TK-Report, Deutschen

TK-Report 2025: Zwei Drittel der Deutschen dauerhaft gestresst

28.11.2025 - 02:41:12

Die digitale Arbeitswelt macht krank. Zwei aktuelle Studien zeigen: Stress und Bildschirmarbeit fordern einen hohen Tribut von Beschäftigten.

Am Mittwoch präsentierte die Techniker Krankenkasse alarmierende Zahlen zum Stresslevel in Deutschland. Parallel dazu belegt eine neue Erhebung zum “Digitalen Sehstress”, dass ergonomische Defizite und fehlende Pausen zentrale Gesundheitsrisiken der modernen Arbeitswelt sind.

66 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich “häufig” oder “manchmal” gestresst. Nur acht Prozent geben an, gar keinen Stress zu empfinden. Das zeigt der TK-Stressreport 2025, den die Techniker Krankenkasse am Mittwoch in Berlin vorstellte.

Im Vergleich zu 2013 ist der Wert deutlich gestiegen – damals lag er noch bei 57 Prozent. Besonders problematisch: Die ständige digitale Erreichbarkeit treibt das Stresslevel zusätzlich nach oben.

“Chronischer Stress erhöht das Risiko für psychische und physische Krankheiten massiv”, warnte Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Die Folgen reichen von Herz-Kreislauf-Problemen über Rückenschmerzen bis hin zu Depressionen.

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Beim Stressabbau zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer greifen häufiger zu Alkohol (36 Prozent) oder Videospielen (33 Prozent). Frauen setzen eher auf soziale Kontakte oder Entspannungstechniken wie Yoga (28 Prozent).

6 von 10 Europäern leiden unter Sehstress

Die OPTICON Handels GmbH veröffentlichte gestern ergänzende Daten zur physischen Belastung durch Bildschirmarbeit. Das Ergebnis: 60 Prozent der Europäer leiden unter “Digitalem Sehstress” (Computer Vision Syndrome). Weltweit liegt die Quote bei fast 70 Prozent.

Die Symptome sind vielfältig:

  • Trockene, brennende Augen
  • Verschwommene Sicht
  • Chronische Kopfschmerzen
  • Verspannungen im Nackenbereich

Besonders betroffen sind Berufstätige mit hoher Bildschirmzeit und Studierende. “Die intensive Arbeitsphase vor dem Jahresende verschärft die Situation zusätzlich”, heißt es in der Studie.

Experten empfehlen die 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Objekt in 20 Fuß Entfernung (etwa 6 Meter) schauen. Das entspannt die Akkommodation der Augen.

Der Markt reagiert

Arbeitnehmer investieren zunehmend in bessere Hardware. Laut einer Analyse von Trend Force stieg der Absatz augenschonender OLED-Monitore im dritten Quartal um 12 Prozent. Ein Zeichen dafür, dass das Bewusstsein für visuelle Ergonomie wächst.

Politik unter Zugzwang

Die alarmierenden Gesundheitsdaten erhöhen den Druck auf die EU. Die Diskussion um ein europaweites “Recht auf Abschalten” gewinnt an Fahrt. Nachdem Verhandlungen zwischen EU-Sozialpartnern im Juli scheiterten, wird erwartet, dass die EU-Kommission eigene Gesetzesvorschläge vorlegt.

Der Europäische Gewerkschaftsbund fordert eine Richtlinie gegen die “Always-on”-Kultur. “Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend. Ohne klare Regeln riskieren wir eine Burnout-Welle”, warnt ein Sprecher.

Auch national bewegt sich etwas. Die SPD legte gestern ein Positionspapier zur Stärkung der Gesundheitswirtschaft vor. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mahnte bereits im November an, dass Digitalisierung nicht zu Lasten der Sicherheit gehen dürfe.

Ergonomie wird zum Wirtschaftsfaktor

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Laut TK-Gesundheitsreport führen Rückenbeschwerden und psychische Erkrankungen die Statistik der Fehltage an.

“Es reicht nicht mehr, einen höhenverstellbaren Tisch bereitzustellen”, erklärt Arbeitspsychologin Prof. Dr. Judith Mangelsdorf. “Unternehmen müssen eine Kultur etablieren, in der Nichterreichbarkeit akzeptiert und Pausen als Teil der Arbeit verstanden werden.”

Was 2026 bringt

Für das kommende Jahr zeichnen sich strengere Vorgaben ab. Die DGUV kündigte neue Informationsschriften für hybride Arbeitsplätze an. Die EU-Kommission dürfte im ersten Quartal einen Entwurf zur Regulierung der Telearbeit vorlegen.

Bis dahin gilt für Arbeitnehmer: Selbstfürsorge ist Pflicht. Die Daten zeigen eindeutig – ohne aktive Pausengestaltung und ergonomische Anpassungen leidet die Gesundheit bei dauerhafter Bildschirmarbeit massiv.

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