Handelspartner in die Wahl zwischen Washington und Teheran. Die Europäische Union reagiert mit einer Offensive für Freihandelsabkommen in Asien und Südamerika.
Ein überraschender Schritt aus Washington bringt die globalen Lieferketten ins Wanken. US-Präsident Donald Trump hat am Montag Strafzölle von 25 Prozent auf Importe aus allen Ländern verhängt, die mit Iran Geschäfte machen. Diese als sofort wirksam erklärte Maßnahme zielt direkt auf die Handelspolitik von Partnerländern ab und trifft auch EU-Staaten. Brüssel beschleunigt nun als Gegenstrategie die Verhandlungen mit Mercosur und Indien.
Die „Iran-Klausel“: Ein neuer transatlantischer Konfliktherd
Die Ankündigung vom 12. Januar stellt die Handelspartner der USA vor eine unmögliche Wahl: Entweder sie brechen ihre kommerziellen Beziehungen zu Iran ab oder sie müssen mit massiven Zöllen auf alle Exporte in die USA rechnen. Anders als frühere, produktbezogene Strafen trifft diese pauschale Drohung ganze Volkswirtschaften – darunter China, Indien, die Türkei und mehrere EU-Mitglieder.
Das Problem für Europa: Die Definition von „Geschäften machen“ bleibt vage. Gelten humanitäre Hilfslieferungen? Was ist mit Altverträgen? Die Unsicherheit ist groß. Analysten befürchten, Washington könnte die Zölle gezielt gegen einzelne EU-Länder verhängen und so die Einheit des Binnenmarkts testen. Dieser Schritt verschärft den ohnehin angespannten Handelskonflikt, der 2025 mit den „Liberation Day“-Zöllen eskalierte, um eine geopolitische Dimension.
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EU-Gegenoffensive: Mercosur und Indien im Fokus
Als direkte Antwort auf den US-Protektionismus setzt Brüssel voll auf Diversifizierung. Die EU beschleunigt die Verhandlungen für zwei Mega-Abkommen:
- Das EU-Mercosur-Abkommen steht kurz vor dem Abschluss. Der Deal würde einen gemeinsamen Markt mit über 700 Millionen Verbrauchern schaffen und Zölle auf europäische Industriegüter sowie südamerikanische Agrarprodukte abbauen. Für die EU ist dies ein strategischer Schachzug, um unabhängiger von den USA und China zu werden.
- Das EU-Indien-Freihandelsabkommen erhält neuen Schwung. Deutschland, Frankreich und Polen drängen gemeinsam auf einen raschen Abschluss. Bei einem Gipfel am 27. Januar sollen die letzten Hürden fallen. Europa erhofft sich besseren Marktzugang für Automobile und Spirituosen.
Diese Doppelstrategie ist Kern der europäischen Politik der „Offenen Strategischen Autonomie“. Sie soll die Wirtschaft vor den Launen protektionistischer Großmächte schützen.
Der nächste Streit wartet schon: Digitale Souveränität
Der Handelskonflikt weitet sich in den digitalen Raum aus. Die EU-Kommission bereitet für das erste Halbjahr 2026 Gesetze wie den Digital Networks Act vor. Ziel ist es, die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Konzernen zu verringern und die Kontrolle über Dateninfrastrukturen zu stärken.
In Washington sieht man das als Protektionismus. US-Tech-Lobbyisten drohen bereits mit Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Firmen. Zudem wird der Druck auf die EU erhöht, ihre Digitalregulierung – etwa den Digital Services Act (DSA) – abzuschwächen. Die USA verknüpfen dies offenbar mit Handelsvorteilen.
Europas Druckmittel: Das Anti-Erpressungs-Instrument
In dieser Lage gewinnt ein europäisches Werkzeug an Bedeutung: Das Anti-Erpressungs-Instrument (ACI), das seit Dezember 2023 in Kraft ist. Es ermächtigt die Kommission, Gegenmaßnahmen wie Zölle oder Beschaffungssperren zu verhängen, wenn Drittländer EU-Staaten wirtschaftlich unter Druck setzen.
Ursprünglich gegen China gedacht, könnte das ACI nun im transatlantischen Verhältnis relevant werden – falls die USA ihre Drohung wahr machen und einzelne Mitgliedstaaten bestrafen. Die Hürde für eine Aktivierung ist hoch: Brüssel müsste rechtlich nachweisen, dass es sich um „wirtschaftliche Nötigung“ handelt. Derzeit setzt die EU noch auf Diplomatie und neue Allianzen.
Was kommt jetzt?
Die letzten Januarwochen werden richtungsweisend für die europäische Handelspolitik. Der Erfolg der Gipfel mit Indien und beim Mercosur-Abkommen wäre ein starkes Signal der Unabhängigkeit. Gleichzeitig müssen sich exportierende Unternehmen auf Turbulenzen im US-Geschäft einstellen. Klarheit über die US-Zölle wird erst kommen, wenn Washington die Details nachreicht. Bis dahin herrscht Unsicherheit – und die Kosten für den transatlantischen Handel steigen.
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