transmediale 2026 lädt zum Perspektivwechsel in Berlin
30.01.2026 - 21:30:12Das Festival für Kunst und digitale Kultur, die transmediale, hat in Berlin eröffnet. Unter dem Motto „By the Mango Belt & Tamarind Road“ lädt die 39. Ausgabe bis zum 1. Februar dazu ein, etablierte Tech-Narrative zu hinterfragen. Zentrale Spielorte sind das silent green im Wedding und erstmals das CANK in Neukölln.
Ein Festival im Gezeiten-Rhythmus
Die Struktur des Programms orientiert sich an Ebbe und Flut. Unter „High Tide“ finden zeitgebundene Events wie Konzerte und Vorträge statt. Die „Low Tide“-Formate wie Installationen sind dagegen durchgängig zugänglich und laden zum Verweilen ein. So können Besucher zwischen fokussierten Veranstaltungen und freier Exploration wählen.
Die ersten Tage boten bereits ein dichtes Programm:
* Im silent green fanden Vortrags-Performances und Workshops statt.
* Das CANK lockte mit Installationen und DJ-Sets von Künstlern wie Hanaby.
* Ein Highlight war das Konzert „Transhemispheric Resonances“ mit Vica Pacheco.
* Eine Clubnacht in Kooperation mit dem CTM Festival im Berghain unterstrich die Vernetzung der Berliner Szene.
Technologie neu denken: Vom Werkzeug zum Ökosystem
Die kuratorische Ausrichtung unter Neema Githere und Juan Pablo García Sossa zielt auf einen radikalen Perspektivwechsel. Technologie wird nicht als neutrales Werkzeug, sondern als relationales und pflegebedürftiges System begriffen. Das Festival stellt drängende Fragen: Woher stammt der Code unserer digitalen Welt? Welche kulturellen Praktiken prägen ihn?
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Dieser Ansatz wird in Werken wie den „Techne·Shrines“ greifbar. Hier sind Schaltkreise und Codes wie Altäre arrangiert und laden zur Interaktion ein. Künstler wie Montika Kham-on behandeln Technologie damit als etwas, das Fürsorge und Aufmerksamkeit verdient.
Ein etablierter Leuchtturm mit neuer Ausrichtung
Seit 1988 hat sich die transmediale zu einer weltweit führenden Plattform für digitale Kultur entwickelt. Die diesjährige Ausgabe setzt einen bewussten Schwerpunkt: Sie lenkt den Fokus weg von eurozentrischen Narrativen hin zu Wissenssystemen aus dem globalen Süden. Die metaphorischen Leitlinien „Mangogürtel“ und „Tamarindenstraße“ verorten diesen Diskurs in der intertropischen Konvergenzzone.
Ausblick auf das Finale
Das Programm geht bis Sonntag mit vielfältigen Veranstaltungen weiter. Am Samstagabend treten im silent green unter anderem Animistic Beliefs und mobilegirl auf. Den musikalischen Abschluss bildet am Sonntag ein Konzert von Afrotronix. Das Festival versteht sich dabei weniger als reine Ausstellung, sondern als lebendiger Raum für Austausch und die gemeinsame Erkundung alternativer technologischer Zukünfte.


